55 Zuhörer lauschten einem astrofotografischen Vortrag im Urweltmuseum Hauff in Holzmaden
„Sind wir alleine im Universum?“

Sie heißen E.T. oder Alf, sind freundlich oder feindselig und haben meist ein eigenartiges Aussehen: Außerirdische bieten jede Menge Filmstoff und regen die Fantasie an. Doch gibt es außerirdisches Leben tatsächlich? – Eine spannende Frage.

Holzmaden. Sind wir alleine im Universum? Die Antwort auf diese Frage interessiert die Menschheit seit jeher. Aber um es gleich vorwegzunehmen: Die Wissenschaft tappt hier völlig im Dunkeln. Die Menschen können spekulieren oder glauben. Und jeder kann seine eigene Theorie aufstellen, die er allerdings nicht beweisen kann. So lautet das Fazit des Diplom-Biologen, Astronomie-Fachautors und Fotografen Stefan Seip aus Stuttgart, der am Donnerstagabend mit 55 Zuhörern im Urweltmuseum Hauff in Holzmaden eine „astrofotografische Exkursion durch das Weltall“ antrat.

Dieses Ergebnis verwunderte keinen der Besucher. Dennoch erlebten sie einen interessanten und sehr detailreichen Vortrag, zu dem der Stuttgarter zahlreiche seiner faszinierenden Fotografien präsentierte. Zu sehen waren darauf zum Beispiel Sternschnuppen und Sternhaufen, der Mond, die Venus, der Jupiter, die Sonne sowie eine Mond- und Sonnenfinsternis. Anhand dieser Bilder verdeutlichte der Astrofotograf aber nicht nur, welche unterschiedlichen Objekte es im Universum zu entdecken gibt – er machte auch klar, wie wichtig sie für die Menschheit sind.

So wäre ohne die Energie der Sonne kein Leben auf der Erde möglich, sagte Seip. „Aber auch dem Mond haben wir einiges zu verdanken.“ Der „Begleiter der Erde“ habe deren Rotationsgeschwindigkeit verlangsamt, außerdem stabilisiere er die Lage der Erdachse und sorge für Ebbe und Flut. Den Jupiter, „den größten Planeten in unserem Sonnensystem“, bezeichnete der Stuttgarter gar als kosmischen Staubsauger. Denn er ziehe größere Partikel wie Kometen oder Asteroiden an, „die uns ansonsten gefährlich werden könnten“. Stefan Seip zeigte den Besuchern ein Foto, auf dem ein Krater mit einem Durchmesser von 3,5 Kilometern abgebildet ist – die Folge eines Meteoriteneinschlags in Arizona. „Solche Einschläge vernichten unter Umständen eine große Anzahl an Leben.“

Der 48-Jährige ging außerdem auf unser Sonnensystem mit dem Zentralgestirn Sonne sowie den erdähnlichen Planeten Merkur, Venus und Mars ein. „Darüber hinaus gibt es Gasplaneten, zum Beispiel Jupiter und Saturn.“ Die Milchstraße, ein helles Band am Nachthimmel, enthalte 150 Milliarden Sterne. „Und theoretisch könnte auf jedem dieser Sterne Leben existieren.“ Vor 100 Jahren seien die Menschen überzeugt davon gewesen, dass unsere Milchstraße die einzige Galaxie im Universum sei. „Aber es gibt noch viel mehr Galaxien“ – zum Beispiel die Andromeda-Galaxie, die 2,5 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt sei und ebenfalls 150 Milliarden Sterne enthalte. „100 Milliarden solcher Galaxien kennt man heute. Die weitesten sind 13 Milliarden Lichtjahre entfernt“, informierte der 48-Jährige und fügte hinzu, dass eine Lichtsekunde 300 000 Kilometern entspricht. Zum Vergleich: „Die Sterne, die wir mit bloßem Auge sehen können, sind ,nur‘ zwischen vier und einigen Hundert Lichtjahren entfernt.“

Stefan Seip ging außerdem auf die sogenannten extrasolaren Planeten ein, die nicht um die Sonne kreisen und damit nicht zu unserem Sonnensystem gehören. Um solche Planeten zu entdecken, würden riesige Tele­skope gebaut – regelrechte „Monster“, wie der Referent sich ausdrückte. Ganz aktuell habe man mithilfe eines Teleskops in Chile einen Planeten aufgespürt, der „erdähnlich sein könnte“, berichtete Seip. 841 extrasolare Planeten seien derzeit bekannt. „Die meisten davon sind viel größer als die Erde. Es handelt sich größtenteils aber nicht um erdähnliche, sondern um Gasplaneten.“

Wie viele Planeten gibt es also im Universum, auf denen Leben möglich ist? Und wie hoch ist überhaupt die Wahrscheinlichkeit, dass bei optimalen Bedingungen Leben entsteht? Auf diese Fragen wisse man keine Antworten – deshalb sei es auch denkbar, dass die Menschheit im Universum schlichtweg „ein Einzelfall“ sei.

Der Vortrag mit Stefan Seip fand im Rahmen des 75-jährigen Jubiläums des Urweltmuseums Hauff statt. Geplant ist noch eine weitere Veranstaltung: David Hettich präsentiert am Freitag, 7. Dezember, eine Bildershow zum „Abenteuer Ozean“. Anmeldungen sind unter 0 70 23/28 73 möglich.