Dettingen. Unter dem Thema „Schwäbisches Hanami“ bildete die Blütenwanderung in Dettingen den Auftakt zu zahlreichen Veranstaltungen im Frühjahr 2011. Der Zusammenschluss der Landkreise Böblingen, Esslingen, Göppingen, Rems-Murr, Reutlingen und Zollernalbkreis zur Initiative „Streuobstland“ soll dabei helfen, die einmalige Kulturlandschaft am Albtrauf zu erhalten.
Vom Treffpunkt Bauhof ging es direkt in die Streuobstwiesen bei der Kleingartenanlage Eulengreuth, wo Walter Hettenbach, Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins (OGV) Dettingen, Landrat Heinz Eininger, Bürgermeister Rainer Haußmann, den Landtagsabgeordneten der Grünen, Andreas Schwarz, die Vorsitzende des Kreisverbandes der Obst- und Gartenbauvereine Nürtingen, Sigrid Jetter, weitere Mandatsträger und über 80 Teilnehmer begrüßen konnte. In seinem Grußwort ging der Landrat auf die Landschaft der Superlative ein. Die Streuobstwiesen zwischen Alb, Neckar und Rems seien eine der größten zusammenhängenden Streuobstlandschaften Europas. Über zwei Millionen Obstbäume auf über 34 000 Hektar Streuobstwiesen ließen die Landschaft aufblühen. Im Anschluss erläuterte Bürgermeister Haußmann die Rodungsmaßnahmen im Zuge des Life+-Projektes. Das Projekt soll die Bewahrung und Revitalisierung der verbleibenden Baumbestände sichern und den Vogelschutz im Albvorland fördern. Durch lichte Baumbestände aus Obstbäumen sowie Wiesen und Weiden im Unterwuchs soll eine Bewirtschaftung besser ermöglicht werden. Rainer Haußmann verwies auch auf die Notwendigkeit, private Wiesenbesitzer zu unterstützen. Ein verbesserter Mostobstpreis und eine Lockerung der Bestimmungen zur Errichtung von Geräteschuppen wären ein Ansatz, das Interesse am eigenen Wiesle wieder zu wecken.
Bei der Wanderung zum Käppele erläuterte Heinz Schöttner vom NABU die Belange des Vogelschutzes. So seien Baumruinen wertvolle Lebensräume und Rückzugsgebiete für Insekten und Vögel. Auch das Mähen der Wiesen sollte mit Augenmaß erfolgen. Allzu häufiges und zu tiefes Mähen schade den Kleinlebewesen wie Blindschleichen und Spitzmäusen, die auch zur Artenvielfalt der Streuobstwiesen gehörten.
Auf dem Käppele erwartete die Wanderer dann eine Erfrischung: Die Filderwerkstatt bot verschiedene heimische Apfelsäfte, Most und einen kleinen Imbiss an.
Weiter ging es zur früheren gemeindeeigenen Kirschenanlage und zur ehemaligen Erwerbsobstanlage Käppele. Die Kirschenanlage wurde nach Life+-Gesichtspunkten ausgedünnt, und auf der gerodeten Erwerbsobstanlage wurden bei der Bürgeraktion „Wir pflanzen einen Wald“ über 3 000 verschiedene Baumarten wie Eichen, Linden, Walnuss- und Wildobstbäume sowie auch der Baum des Jahres, die Elsbeere, gepflanzt.
Auf dem Rückweg zum Ort zeigte Heinz Schöttner den Teilnehmern sein selbst gebautes Insektenhotel, an dem reger Flugbetrieb herrschte. Durch den starken Rückgang der Honigbiene in den letzten Jahren werde die Wildbiene für die Bestäubung der Blüten immer wichtiger. mw
