Weilheim. Eugen Gölz schwört auf den Rebensaft aus dem eigenen Wengert. Genüsslich nippt er an seinem Glas und lässt sich einen Müller-Thurgau, kultiviert an der Weilheimer Weinsteige, munden. „Bis ich 83 war, hab‘ ich auch einen Silvaner und einen Kerner angebaut“, sagt der rüstige Jubilar stolz, der täglich ausgiebige Spaziergänge unternimmt. Die anstrengende Arbeit im Wengert erledigt indes inzwischen einer seiner beiden Söhne.
Eugen Gölz, am 2. Mai 1921 in der Limburgstadt geboren, erinnert sich noch gut an das kärgliche Leben seiner Kindertage: „Wir waren arm wie eine Bettelmaus.“ Das Geld, das sich der Junge durchs Putzen von Fässern verdiente, benötigte die Familie, um das Backen bezahlen zu können. Das Korn konnten die Landwirte immerhin selbst beisteuern.
Nach der siebenjährigen Schulzeit begann Eugen Gölz eine Lehre in der Eisengießerei der Kirchheimer Firma Grüninger und Brehm. Zweimal übertrumpfte der Weilheimer seine Ausbildungsgenossen als Kreissieger. Dass er sich später zum Meister weiterbildete, war programmiert. Doch die Arbeit in der Gießerei forderte ihren Tribut: „Eine zeitlang war ich sehr schlecht dran. Ein Arzt prophezeihte mir, dass ich keine 40 Jahre alt werde“, so Eugen Gölz. Sein Glück war, dass er schon bald in die Arbeitsvorbereitung wechselte. Als deren Leiter fungierte er bis zum Eintritt in die Rente mit 63.
Fein säuberlich hat der Jubilar all die Dokumente, die seinen Lebensweg markieren, aufbewahrt und mit einem Griff bei der Hand, darunter das Hochzeitsbild aus dem Jahr 1947, auf dem gleich zwei Brautpaare abgelichtet sind. „Wir haben mit meiner jüngeren Schwester und meinem Schwager eine Doppelhochzeit gefeiert“, erklärt Eugen Gölz. „Der Friseur hat mir Wasserwellen gelegt. Deswegen ist das Foto nie gerahmt worden.“
Neben der Eitelkeit blitzt auch eine gehörige Portion Schalk auf, die dem 90-Jährigen stets im Nacken sitzt. Ausgeschmückte Anekdoten von beschwingten Sängertreffen glaubt man dem Jubilar, der sich nach wie vor alle vier Wochen mit seinen Kameraden vom Gesangverein 1840 trifft, aufs Wort. Mit Inbrunst schmettert der Tenor den einstigen Solopart aus der Operette „Das Waldvöglein“ noch heute.
Sicher ebenfalls musikalisch umrahmt, wird der runde Geburtstag am heutigen Montag ausgiebig gefeiert. Mit von der Partie sind unter anderem zwei Urenkel. Vielleicht wird Eugen Gölz auch ihnen in ein paar Jahren sein Lebensmotto ans Herz legen: „Wer lange Wein trinkt, der wird auch alt“
– Prosit.
