Kirchheim. „Das Regierungspräsidium stellt Gelder zu Verfügung“, informierte Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker kürzlich die Stadträte. Damit hatte jetzt eigentlich niemand gerechnet. Einer eingehenden Überprüfung unterzogen wurden nämlich schon vor drei Jahren verkehrsreiche Straßen. Dazu zählten die Bereiche entlang der Autobahn sowie das „übergeordnete Verkehrsnetz“ aus Bundes- und Landesstraßen. Die „Lärmaktionsplanung“ hatte seinerzeit das Regierungspräsidium angestoßen. Doch danach herrschte Funkstille. Jetzt aber steht ein unerwarteter Geldsegen bevor. Hintergrund ist die Senkung der Lärmrichtwerte durch den Bund. Dies bewirkte eine neue Berechnungsgrundlage. Kirchheim gehört nun zu den Nutznießern. „Davon haben wir schon nicht mehr zu träumen gewagt“, freut sich die Oberbürgermeisterin.
Sanft träumen und ruhiger schlafen können möglicherweise bald die Bürger, die an der „Umgehungsstraße“ wohnen zwischen dem Hochhaus und der Ausfahrt am Freibad. Hier ist auf östlicher Seite, also Richtung Rauner, eine Lärmschutzwand geplant. Sie soll fast 790 Meter lang und drei Meter hoch sein. Das Regierungspräsidium zahlt die Wand, die Planungskosten in Höhe von etwa 94 500 Euro übernimmt die Stadt. Bürgermeister Riemer kündigte den Baubeginn noch für das Jahr 2011 an.
Darüber hinaus winkt Unterstützung für sogenannte „passive Lärmschutzmaßnahmen“: Bürger, die an einer Reihe vielbefahrener Straßen wohnen, erhalten Zuschüsse für neue Fenster in bewohnten Räumen. Dabei gibt es 375 Euro für jeden Quadratmeter Fensterfläche in bewohnten Räumen. Dies gilt beispielsweise für die Ortsdurchfahrt Jesingen, die Paradiesstraße und die Stuttgarter Straße. Wer dort wohnt und in den Genuss der Förderung kommt, erhält demnächst Post.
Im Ratsrund herrschte große Erleichterung darüber, dass sich in Sachen Lärm in Kirchheim endlich etwas tut. „Die Bemühungen der Stadt im Rahmen der Lärmaktionsplanung haben sich gelohnt“, bilanzierte Sabine Bur am Orde-Käß, Fraktionsführerin der Grünen. Sie betonte allerdings, dass es nach wie vor darum gehen müsse, an den Verursachern der Lärms anzusetzen, also den Lkws und Pkws. Dies sah auch Birgit Müller von der Frauenliste so, indem sie den Blick auf Verkehrsvermeidung und Temporeduzierung gerichtet wissen wollte. Sie gab ferner zu bedenken, dass Schallschutzfenster nun mal nur in geschlossenem Zustand Schutz böten. Doch im Sommer wolle man doch auch mal die Fenster öffnen.
„Was kommt, ist gut, aber es kommt 25 Jahre zu spät“, meinte SPD-Fraktionschef Walter Aeugle und verwies auf einen Presseartikel im Jahr 1985, der bereits eben diese Problematik zum Inhalt hatte. Ötlingens Ortsvorsteher Hermann Kik setzte Hoffnungen auf weitere Verbesserungen als Folge der integrierten Verkehrsplanung, die derzeit für Kirchheim erarbeitet wird.
Andreas Schwarz, Grünen-Stadtrat und Landtagsabgeordneter, hatte eine konkrete Anregung für die Stadtverwaltung: Sie möge direkt an die neue Lärmschutzbeauftragte und Staatssekretärin im Ministerium für Verkehr und Infrastruktur herantreten. Dabei handelt es sich um Dr. Gisela Splett, die sich bereits vor zwei Jahren von der Situation in Kirchheim vor Ort ein Bild gemacht hat.
Viele Ziele, die Kirchheim seinerzeit in der Lärmaktionsplanung formuliert hat, haben immer noch Bedeutung. „Wir setzen stark auf „Tempo 120 an der Autobahn“, unterstreicht Angelika Matt-Heidecker das Ansinnen, mit dem sie beim Regierungspräsidium bereits wiederholt abgeblitzt ist – damals allerdings unter einer anderen Landesregierung. Jetzt wittert die Stadtchefin erneut Chancen in Sachen Tempolimit.
