Dettingen. „Das große Tal der Tränen liegt für den Augenblick hinter uns“, sagte Andreas Hummel von der CDU/Freie Wählervereinigung (FWV) in seiner Haushaltsrede. Der rasche Wechsel von den „Schockhaushalten“ 2009 und 2010 zum erfreulichen Jahr 2011 bis hin zum soliden Jahr 2012 mache jedoch die Schwierigkeiten deutlich, in denen kommunale Planungen stecken. „Während man früher relativ verlässlich einen Konjunkturzyklus von fünf bis acht Jahren Aufschwung und dann Rezession unterstellen konnte, wechseln heute die Szenarien von Aufschwung und Abschwung fast im Zwei-Jahres-Rhythmus.“ Dettingen könne sich deshalb keineswegs ausruhen.
Die von der Verwaltung für 2012 eingeplante Rücklagenentnahme in Höhe von 1,3 Millionen Euro für Investitionen missfällt der CDU/FWV deshalb gewaltig, verdeutlichte Andreas Hummel. „Das ist uns zu viel. Wir greifen quasi mit der Baggerschaufel in unseren Sparstrumpf.“ Die Gemeinde Dettingen habe schließlich „keine reiche Erbtante“. Und andere Einnahmequellen seien ebenfalls nicht zu erwarten.
Ähnlich äußerte sich Dr. Werner Hack von der Freien Wählergemeinschaft (FWG): Die Grundstückserlöse aus dem Baugebiet Goldmorgen Süd seien eine einmalige Sache gewesen. „Um den Anforderungen und Aufgaben der Zukunft gerecht zu werden, müssen wir mit den Rücklagen sparsam umgehen.“ Das bestätigte Ulrike Schweizer von der SPD: „Unsere prosperierende Gemeinde ist dennoch keine Insel der Seligen. Wir müssen uns in dem Rahmen bewegen, der uns kommunalpolitisch vorgegeben ist.“
Andreas Hummel, Werner Hack und Ulrike Schweizer waren sich jedoch auch darin einig, dass die Themen Kinderbetreuung und Bildung in den nächsten Jahren viel Geld verschlingen werden. „Diese Investitionen sind aber notwendig für die Zukunft. Denn Bildung ist unser höchstes Gut“, betonte Werner Hack, der seine Haushaltsrede mit dem Titel „Fit für die Zukunft – im Dialog mit den Bürgern“ versehen hatte. Andreas Hummel und Ulrike Schweizer schlossen sich dieser Meinung an. „Die Bemühungen der Verwaltung zum Thema Weiterentwicklung der Bildungsinfrastruktur tragen wir in vollem Umfang mit“, betonte Ulrike Schweizer.
Werner Hack bedauerte, dass „wir von der Landesregierung keine eindeutigen Signale erhalten, wie es mit der Hauptschule beziehungsweise Werkrealschule weitergehen soll und mit welchen Veränderungen wir in Dettingen rechnen müssen“. Für Andreas Hummel und seine Fraktion jedenfalls ist die Werkrealschule in Dettingen „leider ein Auslaufmodell“. Denn auf Dauer werde es nicht gelingen, genügend Schüler gewinnen zu können. Deshalb stelle sich die Frage, wann der richtige Zeitpunkt sei, um die Werkrealschule aufzugeben und mit der Grundschule in das bestehende Gebäude am Rauberweg umzuziehen. Einig waren sich die Redner der drei Gemeinderatsfraktionen darin, dass die Bürger in die Entscheidung eingebunden werden sollen – sowohl bei den Kindergärten als auch beim Thema Schule.
Eine große Aufgabe sei 2012 außerdem die Sanierung von Kanälen, Wasserleitungen und Straßen auf dem alten Guckenrain, sagten die Redner unisono. „Es gibt keine Alternative, wir müssen diese Maßnahmen durchführen. Und wir freuen uns, dass nun mit der Sanierung begonnen wird“, verdeutlichte Werner Hack. Andreas Hummel sah das genauso: Zwar würden die Sanierungsarbeiten den Haushalt enorm belasten. „Aber sie sind notwendig.“
Als sehr erfolgreich bezeichneten Ulrike Schweizer und Werner Hack die Hallenbadkooperation mit der Stadt Kirchheim. „Dank der Kooperation sparen wir jährlich 100 000 Euro ein“, freute sich Werner Hack. Das Defizit liege somit „nur“ noch bei 150 000 Euro im Jahr.
Ulrike Schweizer und ihrer Fraktion ist es darüber hinaus ein Anliegen, dass zu speziellen kommunalpolitischen Themen Arbeitsgruppen gebildet werden, denen Gemeinderäte und Verwaltungsmitarbeiter angehören. Denn solche Gruppen seien „sinnvoll und äußerst effektiv“. Eine Herzensangelegenheit ist der SPDlerin außerdem die Bürgerbeteiligung, „die wir uns auch in Zukunft wünschen“. Das bestätigte Andreas Hummel: Es sei richtig und wichtig, die Bürger einzubinden.
