Esslingen. Die erste Einrichtung dieser Art im Landkreis sei ein „Herzensanliegen, damit Menschen in Würde sterben können“. Weißenborn schilderte bei einem Pressegespräch eine persönliche Begegnung mit einer Vierzigjährigen, deren Krebserkrankung nicht mehr therapiert werden konnte. Die Angehörigen konnten die Sterbende nicht zu Hause pflegen. In einem Hospizhaus habe sie, soweit wie möglich schmerzfrei, viel Herzenswärme erfahren und sei nicht verbittert, sondern in Frieden gegangen. Daher ist es dem Dekan eine Herzensangelegenheit, auch im Landkreis Esslingen ein Hospizhaus einzurichten..
Derzeit wird das ehemalige Oberesslinger Pfarrhaus aus dem Jahr 1824 saniert und hat einen Anbau erhalten. Ab Mitte April nächsten Jahres können dann die acht stationären Plätze belegt werden. Neben Räumen für Angehörige kommt dort auch der ambulante Hospizdienst unter, deren Ehrenamtliche im Haus die insgesamt 16 Pflegekräfte mit Qualifikationen in der Palliativpflege unterstützen werden. Niedergelassene Ärzte ergänzen das Team. Neben der medizinischen Versorgung ist laut der Leiterin Susanne Kränzle auch der psychosoziale und seelsorgerische Aspekt wichtig. Die Sterbenden können ihren bisherigen Lebensrhythmus beibehalten, und die Angehörigen werden in dem Maße mit eingebunden, wie sie und der Kranke es wollen. Ziel des Hospizhauses sei es aber auch, die oft erschöpften Angehörigen zu entlasten.
Für eine anheimelnde Atmosphäre sorgt laut Architekt Jens Könekamp nicht nur der Charme des ehemaligen Pfarrhauses, sondern auch die schlichte und lichte Ausführung mit Ausrichtung auf den Garten. Auch wenn es etwas teurer war, so erhält das Hospizhaus, das über 2,7 Millionen Euro kostet, einen Parkettboden. Für die Finanzierung muss laut Weißenborn kein Kredit aufgenommen werden. Auch die Haushaltsmittel der evangelischen Gesamtkirchengemeinde würden nicht angetastet. Hingegen wurden das Pfarrhaus mit Grundstück und ein Vermächtnis herangezogen. Völlig überwältigt waren die in der Gemeinde Engagierten von dem enormen Spendenaufkommen von inzwischen 1,7 Millionen Euro für den Bau. Auf einem zweiten Konto lagern Spenden für den laufenden Betrieb, der mit jährlich 150 000 Euro zu Buche schlägt. Projektleiter Horst-Peter Enge war fasziniert davon, mit welch freudiger Bereitschaft Geld gegeben wurde. Das sei Solidarität mit den Sterbenden, meinte Weißenborn.