Verfahren gegen Zirkuschef eingestellt
Rasches Prozessende

Am Ende ging es doch ganz schnell: Der angeklagte Zirkusdirektor akzeptierte vor dem Kirchheimer Amtsgericht die Einstellung des Verfahrens wegen Tierquälerei – gegen die Auflage, 400 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zu zahlen.

Andreas Volz

Kirchheim. Nach vielen Anläufen und Verzögerungen hat ein Prozess wegen des Vorwurfs der Tierquälerei ein schnelles Ende gefunden. Der Angeklagte hat die „goldene Brücke“ schließlich beschritten, die ihm der Staatsanwalt nach Aussage der Richterin Franziska Hermle gebaut hatte. Ganz leicht war es dem Zirkusdirektor trotzdem nicht gefallen. Er wollte nicht zugeben, bei der Unterbringung seiner Pferde in Kirchheim etwas falsch gemacht zu haben.

Gutes Zureden war also nötig. Der Verteidiger griff die „Notlage“ auf, von der sein Mandant gesprochen hatte. In dieser Notsituation habe er die Pferde nicht in Nässe und Kälte stehen lassen wollen, sondern auf trockenem Boden untergebracht, was ihm nun als Verstoß gegen das Tierschutzgesetz zur Last gelegt werde: „Er war der Meinung, er hätte sich in der Not richtig verhalten.“

Amtsrichterin Hermle schließlich versicherte dem Angeklagten: „Ich glaube Ihnen, dass Sie Ihre Tiere richtig behandeln wollen, und ich halte Sie nicht für einen Tierquäler.“ Manchmal bestehe aber in gewissen Situationen die Krux, „dass man sich nicht ganz korrekt verhält, auch wenn man das möchte“. – Jetzt gehe es noch darum, „das Verfahren zu einem vernünftigen Abschluss zu bringen“.

Weil sich sowohl die Staatsanwaltschaft als auch der Angeklagte und sein Verteidiger für eine Einstellung des Verfahrens gegen eine entsprechende Auflage aussprachen, waren nur noch die Modalitäten dieser Auflage zu klären. Ein Gastspiel zugunsten von Kindern, das der Angeklagte vorgeschlagen hatte, hielt der Staatsanwalt für eine weniger gute Idee. Ihm schwebte eher vor, dass der Angeklagte eine gewisse Geldsumme an einen Tierschutzverein oder ein Tierheim weitergeben solle. Der Verteidiger wollte aber lieber, dass diese Summe – letztlich hatte man sich auf 400 Euro geeinigt – an einen Kirchheimer Kindergarten oder eine vergleichbare Kindereinrichtung fließen solle.

Die Richterin brachte den salomonischen Vorschlag ein, dass das Geld der Esslinger Stiftung Agapedia zukommen solle. Die Stiftung, die Jürgen Klinsmann 1995 gegründet hat, setzt sich für Kinder ein und bietet unter anderem auch Zirkusprojekte für Kinder an. Damit zeigten sich alle Beteiligten einverstanden, und das Verfahren wurde eingestellt.