Esslingen. Auf den ersten Blick hat sich am Entwurf des Stuttgarter Architekturbüros Auer, Weber und Assoziierte seit dem vergangenen Jahr nicht allzu viel verändert. Doch in einem wesentlichen Punkt unterscheiden sich die Pläne für die neue Hauptstelle in der Bahnhofstraße: Während damals hinter einer neuen Fassade der sanierte Altbau aus den 70ern stecken sollte, will die Sparkasse das Haus jetzt komplett neu bauen. Grund für den Sinneswandel bei Vorstand und Verwaltungsrat: Bei der Detailplanung hatte sich herausgestellt, dass eine Sanierung wesentlich teurer geworden wäre als zunächst angenommen. „Die Eingriffe ins Gebäude wären gravierender gewesen als gedacht“, sagt der Vorstandsvorsitzende Franz Scholz.
Denn, was viele nicht wissen: Das Sparkassengebäude war vor 40 Jahren eigentlich für ein Kaufhaus geplant worden. Daraus ein Bankgebäude mit modernem Anspruch zu machen, wäre extrem schwierig geworden. Statt der angepeilten 15 Millionen hätte der Umbau vermutlich rund 30 Millionen Euro verschlungen. Trotzdem hätte man einige Kompromisse eingehen müssen.
Stattdessen investiert die Sparkasse nun lieber 42 Millionen Euro in einen Neubau, der keine Wünsche offen lassen soll. „Von der Wirtschaftlichkeit und der Funktionalität bietet uns diese Lösung deutliche Vorteile“, sagt Scholz. So finden in einem zusätzlichen Stockwerk 80 weitere Mitarbeiter Platz, obwohl der Neubau sogar etwas niedriger ist als das bestehende Gebäude. Auch die Tiefgarage wird um 40 Plätze erweitert. Im Unterhalt ist der Neubau deutlich günstiger: „Wir gewinnen so eine ganz andere Qualität“, freut sich der Sparkassen-Chef. Unberührt bleiben davon die Pläne für das Eckhaus, den ehemaligen Gasthof Falken. Hier plant die Sparkasse nach wie vor eine denkmalgerechte Sanierung.
Möglich wird diese große Lösung erst durch eine weitere Millionen-Investition an anderer Stelle. Denn auf dem Vogelsangareal am östlichen Altstadtrand will die Sparkasse im Herbst 2013 mit dem Bau eines Bürogebäudes beginnen, in dem 300 Mitarbeiter Platz finden. Wenn der 24 Millionen Euro teure Komplex 2015 fertig ist, werden ihn zunächst die Kollegen aus der Bahnhofstraße als Übergangsdomizil beziehen. Wenn sie dann zwei Jahre später in ihren Neubau zurückkehren, werden am Metzgerbach Mitarbeiter einziehen, die zurzeit auf vier Gebäude in der Fleischmannstraße, der Neckarstraße, Am Kronenhof und im Center „Das ES“ verteilt sind.
Ende 2017 soll die große Rochade abgeschlossen sein. „Dann haben wir 700 Mitarbeiter an zwei Standorten konzentriert“, freut sich Scholz. Wobei sich das komplette Kundengeschäft in der Bahnhofstraße abspielen soll, während auf dem Vogelsangareal interne Bereiche wie Verwaltung, Personalabteilung oder Revision untergebracht werden. Zwei Ladenflächen im Erdgeschoss will die Bank an Einzelhändler vermieten.
Architektonisch soll sich der geplante Bürokomplex harmonisch in die umliegende Bebauung einfügen. Deshalb hat das Nürtinger Architekturbüro Weinbrenner, Single, Arabzadeh, das als Sieger aus einem Wettbewerb hervorgegangen ist, auch die Dachform der Altstadthäuser aufgenommen und den Komplex durch mehrere kleinere Giebeldächer strukturiert. „Die städtebauliche Integration wurde herausragend gelöst“, lobt Wolfgang Riehle, Präsident der Architektenkammer Baden-Württemberg und Vorsitzender der Jury.
Auch Esslingens Baubürgermeister Wilfried Wallbrecht findet die Pläne ansprechend. Vor allem aber freut er sich, dass das Vogelsangareal endlich aus seinem jahrelangen Dornröschenschlaf erweckt wird: „Das wird jetzt eine Vorzeigeecke der Stadt“, ist Wallbrecht überzeugt.
