Köngen. Keinem blieb die Luft weg. 72 Blechbläser des Posaunenchors haben in der Peter- und Paulskirche in Köngen die Nacht zum Tag gemacht. Von 16 Uhr am Freitag bis 2.45 Uhr am Samstag spielten sie alle 683 Choräle des evangelischen Gesangbuchs. Damit überboten sie die bisherige Bestmarke von 528 Stücken. Walter Hasart, Leiter des Posaunenchors, war trotz des gewaltigen Schlafdefizits bestens gelaunt.
Es war kein Pappenstiel – und die Akteure bereiteten sich auf ihr Mammutspiel gewissenhaft vor. So übte etwa Günther Handke über einige Tage hinweg die 683 Choräle aus dem Kirchenbuch. „Als ich alle durchgespielt hatte, hatte ich erst einmal einen Ausschlag auf den Lippen“, sagte der Köngener, der dennoch beim Rekordversuch dabei war, zusammen mit anderen Musikerkollegen – der älteste 92, der jüngste elf Jahre alt.
Tricks zum Durchhalten
Während des Dauerkonzerts wechselte sich Walter Hasart mit seinen befreundeten Kollegen der Posaunenchöre in Nürtingen und Hohengehren, Matthias Mangold und Friedrich Veil, stündlich am Dirigentenpult ab. Auch einige der Bläser hatten sich im Vorfeld diverse Strategien zurechtgelegt. „Ohne Taktik geht es nicht“, bestätigte Helmut Bornefeld von den Sopran-Instrumenten. „Das ist sonst wie bei einem Marathon – anfangs rennen alle los wie die Gestörten und bei Kilometer 30 geht ihnen dann die Puste aus“, erklärte Bornefeld, der passionierter Leichtathlet ist. So hatten die Sopranstimmen einen festen Plan mit ihren Einsatzzeiten von jeweils 20 Minuten aufgestellt, bevor sie eine Pause einlegten. Unterstützung gab es von befreundeten Musikern und dem Ensemble „Blech & Mehr“. Auch die zahlreichen Besucher zeigten Einsatz und sangen kräftig mit: „Selbst beim letzten Stück um kurz vor 3 Uhr waren etwa 20 Zuhörer in der Kirche“, freut sich Hasart.
Kurzfristig hatten die Köngener ihren Musik-Marathon bei der deutschen Organisation World Records als offiziellen Versuch angemeldet. „Unser Konzert wird nun eingereicht und geprüft“, kündigte Hasart an. Mit der offiziellen Anerkennung rechnen die Köngener in den nächsten Wochen. „Für den Rekordversuch haben sich vor allem unsere jüngeren Mitglieder eingesetzt“, so der Chorleiter weiter. Ganz umsonst ist der Rekord nicht: 833 Euro Gebühr müssen die Köngener dafür bezahlen. Die Kosten tragen die Bläser aus eigener Tasche. „Wir haben zwar während des Konzerts Spenden gesammelt, die sollen aber in unsere tägliche Arbeit – zum Beispiel in neue Noten oder die Instrumente – investiert werden“, sagte Thomas Klein vom Posaunenchor Köngen.
