Schüler lernen in „Mensch und Umwelt“ das Kochen und Backen – „Essen ist für alle wichtig“
Rüblitorte und Osterhäsle

„Mensch und Umwelt“: In diesem Schulfach, das an allen ­Realschulen Baden-Württembergs angeboten wird, versuchen sich die Schüler im Kochen und Backen. Exemplarisch besuchte der Teckbote den Unterricht an der Freihof-Realschule in Kirchheim und schaute den Neuntklässlern über die Schultern.

Kirchheim. In der Küche der Freihof-Realschule in Kirchheim herrscht geschäftiges Treiben. Während zum Beispiel Antonia Möhren wäscht und schält, versuchen sich Vanessa und Tobias an einem Hefeteig. „Die Milch kommt eigentlich erst später dazu“, überlegt Tobias und blickt in seine mit Milch und Mehl gefüllte Schüssel. Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Doch das Team ist trotzdem nicht aus dem Konzept zu bringen. „Wir machen auf gut Glück weiter und schauen, was dann dabei herauskommt“, sagt Tobias grinsend.

Auch nebenan will der Biskuitteig für eine Rüblitorte – eine schweizer Kuchenspezialität mit Karotten und Nüssen – noch nicht so ganz gelingen. „Wir haben vergessen, die Eier zu trennen“, gesteht Francesca. „Das ist uns aber schon mal passiert, und der Kuchen hat trotzdem gut geschmeckt“, fügt Jonas selbstbewusst hinzu.

Dass das Kochen und Backen gar nicht so einfach ist, wie es oft aussieht, erleben die 14 Mädchen und drei Jungs der Klassen 9 a und 9 c jede Woche drei Schulstunden lang im Fach „Mensch und Umwelt“ (MUM). Doch Übung macht den Meister – auch das erfahren die Neuntklässler während des Unterrichts. „Es ist wichtig, dass die Schüler kochen und backen lernen und dass sie sich Wissen über gesunde Ernährung aneignen“, betont Lehrerin Cornelia Stöhrer. „Deshalb finde ich es schade, dass es dieses Fach an Gymnasien nicht gibt. Denn Essen ist für alle wichtig.“

Derweil hebt Franziska geschlagenen Eischnee unter eine Masse aus Eigelb, Zucker, Mehl, gemahlenen Mandeln, geriebenen Möhren, Orangensaft, Orangenback und Backpulver. „Es macht viel Spaß, in der Gruppe etwas Praktisches zu tun und nicht immer nur zu lernen“, findet das Mädchen, das sich deshalb für das Fach MUM entschieden hat. Zur Wahl standen ab der siebten Klasse neben MUM Technik und Französisch. „Jungs sind bei ,Mensch und Umwelt‘ natürlich in der Minderheit, aber es sind trotzdem immer ein paar dabei. Und das ist gut so. Denn sie bringen andere Meinungen und Gesichtspunkte in den Unterricht mit“, unterstreicht die Lehrerin, die ihren „Zöglingen“ in MUM nicht nur kochen und backen, sondern auch das Nähen näherbringt.

An diesem Morgen hat Cornelia Stöhrer zwei Rezepte mitgebracht: Neben der Rüblitorte backen die ­Realschüler – passend zum kommenden Osterwochenende – Häschen aus Hefeteig. Bereits am Tag zuvor erhielten die Neuntklässler einen Einkaufszettel, mit dem sie im Supermarkt alle notwendigen Zutaten besorgten. „Nach den Ferien gebe ich euch nichts mehr vor. Dann müsst ihr den Einkaufszettel selbst zusammenstellen“, warnt die Lehrerin und verrät, was die Schüler dann außerdem lernen: nämlich ein Rezept so zu verändern, dass man ein fettarmes Gericht auf dem Teller hat, das aber trotzdem gut schmeckt.

„Wow! Eure Hasen sehen aber gut aus. Meine sind total zusammengetatscht“, sagt Tobias, während er einen Blick auf die liebevoll geformten Häschen von Antonia, Franziska und Meike erhascht. Mit großer Sorgfalt gestalten die Mädchen zuerst den schneckenförmigen Körper, dann das Schwänzchen und schließlich den Kopf mit Rosine als Auge. Noch ein wenig Eigelb über das Gebäck gestrichen – und schon finden die Backbleche mit den Hefe-Kreationen den Weg in den vorgeheizten Ofen.

„In MUM erfährt man viel über richtige Ernährung. Außerdem habe ich gelernt, wie man Eier trennt“, erzählt Christina, die mit ihrer Lehrerin und ihren Klassenkameraden zudem über den Dioxinskandal oder Zusatzstoffe in Lebensmitteln diskutiert. Angesprochen werden aber auch die Themen Übergewicht und Diäten. „Meike hat darüber hinaus ein Referat über Lightprodukte gehalten, und Ayleen sprach über Bulimie“, fügt die Lehrerin hinzu. Wichtig sei aber noch ein weiterer Aspekt: „Die Schüler sollen sehen, dass man auch schnell vorankommt, wenn man selbst etwas zubereitet – und nicht nur, wenn man auf Fertigprodukte zurückgreift.“

Und dann ist der große Augenblick gekommen: Die beiden Rüblitorten und die Osterhasen sind fertig und verbreiten einen Geruch, der Vorfreude weckt. Und siehe da: Auch die Torte von Francesca und Jonas und die Häschen von Tobias und Vanessa, die versehentlich vom Rezept abgewichen waren und improvisieren mussten, sehen lecker aus. Na also – jetzt können die Ferien beginnen . . .