Kreis Esslingen. 2009 wurde Bernd Meissner von der Firma Siemens nach Kalkutta geschickt. Die Faszination für diese Stadt hat ihn und seine Frau seither nicht mehr losgelassen. Sie blieben dort, auch als Bernd Meissner den Arbeitgeber wechselte. Nun leitet er die Niederlassung der Würzburger Firma Hunger und versucht, spezielle Anwendungen für Hydraulik-Zylinder an den Mann zu bringen.
Ein Faible für Indien hatten die beiden schon lange. Dreimal hatten sie dort Urlaub gemacht und dabei mit Freunden aus Mumbai, der Partnerstadt Stuttgarts, das Land bereist. Als dann das Angebot kam, beruflich dorthin zu gehen, waren sich beide einig: „Das machen wir!“
Dieses Wagnis einzugehen, „das haben wir nie bereut“, sagen Gundel und Bernd Meissner unisono. „Für mich war es von Anfang an klar, dass wenn ich nach Kalkutta gehe, ich auch was Soziales machen will“, erzählt die Betriebswirtin, die an der Volksbank in Kirchheim lernte, bevor sie an der Nürtinger Fachhochschule Betriebswirtschaft studierte.
Konkret wurde das im Grunde gleich, als man Kontakt zum Kreis der „Ex-Pats“ bekam. „Ex-Patriots heißt das. Wir sind quasi die Heimatvertriebenen hier“, lacht Bernd Meissner. Und das soziale Engagement erhielt noch weiteren Auftrieb, als Gundel Meissner zum International Women’s Club stieß. Eine Frau bemüht sich da zum Beispiel, Mädchen aus dem Rotlicht-Milieu herauszuholen.
Die Schwäbin freilich setzt sich vor allen für ein Projekt ein, das „Happy to help“ getauft wurde. Dabei arbeitet man mit Kimi Koshy zusammen, die die St. Paul’s School in Kalkutta leitet. 100 von 800 Schülern dort stammen aus so armen Familien, dass sie sich diese English Medium School im Grunde nicht leisten können. Eltern und Kinder müssen nämlich mit einem Einkommen zwischen 10 und 30 Euro im Monat zurechtkommen.
Gundel Meissner wird daher nicht müde, Paten zu suchen, die bereit sind, 32 Euro im Monat zu bezahlen. Die reichen für Schuluniform, Bücher, Mittagessen, medizinische Versorgung und Ähnliches. „Bildung ist der entscheidende Schlüssel, um aus der Armut zu kommen“, ist die Tochter von Dr. Rolf Röhm überzeugt.
Der frühere Nürtinger SPD-Landtagsabgeordnete, der im April 85 wird, ist übrigens im Moment einer ihrer größten Sponsoren. Und auch ihr Bruder Hans-Rudolf Röhm, der früher ehrenamtlich beim Team der „Bastion“ in Kirchheim aktiv war und Partner bei der Stuttgarter Wirtschaftsprüfergesellschaft Deloitte und Partner ist, sowie der Busunternehmer Eberhard Dannenmann legen sich schwer ins Zeug.
Nicht nur für St. Paul’s School übrigens, sondern auch für ein Projekt in einer der ärmsten Regionen Indiens. Auf der Insel Gosaba in den Sundarbans, dem Nationalpark im Ganges-Delta an der Grenze zu Bangladesch, organisiert sie zusammen mit Schwester Philomena, einer Nonne, Stützunterricht in Mathe, Englisch, Bangla (der Sprache der Bengalen), Tanz und Musik. Mit messbarem Erfolg übrigens: „Die Leistungen haben sich zwischen 20 und 30 Prozent verbessert.“
Wer mit der Schwäbin in Kalkutta Kontakt aufnehmen will, kann dies über E-Mail tun: gundel.meissner@gmx.de.
