Verabschiedung von Hans Burkhardt und Hans-Peter Sindlinger – Wolfgang Rehm und Manfred Herrmann rücken nach
Stühlerücken im Weilheimer Ratsrund

Gleich zwei Stadträte hatte Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle in der Gemeinderatssitzung am Dienstag zu verabschieden. Hans Burkhardt und Hans-Peter Sindlinger scheiden nach 19 beziehungsweise elf Jahren auf eigenen Wunsch aus dem Gremium aus.

Weilheim. Ein Jahr vor der nächsten Kommunalwahl sagen die beiden Stadträte dem Gemeinderat aus persönlichen Gründen Adieu. Bereits im Dezember hatte Stadtrat Albrecht Narr nach 28 Jahren seinen Hut genommen.

„Gleich zwei Räte zu verabschieden, ist nicht alltäglich“, sagte Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle. Mit Hans Burkhardt (Freie Wählervereinigung) gehe ein Stadtrat, der großes Vertrauen in der Bevölkerung genossen habe. Am 12. Juni 1994 bekam er auf Anhieb die zweitmeisten Stimmen. „Sie waren nie ein Freund großer Worte, sondern haben oft den direkten Kontakt zur Verwaltung gesucht“, so der Schultes an den ehemaligen Chef eines Malerbetriebs gewandt. Die Rolle als örtlicher Handwerker sei Fluch und Segen zugleich. So müsse man als Stadtrat auch schwierige Entscheidungen gegenüber den Bürgern vertreten, die potenzielle Kunden seien. Andererseits habe Burkhardt der Verwaltung viele Infos und Anregungen weitergegeben. Er habe den 65-Jährigen als besonnenen, interessierten und engagierten Stadtrat erlebt. „Sie waren Garant für längerfristige Vorhaben“, sagte Züfle weiter. Beispielhaft nannte er die Projekte Rathausneubau sowie den Bau der Lindach-Sporthalle.

Die Themen Familie, Soziales und der Erhalt der Kulturlandschaft seien Hans-Peter Sindlinger (Unanbhängige Wählervereinigung) abgesehen vom baulichen Bereich besonders am Herzen gelegen. Schwer getan habe sich der Stadtrat mit der Erhöhung von Steuern und Abgaben. „Bei Ihren Wortmeldungen waren Sie ohne langes Taktieren immer gerade heraus“, hob Züfle hervor. „Das war für die Verwaltung und den Gemeinderat des Öfteren eine Herausforderung.“ Nichtsdestotrotz stelle der vorzeitige Rückzug aus familiären und beruflichen Gründen aus dem Gremium einen Verlust dar. „Denn, auch wenn wir manchmal gegensätzlicher Auffassung waren, hatten wir doch immer ein gutes Miteinander.“ Beiden Stadträten überreichte Züfle als Anerkennung die kleine goldene Gedenkmünze der Stadt.

Karl Mohring, Erster stellvertreten­der Bürgermeister, fiel es schwer, die beiden „Kapazitäten“ ziehen zu lassen. Sindlinger sei stets ein verlässlicher Partner gewesen, der seine Argumente durch nachdenkenswerte Bemerkungen unterstrichen habe. Mit Hans Burkhardt wiederum, seinem direkten Sitznachbarn im Rund, habe er gemeinsam Lösungen gesucht und Wege gefunden. „Große Fensterreden sind dagegen nicht dein Markenzeichen“, sagte er zu seinem Freund und FWV-Kollegen.

Als Vertreter der UWV verabschiedete Rainer Bauer die beiden Räte mit gewohnt launigen Worten: „Die beiden treten freiwillig zurück – ohne eine Doktorarbeit gefälscht zu haben“ –, unterstrich er augenzwinkernd. Sindlinger habe viele Ideen in das Gremium eingebracht. Mit Burkhardt verbinde ihn der gemeinsame Einzug ins Ratsgremium 1994. Jetzt resümierte er: „Es war eine gute Zeit, die wir miteinander hatten.“

Burkhardt selbst erklärte, er habe sich die Entscheidung, aus dem Gemeinderat auszuscheiden, nicht leicht gemacht. Wichtig sei ihm immer der kurze Draht zu den Bürgern und der Verwaltung gewesen. In diesem Zusammenhang erwähnte er lobend die von Züfle angebotenen „Halbzeitgespräche“ mit den Fraktionen. Sindlinger betonte die Unabhängigkeit eines Stadtrats: „Die größte Herausforderung ist, sich selbst und seiner Linie treu zu bleiben, egal, was draußen passiert.“

Im Anschluss verpflichtete Züfle die Nachrücker Wolfgang Rehm (UWV) und Manfred Herrmann (FWV). Sie übernehmen in den Ausschüssen die Posten ihrer Vorgänger.