In einer Feierstunde in der Nürtinger Stadthalle wurde der Rektorenwechsel an der HfWU offiziell vollzogen
„Sie übernehmen a g’mähts Wiesle“

Am 31. August endete die sechsjährige Amtszeit des HfWU-Rektors Professor Dr. Werner Ziegler. In einer Feierstunde in der Stadthalle wurde er jetzt verabschiedet und sein Nachfolger im Rektorenamt, Professor Dr. Andreas Frey, offiziell ins Amt eingesetzt.

Nürtingen. Unter anderem waren der Grünen-Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel sowie die Landtagsabgeordneten Thaddäus Kunzmann (CDU), Jörg Fritz (Grüne), Sascha Binder (SPD) und Nicole Razavi (CDU) unter den Gästen der Feierstunde. Den Landkreis Esslingen repräsentierte Landratsstellvertreter Matthias Berg, die Städte Nürtingen und Geislingen wurden jeweils durch ihre Bürgermeister vertreten. Besonders freue es ihn, sagte Senator E. h. Jürgen Hilse, der als Vorsitzender des Hochschulrats der HfWU die Begrüßung unternommen hatte, dass auch die drei ehemaligen Rektoren Paul Bauer, Eduard Mändle und Klaus Fischer gekommen sind.

In ihrer Festrede würdigte Dr. Simone Schwanitz, Ministerialdirektorin im baden-württembergischen Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Werner Zieglers Verdienste für die HfWU. Er habe die Hochschule auf vielen Gebieten vorangebracht, sagte sie, und nannte beispielhaft die Kooperation mit anderen Hochschulen, die Stärkung des strategischen Profils der Hochschule und die Systemakkreditierung. Ziegler habe sich fachkompetent, engagiert und kollegial Wertschätzung auch über die Hochschule hinaus erworben. Während seiner sechsjährigen Amtszeit habe er die Zahl der Studienplätze um knapp 30 Prozent gesteigert und die Struktur der Hochschule verschlankt. Zahlreiche Bauvorhaben an beiden Hochschulstandorten hätten Ziegler in Atem gehalten, so Schwanitz weiter. Er könne auf eine beachtliche Erfolgsbilanz zurückblicken.

„Große Herausforderungen warten auf Sie“, gab Schwanitz dem neuen HfWU-Rektor Professor Dr. Andreas Frey mit auf den Weg. Die Hochschule sei gut aufgestellt. Als neue Herausforderung sieht Schwanitz unter anderem die Weiterbildung für Arbeitnehmer. „Da werden wir noch einiges tun können.“ Eine weitere Aufgabe werde sein, die Hochschule als Partner für Stadt, Region, Land und Wirtschaft weiter zu stärken.

Die Nürtinger Bürgermeisterin Claudia Grau überbrachte für die Stadt Nürtingen und auch im Namen des Geislinger Oberbürgermeisters Wolfgang Amann Glückwünsche und Dankesworte. Dass die HfWU einen hervorragenden Ruf genieße, sei das Verdienst Zieglers. Im Dialog mit der Stadt habe die HfWU Zukunftsperspektiven ausgelotet. Das Know-how und Potenzial der Hochschule wolle die Stadt künftig noch stärker nutzen und kommunale Themen im Dialog mit der HfWU voranbringen.

Professor Dr. Bastian Kaiser übernahm es als Vorsitzender der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften Baden-Württemberg, Ziegler mit launigen Worten zu verabschieden. Dem scheidenden Rektor bescheinigte er, „sachkompetent, humorvoll und bekannt für unkonventionelle Problemlösungen“ zu sein. „Sie übernehmen einen gut bestellten Acker“, richtete er das Wort an Zieglers Nachfolger Andreas Frey. Und weil der Neue ein waschechter Geislinger sei, sage er das auch auf Schwäbisch: „Sie übernehmen a g’mähts Wiesle.“

„Meine Hochschule war mein Beruf, meine Berufung und mein Hobby zugleich“, sagte Dr. Werner Ziegler in seiner Rede. Seine Amtsvorgänger Mändle und Fischer hätten das Fundament gelegt, „auf das wir aufbauen konnten“, sagte er. „Wir haben die uns bietenden Möglichkeiten genutzt und unsere Hochschule gemeinsam weiter ausgebaut, vorangebracht und geformt.“ Ziegler verwies unter anderem auf das Profil der Hochschule, das lautet: „Die HfWU steht für nachhaltige Entwicklung.“ Dieses Profil sei stimmig und werde mit Leben erfüllt.

Ziegler wollte auch unangenehme Erfahrungen und ungute Entwicklungen nicht unerwähnt lassen. Die Hochschulen hätten leider in zunehmendem Maße mit administrativen und bürokratischen Hindernissen zu kämpfen. „Unsere Kernkompetenzen Lehre und Forschung drohen darunter zu leiden.“ Seinem Nachfolger wünschte er „alles Gute für dieses anstrengende, fordernde, aber auch so erfüllende Amt“.

Bevor er allerdings die Amtskette des Rektors an seinen Nachfolger übergeben konnte, wurde Ziegler selbst noch mit einer Ehrung bedacht. Hochschulratsvorsitzender Hilse steckte ihm für herausragende Verdienste die goldene Ehrennadel der HfWU ans Revers.

„Ich habe hier eine Hochschule mit einer sehr positiven Grundstimmung vorgefunden, die es mir leicht gemacht hat, anzukommen“, sagte Professor Dr. Andreas Frey, der derzeit noch zwischen seinem Wohnort Osnabrück und den Hochschulstandorten Nürtingen und Geislingen pendelt. Der 45-Jährige zeigte in seiner Antrittsrede detailliert auf, wo er die Schwerpunkte in der Entwicklung der HfWU sieht. Die HfWU habe sich in den letzten Jahren sehr gut im Bereich Studium und Lehre aufgestellt. Nun gelte es, die nächsten Herausforderungen zu bewältigen. Als Stichworte nannte er demografischen Wandel und Fachkräftemangel. Um die Herausforderungen zu meistern und den prognostizierten rückläufigen Studierendenzahlen entgegenzuwirken, müsse sich die Hochschule für neue Zielgruppen öffnen.

Die Hochschulen seien nicht nur, wie dies manche Universitäten sähen, für die Bachelorausbildung zuständig, sagte Frey. „Wir müssen in die Master investieren.“ Ohne Forschung allerdings gebe es keine Masterprogramme. Also gelte es auch in die Forschung zu investieren. „Eine erfolgreiche Forschung kommt uns allen zugute.“