Nürtingen. Die im Jahr 1900 gegründete Tälesbahn hat ihre Bedeutung vor allem als Transportmittel für Kalkstein aus dem Steinbruch Hörnle bei Neuffen als Zulieferer für das Nürtinger Zementwerk. 1997 wurde sie grundlegend modernisiert, die Württembergische Eisenbahngesellschaft (WEG), der Zweckverband „Fahr mit“ und der Landkreis Esslingen schlossen dafür einen Finanzierungsvertrag ab. Aktuell nutzen täglich rund 3 500 Fahrgäste die Bahn zwischen Nürtingen und Neuffen, vor allem Schüler und Berufstätige.
In jüngster Zeit schrieb die WEG jedoch rote Zahlen. Den Jahresverlust für 2008 bezifferte sie auf rund 290 000 Euro. Sie trat deshalb an den Landkreis als Träger des öffentlichen Personennahverkehrs mit der Bitte heran, sich am Abmangel zu beteiligen. Dieser wiederum informierte darüber den Zweckverband, an dem außer dem Landkreis die Stadt Nürtingen und weitere 15 Gemeinden beteiligt sind.
„Wir wollen uns nur an den Mehrkosten beteiligen, die objektiv begründbar sind“, sagte Nürtingens Oberbürgermeister Otmar Heirich im Gemeinderat. Dazu zählten zum Beispiel Investitionen, die von der WEG aus Sicherheitsgründen für ein technisch unterstütztes Zugleitsystem zu erbringen waren. Auch Treibstoffkosten, die Modernisierung der Verkaufsautomaten und steigende Kosten für die Einfahrt der Tälesbahn in den Nürtinger Bahnhof belasten die Bilanz der WEG. So kommen die Gutachter auf einen Mehrbetrag von jährlich 212 000 Euro.
Der Vertrag mit der WEG läuft Ende nächsten Jahres aus. Um den Betrieb der Bahn zu sichern, will der Zweckverband in einer vorzeitigen Vertragsverlängerung diesen Betrag zusätzlich bis 2020 übernehmen. Den größten Teil der Kosten tragen neben dem Landkreis mit jährlich 70 600 Euro die Anliegerkommunen Nürtingen mit ebenfalls 67 000 Euro, Frickenhausen mit 30 500 Euro, Neuffen mit 24 400 Euro und Beuren mit 4 158 Euro. In Anbetracht der Bedeutung der Bahn für den Nahverkehr sehe man keine Alternative, hieß es von- seiten der Verwaltung. Ausfälle wegen eines Triebwagenschadens vor zwei Jahren hätten gezeigt, dass der Bedarf allein mit Bussen nicht aufzufangen sei.
