Beuren. Sie sind unterschiedlich groß, unterschiedlich alt, werden unterschiedlich frequentiert und besitzen jeweils ihr eigenes Profil. Dennoch arbeiten die sieben Freilichtmuseen in Baden-Württemberg inhaltlich zusammen und tauschen ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse aus. „Das ist bundesweit einzigartig“, sagte der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der „Sieben im Süden“, Thomas Naumann. Er leitet das Odenwälder Freilichtmuseum Gottersdorf.
Von Kunststaatssekretär Jürgen Walter gestern bei der Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft im Freilichtmuseum Beuren für ihren „wichtigen Beitrag zur Alltags-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte des ländlichen Raums“ hoch gelobt, konnten die ländlichen Museen in Baden-Württemberg in dieser Saison um 10 000 Besucher zulegen. Insgesamt 650 000 Besucher sind für die „Sieben im Süden“ ein stolzes Ergebnis und Ausdruck einer äußerst erfolgreichen Arbeit. Niederschwellig sei sie und dadurch gefragt, selbst von Menschen, die sonst nie ein Museum besuchen, sagte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft, der Biberacher Landrat Dr. Heiko Schmid.
Dass dies so bleibt, dafür wollen die Freilichtmuseen nicht nur an einem gemeinsamen Stand auf der CMT in Stuttgart vom 12 bis 20. Januar 2013 werben. Sie gestalten auch ihren gemeinsamen Internetauftritt neu und gehen trotz der „alten Verpackung“ multimedial auf ihre jungen und alten Besucher zu. „Die klassische Informationstafel in den Häusern ist passé. Mulitmedia-Guides, Apps und iPhones sind angesagt“, wusste der Biberacher Landrat.
Die Einrichtungen arbeiten wissenschaftlich und bringen Zeitgeschichte ihren Besuchern nahe. Dabei geht es nicht nur um so „sperrige Themen“ wie „Dorf unterm Hakenkreuz“, „Die Schwabenkinder“ oder „Zöpfe ab und Hosen an“. Auch der gemeinsame nostalgische Blick auf Petticoat und Nierentisch der 1950er-Jahre und die kritische Sichtweise auf diese Umbruchphase des Landlebens fand das Interesse der Besucher. Je nach Profil der sieben Einrichtungen als „lebendige Orte der Geschichtsvermittlung“ wurden ganz unterschiedliche Zielgruppen angesprochen.
In der kommenden Saison, so viel verriet Landrat Dr. Schmid bereits, wird sich bei den „Sieben im Süden“ alles um das gemeinsame Thema „Die 1920er-Jahre auf dem Land“ drehen – „eine Phase des Umbruchs in der Politik mit dem ersten Versuch einer Republik ebenso wie in der Landwirtschaft mit der Motorisierung, oder in den Bauernstuben, in die nun die Elektrizität einzog“. Beim gemeinsamen Saisonauftakt am 24. März 2013 im Freilichtmuseum Beuren und in jedem Museum für sich soll am „Tag der Originale“ am 4. August dieses Thema mit Leben gefüllt werden.
„Wir wollen, dass es diese außerschulischen Lernorte gibt“, sicherte Staatssekretär Jürgen Walter den Freilichtmuseen weiterhin finanzielle Hilfe zu. Die ländlichen Museen seien wichtig für die touristische Entwicklung der Regionen und die Kulturförderung im ländlichen Raum. Dafür habe die grün-rote Landesregierung im Doppelhaushalt insgesamt 500 000 Euro eingeplant.
Landrat Heinz Eininger wies als Gastgeber der Jahrestagung darauf hin, dass allein der Aufbau des Hauses Bühler aus Öschelbronn, mit dessen Aufstellung in 2013 begonnen werde, drei Millionen Euro verschlinge. 1,3 Millionen Euro schießt das Land zu. „Ohne Zusammenwirken des Landes und des Landkreises wäre dieses Projekt nicht zu stemmen.“ Für den Baubeschluss des neuen Besucherinformationszentrums als Eingangsgebäude soll der Kultur- und Schulausschuss in der kommenden Woche grünes Licht geben.
