„A brazzelvolls Stieble“ beim vierten Mundartstammtisch mit Pfarrer i. R. Rudolf Paul im Kirchheimer „Teckkeller“
Schwäbische „Fleischesluschd ond Läbrkäs“

Kirchheim. Er lässt die himmlischen Heerscharen schwäbisch singen, den Moses in schwäbischer Manier gen Kanaan „ens globte Land“ ziehen und die Fischer vom See Genezareth mit ihrem „Moischdr schwäbisch schwätza“: Pfarrer i. R. Rudolf


Paul, 79, hat die ganze Bibel ins Schwäbische übersetzt. „25 Johr han i dofür gschafft“, sagt der gebürtige Kirchheimer, der im Ruhestand Mundart-Gottesdienste hält. Zum vierten Mal traf er sich nun mit „laudr Künschdlr“ zum Mundartstammtisch im „Teckkeller“ seiner Geburtsstadt, veranstaltet vom Verein mund.art, dessen stellvertretender Vorsitzender Rudolf Paul ist.

Faszinierend, was sich in dem so oft belächelten und geschmähten Dialekt des Südwestens der Republik alles ausdrücken lässt. Alltäglich Banales, Spezielles, Delikates, Politisches, Philosophisches – einfach alles, wie es sich für eine alte, historisch gewachsene Sprache gehört.

Dies wurde auf überaus unterhaltsame Weise beim Mundartstammtisch deutlich. So widmete sich Mitorganisatorin Monika Heck in ihrem Gedicht „Liebe, Luschd ond Läberkäs“ der Fleischeslust. Lore Zentler wünschte zum Geburtstag „Gsondheit am a langa Fada“. Walter Fischer, seit 20 Jahren schwäbisch reimend unterwegs, beschrieb, wie‘s seinem „lädierta kranka Ranza“ in der Kur ging und setzte sich, hochaktuell, mit dem Hepsisauer „Bachhaus“ ausei­nander, „ond kommt dr Wend von Weschda, tuet‘s ds Ondrdorf vrpeschda“.

Hans Paulin, der 2008 den vierten Platz beim Sebastian-Blau-Preis belegte, schwärmte prosaisch von einer guten Nachbarschaft – „ma lässt anander gelta“ und setzte seinem Freund Otto vom Posaunenchor ein Denkmal in Versen. Erika Schuhmann als „Kätter von dr Alb“ bedichtete die „Zahnluck“ der Burg Teck nach dem Mauerabsturz.

Nicht nur in den Reimen kam immer wieder der knitze schwäbische Humor zum Vorschein. Auch in Rudolf Pauls Anekdoten aus der Kindheit blitzte der Schalk auf, etwa, als er einem Trauergast nach der Beerdigung im Winter in der Dettinger Straße mit einer Matschbombe den Zylinder vom Kopf schoss, der Mann ihn verfolgte, auf Eis ausrutschte, längs in die Matschbrühe des Kandels fiel und der kleine Rudolf ihm zurief: „Na, kraula muesch“.

An eine ganz andere missliche Lage erinnerte Andreas Volz in seinem Gedicht vom „pflegeleichta Tannabohm“. Witzig und einfühlsam beschreibt er die sattsam bekannte Situation an Heiligabend, wenn es um den häuslichen Frieden ganz schlecht bestellt ist, weil es aus Sicht der Frau ihr Angetrauter mal wieder nicht fertigbringt, den Christbaum aufzustellen. Das ist schwäbischer Blues in Reinkultur.

Apropos Blues. Natürlich lassen sich schwäbische Texte auch vortrefflich singen. Wer kennt nicht das bekannte Lied von den Hasen, die „auf‘m Wasa graset“? Musiklehrer Adolf Braun begleitete die elf Verse beim Stammtisch ebenso wie das Lied „‘s Baurabüeble“ und den schwäbischen Paradeblues „I, wenn i Geld gnueg hätt“. Überhaupt taugt Schwäbisch vorzüglich für den Blues, auch für die afroamerikanische Stilrichtung. Das bewies Gunther Nething den erstaunten Mundartsprechern „em brazzlvolla hendera Stieble“ des Teckkellers. Begleitet vom Kontrabassisten Dieter Heilenmann und dem Waschbrettspezialisten Heribert Warilek gab er den Stones-Blues „Little red rooster“ zum Besten, den er mit „dr kloine raote Rieschdr“ übersetzte – „yäh, yäh“. Solchermaßen angefeuert wollte auch Monika Heck mit ihrer „Summertime“-Version nicht hinterm Berg halten. „Sommer isch’s, ond mir hen a schees Läba, d’ Fischla schnalzet, ond dr Woiza schdohd guad. Ond dei Babba hod Geld, ond dei Mamma isch a Scheena, kannsch ruhich schlofa, Kendle, weil’s dir an nex fehld“.

Doch, einer fehlt noch: Zum Musiker-Trio, das mit Polkas und Ländlern für die passende „schwäbische Musik ohne Text“ sorgte, gehörte neben Dieter Hildenbrand und Heribert Warilek noch Robert Oeffinger mit seiner Steirischen Harmonika.