Lokales
Staat blickt hinter die Kulissen

In der zweiten Maiwoche beginnt in Deutschland die Volkszählung. Auch in Kirchheim müssen 4 700 Bürger Fragen zu Alter, Wohnsitz, Bildungsabschluss und Wohnungsnutzung beantworten. Drücken gilt nicht: Wer angeschrieben wird, ist zur Auskunft verpflichtet.

Kirchheim. „Zensus 2011 – Terminankündigung“ steht auf dem Kärtchen, das 4 700 Kirchheimer Bürger ab Montag in Händen halten werden. Wer die Postkarte im Briefkasten findet, ist über ein Zufallsverfahren ausgewählt worden und muss im Rahmen der Volkszählung irgendwann zwischen Mai und Ende Juli einen Fragebogen ausfüllen – ob er das will oder nicht.
Technisch funktioniert es so: Die ausgewählten Bürger werden ab kommendem Montag per Postkarte informiert, dass sie interviewt werden und zur Auskunft verpflichtet sind. Auf der Karte steht außerdem, wann der Interviewer vorbeikommt.Wer an dem vorgeschlagenen Termin keine Zeit hat, kann telefonisch einen neuen vereinbaren. Das Zensusinterview  soll zwischen zehn und 30 Minuten dauern.
Allerdings muss man den Interviewer nicht in seine Wohnung lassen. Wer ein persönliches Interview ablehnt, kann den Fragebogen selbst ausfüllen und innerhalb von 14 Tagen  an die Erhebungsstelle der Stadt, die im Rathaus untergebracht ist, zurücksenden. Um das Treffen mit dem Interviewer kommt man trotzdem nicht herum: Wer angeschrieben wird, muss zum vereinbarten Termin zu Hause sein, um den Fragebogen persönlich entgegenzunehmen. „Das  muss sein, weil der Interviewer die Existenz der Person feststellt“, erklärt Tina-Carolin Scheu, Leiterin der Erhebungsstelle Kirchheim.
Auch wer die Fragen online beantworten will, muss sich die Fragebögen überreichen lassen. Denn darauf ist der Aktivierungscode aufgedruckt. Wer zum vereinbarten Termin nicht angetroffen wird, bekommt erst mehrere Mahnungen und wird anschließend so lange mit Zwangsgeldern belegt, bis er bereit ist, Auskunft zu geben.
Die Interviewer sind Ehrenamtliche, die die Stadt Kirchheim in einem Bewerbungsverfahren ausgewählt hat. „Viele sind uns schon bekannt, weil sie sich als Wahlhelfer engagiert haben oder Bekannte von Mitarbeitern sind“, sagt Tina-Carolin Scheu. Jeder Interviewer habe einen Lebenslauf abgegeben und sei verpflichtet worden, die Daten geheimzuhalten und nicht für eigene Zwecke zu verwenden.
Gefragt wird nach Alter, Wohnsitz, Geschlecht, Staatsangehörigkeit, Religion, Familienstand, Wohnsituation, Berufstätigkeit, Schulbildung und so weiter. Nur die Angabe zum  Glaubensbekenntnis ist freiwillig. Nicht gefragt wird beispielsweise nach dem Einkommen oder der Höhe der Miete.
Nach Angaben der Stadt Kirchheim verfolgt der Zensus im Wesentlichen zwei Ziele. Zum einen gehe es darum, die amtliche Einwohnerzahl Deutschlands und der einzelnen Kommunen zu erfassen. Die amtliche Einwohnerzahl ist unter anderem Berechnungsgrundlage für den Länderfinanzausgleich, den kommunalen Finanzausgleich oder die Stimmverteilung der Länder im Bundesrat. Außerdem soll auf Grundlage der Daten besser ermittelt werden, wo Schulen, Kindergärten und Seniorenheime gebraucht werden.
Unabhängig von den 4 700 ausgewählten Kirchheimer Bürgern erhalten alle Gebäude- und Wohnungseigentümer direkt vom Statistischen Landesamt einen Fragbogen, der innerhalb von zwei Wochen zurückgeschickt werden muss. In Wohnheimen und Gemeinschaftsunterkünften müssen alle Bewohner einen Fragebogen ausfüllen, der allerdings nur elf Fragen enthält. Wer dazu nicht in der Lage ist, weil er zum Beispiel schwer krank, dement oder der deutschen Sprache nicht mächtig ist, kann den Fragebogen von der Heimleitung ausfüllen lassen.
Während die Großen Kreisstädte die Volksbefragung selbst koordinieren, ist das Esslinger Landratsamt für die Organisation des Zensus in allen Kommunen des Landkreises zuständig, die weniger als 30 000 Einwohner haben. Die Spielregeln sind jedoch  dieselben: Die Karten mit den Terminen werden ab dem kommenden Montag verschickt. Die Befragungen finden  zwischen Anfang Mai und Ende Juli statt. Es besteht Auskunftspflicht.

Info

Die Erhebungsstelle der Stadt Kirchheim ist unter der Telefonnummer 07021/502-431 zu erreichen. Sie befindet sich im Rathaus, Zimmer 10. Öffnungszeiten sind montags und mittwochs von 8 bis 12 Uhr und donnerstags von 14 bis 18 Uhr.