Jan Mixsa vom Figurentheater „marotte“ aus Karlsruhe zog im Kirchheimer Stadtkino alle Register
Ritter Rost und der feuerspeiende Drache

Kirchheim. Jan Mixsa machte seine Sache ausnehmend gut und das lag wohl vor allem daran, dass er gerne mit Kindern herumalbert und sich selbst dabei gar nicht so wichtig


nimmt. Von Anfang an hatte er sein Publikum voll im Griff, brachte die gut aufgelegten Kinder immer wieder zum Lachen und hatte doch selbst den meisten Spaß.

Seine Zuschauer mussten ja auch still auf ihren Plätzen sitzen und zuschauen, während er unentwegt Radau machte, in dem mitgebrachten Alteisen herumwühlte, nicht benö­tigte Dinge scheppernd in die Ecke warf und gelegentlich als Feuerwehrmann die Kinder in der ersten Reihe nass spritzte. Im Rahmen der Kirchheimer Kinder- und Jugendtheatertage „Szenenwechsel“ war auf Einladung der Buchhandlung Zimmermann einmal mehr das „marotte Figurentheater“ zu Gast. Wie immer war die Nachfrage gewaltig, denn die Profis aus Karlsruhe haben immer ein spannendes Programm dabei und können gute Unterhaltung und gute Laune fast schon vorab garantieren.

Star der zwei gut besuchten Nachmittagsveranstaltungen im Kirchheimer Stadtkino war der sonderbare „Ritter Rost“, den die Kinder natürlich alle von den originellen Kinderbüchern von Jörg Hilbert und Felix Janosa kennen. Die Wartezeit bis zum Beginn der turbulenten Aufführung überbrückte „Ritter“ Jan Mixsa zunächst mit seiner Gitarre und dem von den Kindern begeistert aufgenommenen Lied über eine Prinzessin, die einem Frosch versehentlich einen Ball an den Kopf wirft.

Den Frosch und sein nervendes Liebesgeflüster findet sie leider gar nicht charmant und wirft ihn daher kurzerhand und absichtlich an die Wand. Ob und wie es mit ihr und dem verzauberten Prinzen möglicherweise weitergegangen wäre, war dann nicht mehr zu erfahren, denn alle hatten inzwischen ihre Plätze eingenommen und Jan Mixsa war plötzlich damit beschäftigt, eine auf einem Stativ angebrachte Zinkwanne in ein „Schloss im Fabelwesenwald zu verwandeln“ und den Kindern den Burgherrn „Ritter Rost“ vorzustellen.

Kaum hatte er seine mit unzähligen Türmen aus Trichtern, Kannen und Schneebesen versehene Trutzburg mit Außentrockenplumpsklo und Gemüsereiben-Zugbrücke fertig gebaut, ritt er schon mit seinem klapprigen Pferd „Feuerstuhl“ auf und davon, um einen in der Nähe gastierenden Zirkus zu besuchen, während Fräulein Bö zu Hause bleiben, Stahlwolle spinnen und Kettenhemden stricken musste.

Die Kinder waren begeistert und Jan Mixsa jagte sie unbarmherzig von einem schrägen Gag zum nächsten. Die Zeit verging wie im Nu und die Kinder, die sich nach der Vorführung einfach nicht verabschieden wollten, wurden zu ihrem größten Vergnügen einfach mit der Feuerwehrspritze noch einmal nass gespritzt . . .

Auch wenn die dem Programm zugrunde liegenden pädagogisch wertvollen Handreichungen auf dem Weg zum Erwachsensein nicht direkt erkennbar waren, wurde eines deutlich: Kindertheater kann gerade dann ganz besonders viel Vergnügen bereiten, wenn auch einmal ganz bewusst gar keine Werte vermittelt oder Weisheiten aufgetischt werden, sondern ein Puppenspieler sich traut, die Kinder da abzuholen, wo sie sind und dort auch mit ihnen zu verweilen, herumzuspinnen und einfach nur Blödsinn zu machen.

Wenn das tatsächlich die aus diesem großartigen Tumult zu ziehende Erkenntnis war, haben die vielen begeisterten Kinder sie offensichtlich schneller und besser verstanden als die sie begleitenden Erwachsenen, die eher etwas reserviert blieben und sich auch dann nicht unbedingt vordrängten, als die Feuerwehrspritze noch einmal aus der eindrucksvollen Schrottsammlung hervorgekramt wurde, um das vom feuerspeienden Drachen gelegte Feuer zu löschen und völlig aufgedrehte Kinder und zurückhaltend sich amüsierende Erwachsene wieder etwas herunterzukühlen…