Der Verschönerungsverein Kirchheim nimmt sich des „Feldhäusles“ an der Hahnweide an
Rettung in letzter Minute

Feldhäuschen dienten den Bauern als Schutzhütten, in die man sich bei Unwettern flüchten konnte. Die wenigen, die Flurbereinigung und Mechanisierung der Agrarlandschaft überstanden haben, bilden – wie das „Feldhäusle“ an der Hahnweide – einen romantischen Unterschlupf, der bisher dankbar von Spaziergängern und Bikern angenommen wurde.

Kirchheim. Angesichts der zu erwartenden hohen Reparaturkosten hat sich das Kirchheimer Planungsamt dafür entschieden, das „Feldhäusle“ der Obhut des Verschönerungsvereins Kirchheim zu empfehlen, statt es seinem Verfall preiszugeben. Nahezu alle Dachlatten sind angefault, das Spitzdach des „Feldhäusles“ droht einzustürzen, außerdem ist der rechte Türbalken nach innen gekippt, und ein Teil der Gefache bricht aus dem Fachwerk.

Der Verschönerungsverein Kirchheim nahm das Projekt „Feldhäusle“ in seine Vereinsvorhaben für 2015 auf. Zunächst gab es eine Ortsbesichtigung unter Beteiligung von Wolf Rühle vom Städtischen Planungsamt zusammen mit dem Vereinsmitglied Andreas Banzhaf als Bausachverständigem und dem Vorstand des Verschönerungsvereins, vertreten durch Dr. Christoph Miller und Fritz Heinzelmann.

Andreas Banzhaf konnte sofort auf einige interessante Besonderheiten des Gebäudes hinweisen: Das quadratische, würfelförmige „Feldhäusle“ mit einer Seitenkante von etwa zwei Metern basiert auf einer gediegenen, holzverpflockten Fachwerkkonstruktion, deren Gefache mit Feldsteinmauern verfüllt sind. In jüngerer Zeit wurde im nördlichen Außenwandbereich mit Backsteinen nachgebessert. Besonders reizvoll wirken das Sichtfachwerk aus massivem Eichenholz, das spitz zulaufende Ziegeldach und im Inneren die strahlenförmig angeordneten Deckenbalken. Das Dach ist mit alten und neuen „Biberschwänzen“ eingedeckt, wobei die älteren noch die typische Fingerglättung früherer Jahrhunderte aufweisen. Die handgestrichenen Dachziegel und das holzverpflockte Eichenfachwerk lassen auf ein hohes Alter des Gebäudes schließen. Durch eine kleine, viereckige Mauerluke nach Süden fällt ein wenig Licht ins Hütteninnere.

Alle Teilnehmer der Begehung waren sich nun einig, dass man das „Feldhäusle“ als Kulturdenkmal und als Unterschlupf für Wanderer erhalten sollte. Dazu müsste man aber so schnell wie möglich das Dach sanieren. Andreas Banzhaf könnte sich vorstellen, quasi als „Lernobjekt historische Bausubstanz“ persönlich mit Lehrlingen die Dachreparatur zu übernehmen. Auf den Verschönerungsverein entfielen dann nur die Kosten für den Erwerb von circa 200 neuen Dachplatten. Auch beim erneuten Einmörteln der Gefache wird die Firma Banzhaf dem Verschönerungsverein mit Rat und Tat zur Seite stehen. Banzhaf empfiehlt weiter, die Fundamente an der Nordseite schnellstens wieder freizulegen und zu trocknen, um die Fäulnisprozesse in der dortigen Balkenauflage zu stoppen. Aus dem gleichen Grund sollte der Innenbereich bis unter den Natursteinsockel abgegraben und mit mineralischem Schotter angefüllt werden.

Bereits am darauffolgenden Tag wurde das Dach des „Feldhäusles“ von allem überwuchernden Pflanzenwuchs befreit und dann mit einer Plane gesichert. Damit haben die Renovierungsarbeiten am „Feldhäusle“ begonnen.fh