Gabriela Staebler entführte ihr Publikum in der Kirchheimer Stadtbücherei in die faszinierende Fauna Afrikas
Sensibilisierung durch spektakuläre Tierbilder

Kirchheim. Eine wahre Sternstunde erlebten Schülerinnen und Schüler der Waldorfschule im Vortragssaal der Kirchheimer Stadtbücherei. Auch wenn das „Premierenpublikum“


schon um 8  Uhr vor Ort sein musste, waren alle hellwach und bedankten sich abschließend nicht nur mit kräftigem Applaus, sondern auch mit einem vielstimmig rezitierten Gedicht von Sebastian Blau .

Zuvor hatten sie die Referentin mit Fragen gelöchert und die Begegnung mit einer brillanten Fotografin und Autorin genossen, die vor allem durch ihre bodenständige Bescheidenheit begeisterte. Selbstverständlich ist das nicht, denn mit vielen Preisen ausgezeichnet, kann die Autodidaktin problemlos auch größte Hallen füllen – und tut das auch.

Ganz wichtig ist aber der im Allgäu geborenen Gabriela Staebler, die in Kirchheim zwei Stunden später auch noch Schüler der vierten Klassen der Teck- und der Freihof-Grundschule begrüßte, möglichst viele Kinder und Jugendliche gezielt auf die Probleme aufmerksam zu machen, denen wilde Tiere in Afrika ausgesetzt sind. In geschützten Reservaten zusammengeführt, sind Raubtiere schließlich für fotografierende Touristen eine genauso attraktive und verlässliche Beute wie für Wilderer.

Das für die Fragwürdigkeit des Elfenbeinhandels offensichtlich schon intensiv motivierte Publikum konnte Gabriela Staebler erfolgreich für die Probleme der bestialischen Jagd auf unschuldige Nashornhörner sensibilisieren. Auch wenn dieses höchst begehrte Horn eigentlich genauso wenig wert ist, wie der Fingernagel eines Europäers, sorgt der rational nicht erklärbare Glaube an nebulöse allgemein-medizinische und vor allem auch angeblich aphrodisiakische Wunderwirkungen mit Preisen bis zu 100 000 Euro für Abschusszahlen von zwei Tieren pro Tag. Das bedeutet, dass diese Spezies schon im Jahr 2020 bis auf ihre in Zoos gehaltenen Schattenbilder ausgerottet sein könnte.

Professionell präsentiert wurde eine Parade von außergewöhnlichen Wildlife-Fotografien. Zielgruppengerecht aufbereitet wurden dabei auch die gute Nerven und unbegrenzte Geduld voraussetzenden Entstehungsbedingungen der vorgestellten Bilderbuch-Bilder, die sich in zahlreichen hochgelobten Bildbänden aneinanderdrängen.

In einer strategisch geschickt eingelegten Verschnaufpause konnten die Schüler alle Fragen loswerden. Das Wissen da­rum, dass höchste Konzentration auf die angebotenen Informationen mit Preisen für richtig beantwortete Fragen belohnt wird, sorgte auch im zweiten Teil für weiterhin knisternde Spannung. Die Bilder mit „jeweils möglichst vielen gleichzeitig in eine Richtung schauenden Wildtieren“ kamen beim Publikum sehr gut an.

Als wären damit nicht schon genug Highlights präsentiert, wurde auch noch die in solide Buchdeckel eingebundene Reihe „Wilde Kinder“ vorgestellt, in der Gabriela Staebler nicht nur eine von sehr persönlichen Erinnerungen geprägte Sammlung fotogener Tierkinder vorgelegt hat. In den Geschichten schildert die Tierfotografin ihre hautnahen Begegnungen mit den wilden Tieren. In der Geschichte „Neues Leben“ erlebten die Schüler die ersten Lebensminuten eines gerade aus zwei Metern Höhe in das Leben in der Savanne hineinstürzenden Giraffenkindes so mit, als wären sie direkt dabei gewesen. Da sich aber selbst sehr gute Bilder noch steigern lassen, präsentierte die Fotografin in ihrem fulminanten Finale noch eine atemberaubende Parade ganz besonders faszinierender Bilder, die – jedes für sich – auch nach einem über einstündigen aber immer kurzweiligen und informativen Vortrag intensive Reaktionen im Zuschauerraum provozieren konnten.

Dass ein Gepard innerhalb von drei Sekunden rennwagengleich aus dem Stand seine bei 120 Stundenkilometern liegende – und natürlich nur kurze Zeit abrufbare – Höchstgeschwindigkeit erreicht, dürften die begeisterten Kindern wohl genauso wenig vergessen, wie etwa die Information, dass junge Elefanten, die noch unter den Bauch ihrer Mutter passen, wohl nicht älter sind als ein Jahr.

Wenn sich die jungen Besucher des mit großem Engagement präsentierten Vortrags zu Herzen nehmen, was sie vom drohenden Aussterben der Nashörner gelernt hatten und sich für entsprechende Kampagnen engagieren, die mehr Aufmerksamkeit verdienen als versehentlich im Internet angekündigte Partys, könnten sie erfolgreich dazu beitragen, dass das Aussterben dieser Tiere – wenn nicht verhindert, so vielleicht doch noch – etwas hinausgezögert werden kann.

Echte in Afrika glücklicherweise noch immer verlässlich zu beobachtende Wunder – wie etwa die jährliche Wanderung der von unzähligen Zebras begleiteten Gnus von der Serengeti in die Masai Mara und zurück – sind keine Selbstverständlichkeit, wenn nachwachsende Generationen nicht bereit sind, die erforderlichen Rahmenbedingungen für das Überleben der noch vorhandenen Wildtiere zu sichern.