„Vocalis“ und „Happy Voices“ gastierten gemeinsam in der Kirchheimer Christuskirche
Schöner Musikabend mit ausgefeilter Chormusik

Kirchheim. In der Erwartung einer Parade lieblicher Weihnachtsmelodien wäre man am Abend des Ersten Advent vergeblich in die Kirchheimer Christuskirche gewandelt. 


Dort teilten sich zwei bemerkenswert durchtrainierte Vokalensembles mit Ungewohntem die Bühne: die Gruppe „Vocalis“ aus Bietigheim-Bissingen und die „Happy Voices“ aus Kirchheim. Mit je einem en suite dargebotenen Set aus neun Liedern zur Vorweihnachtszeit, die nicht zum Standard des Weihnachtsrummels gehören, überzeugten beide Chöre ihr Publikum, das sich bis in den Vorraum drängte.

Der apsisartige Altarraum bündelt das vokale Geschehen bemerkenswert klar und verzeiht oder vertuscht keine denkbare Ungenauigkeit in Intonation und Klangmischung. „Vocalis“ und „Happy Voices“ beeindruckten aber gerade dadurch, dass ihre differenziert ausbalancierten Klänge in diesem Raum gleichsam durch eine scharfe Brille wahrnehmbar wurden. Ein Qualitätsausweis über dem gängigen Niveau vieler engagierter Liebhabermusiker.

Ralf Schwarzien leitete das Gastensemble vom unteren Neckar unaufgeregt. Ab und an mit wiegendem Haupt, während er am E-Piano begleitete. Freilich nicht immer die beste Lösung, wie auch später beim zweiten Chor, weil dadurch die präzise Führung der Singenden aus den Händen gleitet. „Christmas Bells“ läuteten den Adventabend ein, und nach ein paar zaghaften Intonationsschwächen erreichten die Vokalisten alsbald ein Maximum an dynamischer Bandbreite. Nirgends ein Bruch der Register, stets homogen, geschlossen und rein. Nach drei amerikanischen Weisen kam dies vor allem in einem katalanischen Lied zum Tragen („Plegaria a la virgen blanca“).

Zwei Chorsätze mit lateinischem Text zeigten einen merkwürdigen Kontrast. Während im amerikanischen Idiom der kalifornischen Komponistin Ruth Morris Gray das Latein eher Fremdkörper war, schien es im altbekannten „Hodie Christus natus est“ von Jan Pieter Sweelinck am rechten Platz zu sein. Sehr flott genommen, geriet der nunmehr fünfstimmige Chorsatz den nur 21 Sängern fast zum Zungenbrecher.

Das „There is faint music“ von Dan Forrest war technisch anspruchsvoll und dennoch exquisit interpretiert. Sentimentale Linien und Harmonien zauberten Stimmung. Vor allem die vier Herren überzeugten in solistischer Mehrstimmigkeit. Meisterliches Hand-, besser Mundwerk dieses Chores.

Die „Happy Voices“ sind eine Abteilung der Kirchheimer Eintracht. Happy allemal und äußert gut bei Stimme. Robert Kast steuerte nach der Pause jede Nuance mit professionell knappen Fingerbewegungen. Nach dem Gospel „Down to the River to Pray“, arrangiert vom Dirigenten selbst, läuteten die Glocken in einem „Carol of Bells“, durch aparte Klangsilben imitiert. Danach verjüngte sich der Chor auf acht Damen und einen Herrn. Fast schon verwegen, diesem „Happy Voices Ensemble“, in dem zwei tiefe Alte den Tenor ersetzten, jenes als Ohrwurm weltbekannte Air aus der Orchestersuite in D von Johann Sebastian Bach zu arrangieren (der im Programmblatt als Urheber dieser bewegenden Musik leider nicht genannt war). Mit nur einem Sänger im Bass fehlte dem Satz das Klangfundament, über das sich nicht nur die elegische Oberstimme, sondern auch die obligaten Mittelstimmen in ausgefeiltem Satz definieren. Dennoch ein prächtige, genussvolle Leistung.

Heiter und kommerzkritisch kam das Lied vom „Gummibaum mit Lametta“ daher. Der Text entlockte den Zuhörern gefälliges Lachen, während die Komposition (oder Arrangement; leider nicht im Flyer ersichtlich) von Oliver Gies mehrfach nach Österreich grüßte (EAV: Fata Morgana). Im „Rest für das Fest“ besang der wieder komplette Chor den „schönen Advent, mit Happy End“. Und schließlich beschlossen drei Arrangements von Robert Kast den Abend, mit dem Dirigenten am Piano. Alle drei Werke routiniert und einfallsreich eingerichtet.

Hatten nach dem ersten Teil die Bietigheimer mit ihrer Zugabe an Robbie Williams erinnert, ergänzten sie ganz zum Schluss die Kirchheimer Gastgeber zu einem Finale, das doch noch dem deutschen Weihnachtskitsch auf liebliche Weise Tribut zollte. Leise rieselte der Schnee drei Strophen lang mit süßen Vorhalten in allen Stimmen, die man zuvor beim etwas bemüht verfremdeten „Ich steh an deiner Krippen hier“ vergeblich erwartet hatte.

Mit starkem Beifall und zufrieden in den Ersten Advent lächelnden Gesichtern dankte das Publikum für einen schönen Musikabend mit ausgefeilter Chormusik.