Bissingen/Kirchheim. Bereits die Anfahrt in Richtung Hunsrück ließ vermuten, dass die kommenden fünf Wandertage ein Erlebnis besonderer Art werden würden. Nebel lag in den Tälern, und die Sonne blitzte vom Himmel – beste Voraussetzungen also für den Start der sportlichen Wanderung.
Ausgangspunkt war Reidelbach, elf Kilometer Luftlinie von Hermeskeil entfernt, dem Ziel der ersten Tagesetappe. Nach der Begrüßung von zwei langjährigen Wanderfreunden aus der Rhön und dem Schnüren der Wanderstiefel ging es durch naturbelassene Wälder vorbei an der Hochwald-Alm zur Grimburg. Die Grimburg, bereits vor dem Jahr 1100 errichtet und mehrmals zerstört, wurde seit 1978 restauriert und dient heute als Kulisse für Kulturveranstaltungen, als Standesamt und hungrigen Schwaben als Rastplatz.
Gestärkt ging es weiter durch ruhige, idyllische Bachtäler nach Hermeskeil, wo sich die elf Kilometer Luftlinie als 25 Wanderkilometer mit etlichen Traumschleifen entpuppten. Am nächsten Morgen ging es durch das Forstelbachtal zur Talsperre Nonnweiler. Die Aufstiege auf den imposanten Erddamm und den Keltischen Ringwall waren zwar etwas anstrengend, aber das darf bei einer sportlichen Wanderung nicht fehlen.
Die Talsperre Nonnweiler ist der größte Wasserspeicher im Saarland und in Rheinland-Pfalz mit einem Wasservolumen von etwa 20 Millionen Kubikmeter und einer Oberfläche von etwa einem Quadratkilometer. Auf alten Handelsstraßen ging es weiter durch einen Zauberwald zum Forellenhof, dem zweiten Nachtlager auf der Tour. Der Forellenhof Trauntal lädt Angler mit seinen Forellenteichen ebenso ein wie hungrige Wanderer. So war es selbstverständlich, dass an diesem Abend Saibling und Forelle auf den Tellern landete. Die Königsetappe folgte am nächsten Tag mit der Besteigung des Erbeskopfes, mit 816 Meter der höchste Punkt im Hunsrück und in Rheinland-Pfalz. Wurde der Erbeskopf bis 2004 militärisch genutzt, so ist es der politischen Ost-West-Entspannung zur verdanken, dass eine Neugestaltung des Erbeskopfes stattgefunden hat. Anstelle von Stacheldraht und Radaranlagen lädt das Gipfelplateau heute mit einem Skulpturenweg ein. Beim Gang über einen Steg durchschreitet der Besucher die Klangskulptur „Windklang“ mit der Möglichkeit, die traumhafte Hunsrücklandschaft aus neuen Perspektiven zu erleben und zu empfinden. Eine Natur- und Umweltbildungsstelle im Hunsrückhaus, ein Hochseilgarten, drei Skiabfahrtspisten, Langlaufloipen sowie eine Sommerrodelbahn laden ebenso zur Freizeitgestaltung rund um den Erbeskopf ein.
Nach so viel Pause, Kunst und Vesper ging es den Skihang hinunter, bis die Wanderer auf einem Waldweg den Viadukt der Hunsrückquerbahn durchschritten. Sanft ansteigend wurde die Höhe eines weiteren Viaduktes erreicht. Immer wieder begegnete man den eindrucksvollen Überbleibseln der Hunsrückquerbahn, die vor über 100 Jahren in der Hochblüte des Eisenbahnbaus in dem stark gegliederten Gelände entsprechend kurvenreich mit zahlreichen Viadukten und Tunnels errichtet wurde, bis die Trasse 1984 endgültig stillgelegt wurde. Mit vielen positiven Eindrücken im Naturpark Saar-Hunsrück endete die dritte Etappe in Morbach.
Die abwechslungsreichste und mit 28 Wanderkilometern längste Etappe begann mit dem „Weg durchs Bruch“ – einem Lehrpfad durch ein Moor, vergleichbar mit dem Schopflocher Torfmoor, nur wesentlich größer. Darauf folgten Auf- und Abstiege, Strecken durch naturbelassene Wälder, schmale Wege mit steinigem Untergrund, Schotterstraßen, ein Geologischer Pfad und der Wildenburger Kopf. Bei der Wildenburg, eine spätmittelalterliche Burgruine, wurde Mittagsrast gemacht, bevor es auf einem sehr schmalen, steinigen Pfad über eine Halde von Taunusquarzit zum Aussichtspunkt Mörschieder Burr ging. Gesäumt vom steinernen Gästebuch der Deutschen Edelsteinstraße bei Herborn erreichten die müden, aber zufriedenen Wanderer den Sonnenhof in Veitsrodt.
Die Wirtsleute taten ihr Bestes und verwöhnten die elf Schwaben und zwei Rhöner mit guter Küche und ausgesprochener Gastfreundschaft. Beim anschließenden Singen mit Gitarrenbegleitung von Wolfgang Schneider waren die Strapazen des Tages fast vergessen. Am nächsten Morgen ging es dann noch „zum Auslaufen“ die letzten sieben Kilometer zur historischen Weiherschleife kurz vor Idar-Oberstein, wo heute Edelsteinschleifer den Besuchern live die Verarbeitungsweisen früherer Jahrhunderte demonstrieren.
Nicht nur landschaftlich war der 106 Kilometer lange Abschnitt auf dem insgesamt 170 Kilometer langen Saar-Hunsrück-Steig ein Schmankerl für jeden Wanderer. Auch die kulinarische Seite ließ keine Wünsche offen. Wanderführer Lothar Steegmaier hatte die Tour sorgfältig ausgearbeitet. Schon heute freut sich die Wandergruppe auf die nächste sportliche Wanderung im Odenwald.rs
