Der Ohmdener Bürgermeister Martin Funk ist seit 100 Tagen im Amt – Wenig Spielraum
Schuh drückt bei Kinderbetreuung

Bürgerbeteiligung und Kinderbetreuung – mit diesen beiden Themen konnte Martin Funk bereits im Wahlkampf um den Chefsessel im Ohmdener Rathaus punkten. Nach 100 Tagen im Amt zeigt sich, dass in der Trinkbachgemeinde beides eng zusammenhängt.

Ohmden. „Ich bin im Moment dabei, Pflichten anzupacken, die andere Gemeinden schon lange erledigt haben“, sagt Ohmdens Bürgermeister Martin Funk. Allen voran nennt er die Kernzeitbetreuung an der Grundschule sowie die U3-Betreuung im Kindergarten. Dass Familien der Schuh genau bei diesen Themen drückt, wurde unter anderem in der Gemeinderatssitzung im März deutlich, als die Zuhörerstühle im Dachgeschoss des Rathauses nicht aus-reichten und zahlreiche Eltern die Bürgerfragestunde nutzten, um den Blick auf ihre Probleme zu lenken. „Ich bin froh, dass die Bürger Interesse zeigen an dem, was die Verwaltung vorhat und ihre Wünsche äußern“, sagt Funk. Auch begrüßt er das ehrenamtliche Engagement: „Bei der Kernzeitbetreuung haben die Eltern ihre Mitarbeit angeboten. Das ist ein Geben und Nehmen.“ Eine andere Lösung ließe die Finanzlage des 1 700-Seelen-Ortes momentan auch nicht zu.

Noch sind beide Projekte nicht ganz in trockenen Tüchern. Schule, Rat und Verwaltung machen sich derzeit Gedanken darüber, wie eine Übergangslösung für die Kernzeit aussehen könnte. Offen ist unter anderem, in welchem Raum die Kinder nach Schulschluss bis 13.30 Uhr betreut werden könnten. Im Kindergarten wiederum wird geprüft, welche Investitionen notwendig sind, um eine bisherige Regelgruppe in eine Kleinkindgruppe umzuwandeln. Auch wenn die Vorhaben von der Gemeinde einen finanziellen Kraftakt abverlangen – Martin Funk hat die Zeichen der Zeit erkannt: „Was wir den Familien bieten, ist ja vor allem auch ein Standortfaktor.“

Am 1. Januar hat der 27-jährige Berufseinsteiger die Amtsgeschäfte von Manfred Merkle übernommen, der 24 Jahre lang die Geschicke der Gemeinde geleitet hatte. Nachdem Merkle im ersten Wahlgang am 17. Oktober vergangenen Jahres sein Ziel, als Bürgermeister bestätigt zu werden, verfehlt hatte, trat er nicht mehr an. Im zweiten Durchgang am 31. Oktober setzte sich Martin Funk mit 61,7 Prozent der abgegebenen Stimmen gegen einen Mitbewerber durch.

Dass die Ohmdener Finanzen keine allzugroßen Investitionen wie die notwendige Sanierung von Rathaus, Kindergarten oder Gemeindehalle zulassen würden, war dem Wirtschaftsrechtler und Absolventen des Masterstudienganges Europäisches Verwaltungsmanagement bereits im Vorfeld klar. Eher nüchtern fällt deshalb nach den ersten drei Monaten die Bestandsaufnahme aus: „Mit einer negativen Zuführungsrate von einer viertel Million Euro und wenig Bauplatzverkäufen sind keine großen Sprünge drin.“ Daran werde auch das Gebiet Dorfwiesenweg II nichts Grundlegendes ändern. Zum einen stehe die nach jahrelangen zähen Verhandlungen endlich unterschriftsreif geglaubte Umlegung wieder auf wackligen Beinen, erklärt Funk, zum anderen würde auch bei einer Verwirk-
lichung an der Gemeinde kein allzugroßer Gewinn hängenbleiben.

Weil auch für eine Aufwertung des Ortskerns das Geld fehlt, möchte Funk die Bürger einbeziehen: „Für Grüninseln im Ort würde ich gerne Paten suchen“, so die Absichtserklärung. „Vielleicht könnten sich Hausbesitzer um das Grün vor ihrer Haustür kümmern.“ Ebenfalls einbezogen werden die Bürger bei der Sanierung des Spielplatzes am Wiestalweg. Auf Vorschlag der Eltern soll, anders als geplant, ein Erlebnispfad installiert werden, bei dessen Bau Mütter und Väter mit anpacken wollen.

Wohl keine Aussicht auf Realisierung hat hingegen der vielfach gewünschte Radweg entlang der Straße nach Schlierbach. Zum einen sei die Strecke zu wenig frequentiert, zum anderen fehle der Platz, habe ihm Landrat Eininger erläutert, so Funk. Er setzt jedoch darauf, dass die Sanierung der Kreisstraße noch dieses Jahr in die Planung geht. Ebenfalls anschieben möchte der 27-Jährige den Anschluss an die Datenautobahn. „Wir gehören leider zu den weißen Flecken auf der Landkarte“, moniert der Bürgermeister. Diesbezüglich habe er deshalb bereits eine Anfrage bei der Telekom gestartet.

Für weniger dringlich hält Funk dagegen einen im Wahlkampf angedachten Einkaufsshuttle einzurichten. „Das Problem der fehlenden Läden im Ort scheint doch nicht so groß. Jedenfalls ist mir diesbezüglich bislang noch nichts zu Ohren gekommen.“

Dass er im Ohmdener Rathaus als Einzelkämpfer „Mädchen für alles ist“, ficht den neuen Verwaltungschef nicht an. „Als Allrounder muss man hier in allen Bereichen Bescheid wissen“, so Funk. Wert legt der Bürgermeister nicht zuletzt deshalb auf die Zusammenarbeit mit den Kollegen in den Umlandgemeinden. „Mit Holzmaden und Zell beispielsweise diskutieren wir derzeit über die Möglichkeit, ein gemeinsames Salzsilo zu bauen.“ Auch beim Bauhof könnte sich Funk eine engere Kooperation vorstellen.

Nach dem Einzug ins Rathaus Anfang des Jahres,

freut sich Funk darauf, demnächst selbst Bürger der Trinkbachgemeinde zu werden. Noch im April steht der Umzug nach Ohmden in eine Wohnung mit „schönem Blick ins Grüne“ an.

Am heutigen Montag beginnt um 19.30 Uhr in der Grundschule Ohmden eine weitere Infoveranstaltung zur Sanierung des Spielplatzes Wiestalweg.