Kreis Esslingen. Von einem seltsamen Hupen oder Piepsen sprechen die Anwohner am Bahnübergang in der Kanalstraße in Brucken, das sie alle halbe Stunde nervt. Dazu komme noch, dass die Zugführer an jeder Feldwegkreuzung den Pfeifton erklingen lassen. Das erscheint einigen Bruckenern des Guten zu viel, zumal sie auch durch das nächtliche Rumpeln des Güterzugs immer wieder aus dem Schlaf gerissen werden.
Wenig Hoffnung auf ungestörte Ruhe macht die Deutsche Bahn. „Die Töne beim Bahnübergang dienen vor allem der Verkehrssicherheit von Fußgängern, die schlecht sehen. Sie signalisieren zusätzlich zum Blinklicht, dass erhöhte Vorsicht geboten ist und ein Zug sich nähert“, erklärt ein Bahnsprecher. Die eingebaute Technik habe die Zulassung des Eisenbahnbundesamts und entspreche der Bau- und Betriebsordnung der Bahn. Gegen eine derartige Anlage sei deshalb nichts einzuwenden.
Dies können einige Anwohner nicht so richtig nachvollziehen. Nie sei es ihres Wissens an diesem Bahnübergang zu einem Zwischenfall gekommen. Der Zug fährt in diesem Bereich ohnehin recht langsam. Das hat zwei Gründe: Zum einen ist der Bruckener Bahnhof von dem Bahnübergang etwa 200 Meter in Richtung Owen entfernt, zum anderen trennt ihn vom Bahnübergang an der Bundesstraße 465 in etwa die gleiche Distanz in Richtung Oberlenningen. An diesem „großen“ Bahnübergang an der stark frequentierten Bundesstraße ist es im Gegensatz zum innerörtlichen an der Kanalstraße in der Vergangenheit immer wieder zu Zwischenfällen gekommen, weshalb die Zugführer angehalten sind, sich sehr langsam dem Kreuzungspunkt an der B 465 zu nähern.
„In ländlichen Gebieten nimmt man solche Geräusche wesentlich deutlicher wahr, als beispielsweise im Umkreis einer viel befahrenen Durchgangsstraße in Stuttgart, wo die Grundgeräusche schon um einiges größer sind“, ist sich der Bahnsprecher dieser Problematik bewusst. Immer wieder seien die Signalton-Anlagen ein Stein des Anstoßes, da die Anwohner den Warnton als laut empfinden würden. Trotzdem stellt der Bahnsprecher unmissverständlich klar: Sicherheit hat Vorrang. „Die Eisenbahn gibt es in Deutschland seit 1835 und seither hat sich die Technik wie bei den Automobilen weiterentwickelt. Zudem schraubten sich in den vergangenen 30 Jahren die Sicherheitsanforderungen immer höher“, so der Bahnsprecher. Wo früher ein Andreaskreuz ausgereicht habe, brauche es heute noch zusätzlich ein Lichtzeichen, nennt er als weiteres Beispiel. „Wenn wir eine Strecke umbauen oder modernisieren wie jetzt die Teckbahn, gelten die Vorschriften von heute“, stellt er unmissverständlich klar.
Die Komplettsanierung sorgt auch in Kirchheim derzeit für einige Irritationen, besser gesagt, die Nacharbeiten. Wie bei Straßen, gibt es auch bei neuen Gleisanlagen eine Abnahme. Dabei prüfen Experten beispielsweise, ob der Abstand der beiden Schienen innerhalb der genau definierten Toleranz liegt, ebenso der Abstand zwischen Schienen und Oberleitung, damit ein ständiger Kontakt gewährleistet ist. Manche Arbeiten werden jedoch auf später verschoben, sei es aus Zeit- oder Technikgründen. „Schweiß- oder Schleifarbeiten kann es deshalb an einer neuen Strecke immer mal wieder geben “, erklärt der Bahnsprecher.
Wurden einst die einzelnen Schienenstränge mit Metallplatten verbunden, um die Ausdehnung des Materials bei Temperaturschwankungen ausgleichen zu können – was zu dem typischen Klack-Klack-Geräusch führt, sobald die Zugräder über diese Stelle fahren – werden sie heute endlos verlegt. Die Dehnungsschwankungen gleicht dabei der Unterbau aus. Auch die Schienen auf der Teckbahn sind seit der Generalüberholung der Strecke verschweißt. In den vergangenen Tagen wurde teilweise das nachgeholt, was im Sommer nicht geschafft werden konnte.
Für die Schweißarbeiten im Thermitverfahren darf die Witterung weder zu kalt noch zu heiß sein. Dabei werden Eisenoxid und Aluminium erhitzt, wobei weit über 2 000 Grad Celsius entstehen. „Die Schienen werden dann fast flüssig“, verdeutlicht der Bahnsprecher den chemischen Prozess. An diesen Schweißstellen sind die Schienen daraufhin etwas unförmig, weshalb sie abgeschliffen werden müssen. „Sonst kommt es zu Geräuschbelästigungen“, so der Bahnsprecher.
