Weilheim / Kirchheim. Die Bühne der Theaterspinnerei befindet sich im pittoresken alten Bahnhof in Frickenhausen – eigentlich. Denn die „Theaterspinner“ Jens Nüßle, Marilena Pinetti und Stephan Hänlein sind nicht nur dafür bekannt, ihre Stücke mit außergewöhnlichen technischen Mitteln in Szene zu setzen. Sie lieben es auch, ihre Produktionen an besonderen Orten aufzuführen und sich eine oder mehrere Bühnen in historischen Gemäuern, unter freiem Himmel, in Industiegebäuden oder gar im Zug zu schaffen. Diesen Sommer gastieren die Theatermacher samt Gastschauspielern und dem kompletten technischen Repertoire gleich mit zwei Stücken „auswärts“: Eines wird in und rund um die Weilheimer Schlossscheuer aufgeführt, das andere – als „Theaterspaziergang“ betitelt – im Wald bei den Kirchheimer Bürgerseen.
„Professor Leid und die Somnambüle“ lautet das multimediale Theaterspektakel mit Menü, das am Donnerstag, 14. Juli, Premiere in der Weilheimer Schlossscheuer feiert. Die Theatermacher aus Frickenhausen haben es der Zähringerstadt Weilheim sozusagen „auf den Leib geschrieben“. Eine Geschichtsstunde erwartet die Besucher nicht: „Das Stück ist nicht historisch, sondern rein fiktiv“, sagt Theaterleiter Jens Nüßle. Dafür gibt es immer wieder unterhaltsame und humorvolle Anspielungen auf die Vergangenheit der Stadt und jede Menge Lokalkolorit. Die im Titel vorkommende „Somnambüle“ – was aus dem Lateinischen übersetzt so viel heißt wie Schlafwandlerin – hat es zum Beispiel wirklich gegeben. „Sie war eine ziemlich esoterische Frau, die Visionen über Reisen zu Planeten hatte“, erzählt Jens Nüßle. Mit dabei ist auch der – frei erfundene – Zwillingsbruder von Stadtgründer Berthold, ein Kapuzinergeist, der Drache von der Limburg und ein Psychoanalytiker mit dem vielsagenden Namen Professor Leid. Das Publikum nimmt die Rolle des Zähringerbundes ein.
Begeistert ist Jens Nüßle von der Kulisse in Weilheim. Für das Schauspiel, die Bewirtung und einen Rundgang nutzen die Theatermacher die drei Etagen der vor zwei Jahren komplett sanierten, denkmalgeschützten Schlossscheuer aus und nehmen die Zuschauer mit auf einen kleinen Spaziergang durch die Weilheimer Altstadt. Außerdem wird es – wie immer bei Produktionen der Theaterspinnerei – eine Projektionsfläche geben, auf der Filmeinspielungen gezeigt werden. „Wir haben vorab schon auf der Limburg gedreht“, so Jens Nüßle. Novum ist der Auftritt einer Marionette, die durch die Schlossscheuer „fliegt“.
Unterstützt werden die Theaterleute aus Frickenhausen bei „Professor Leid und die Somnambüle“ von der Stadt Weilheim, die die Räumlichkeiten kostenlos zur Verfügung stellt. „Das Projekt klingt sehr spannend“, freut sich Weilheims Hauptamtsleiter Marcel Launer über das Gastspiel in der Zähringerstadt. Hoffung der Stadtverwaltung ist es, dass die Schlosssscheuer, die für private und kulturelle Veranstaltungen vermietet wird, dadurch auch bekannter wird.
Dass es gelingen kann, die Schlossscheuer aus dem „Dornröschenschlaf“ zu erwecken, davon ist Theaterleiter Jens Nüßle überzeugt. Bereits vor zehn Jahren hat die Theaterspinnerei mit dem Stück „Die Suche nach dem heiligen Gral“ ein historisches Gebäude „wachgeküsst“, das sich mittlerweile zu einem beliebten Veranstaltungsort gemausert hat: das Köngener Schloss.
Kaum ist das Gastspiel in Weilheim zu Ende, ziehen die Frickenhäuser Theaterleute weiter zum nächsten Auswärtsspiel: Am 26. August feiert das Stück „Vom Saukerle zum Prachtkerle“ Premiere. Den Theaterspaziergang im Wald bei den Kirchheimer Bürgerseen hat die Theaterspinnerei im Auftrag des Kreisforstamts erarbeitet und ist Bestandteil ins „Waldfühlprogramms“ des Landkreises. Nicht nur, dass der Wald im Internationalen Jahr der Wälder die perfekte Bühne bietet. Gleichzeitig soll das Theterstück auch das 250-jährige Bestehen des Herrenhäusles im Talwald und den 200. Todestag der Franziska von Hohenheim würdigen.
So spielt letztere ebenso eine Rolle in dem Stück wie der jagdbegeisterte Herzog Carl-Eugen von Württemberg. „Der Herzog hatte beim Jagen aber nicht nur die Vierbeiner im Blick“, erzählt Jens Nüßle. Auf dem Spaziergang durch den Kirchheimer Talwald begleitet das Publikum als Jagdgesellschaft den Herzog bei der Verfolgung von Wild und zweibeinigen Schönheiten. Auch im Wald kommt die multimediale Technik nicht zu kurz. So erleben die Besucher eine Projektion in den Baumwipfeln, was all denjenigen bekannt vorkommen wird, die vor einigen Jahren das „Kalte Herz“ im Frickenhäuser Wald gesehen haben. Und wem nach der Jagd mit Aperitiv der Sinn noch nach herzhaften Speisen steht, der kann einen Platz beim Jagdschmaus im Anschluss an die Vorstellung buchen.
Kartenverkauf:
Karten für beide Vorstellungen gibt es ab sofort bei der Thetaerspinnerei unter der Telefonnummer 0 70 22/2 43 56 00 oder per E-Mail unter kartenbestellung@theaterspinnerei.de. Ausführliche Informationen zu den beiden Projekten bietet die Homepage www.theaterspinnerei.de unter „Aktuelles Programm“.
