Kirchheim. Wohnungssuchende und Bauwillige blicken seit Langem sehnsüchtig auf das zentral gelegene Gelände, auf dem einst Kirchheims erster großer Supermarkt stand, das EZA. Auf 3,5 Hektar sollen dort etwa 250 Wohnungen entstehen nebst Kleingewerbe, all das in nicht zu enger Bebauung unweit von Innenstadt und Bahnhof. Wohnen und Arbeiten soll hier möglich sein, durchsetzt von öffentlichen Flächen.
Ein entsprechender Entwurf des Kirchheimer Architekturbüros KLE wurde euphorisch gefeiert. Ebenso begeistert waren die Stadtverantwortlichen seinerzeit von der Zusammenarbeit mit dem Besitzer, der Firma Nanz. In einer gemeinsamen Lenkungsgruppe, in der Vertreter von Stadt, Gemeinderat und der Firma Nanz zusammensaßen, hatte man damaligen Aussagen zufolge den gemeinsamen Anspruch gehabt, differenzierte Architektur auf hohem Niveau anzubieten. „Wir verfolgen heute genau den Weg weiter, den wir damals gemeinsam eingeschlagen haben“, führte Stadtplaner Gernot Pohl jetzt aus.
Doch weit ist man auf diesem gemeinsamen Weg nicht gekommen: Die Stadt fühlt sich wohl von der Firma ein wenig ausgebremst. Pohl sprach in der Gemeinderatssitzung von „laufenden Verhandlungen“. Man habe Nanz „eine Reihe von Angeboten“ unterbreitet. Bekannt ist, dass sich die Geister am Preis scheiden. Den Quadratmeterpreis will die Stadt in Zukunft für Bauwillige nicht ins Uferlose steigen lassen. Bekanntlich wächst allerdings der Druck der Wohnungssuchenden und parallel dazu steigt der Quadratmeterpreis in Kirchheim.
Außerdem gibt es vielfache Gerüchte über andere Interessenten. Manche wären wohl mehr zu zahlen bereit, würden aber eben auch ein anderes Konzept verwirklichen wollen. Ein bekannter Interessent ist der Kirchheimer Architekt Dr. Eugen Schweizer, der eigene Pläne entwickelt hat und derzeit um Unterstützung wirbt.
„Wir sehen es als erforderlich an, das Vorkaufsrecht auszuüben, um die städtebauliche Entwicklung in der angestrebten Qualität durchzuziehen“, fasst Stadtplaner Pohl den aktuellen Stand zusammen. Er verweist auf Beispiele rundum, etwa den Güterbahnhof der Stadt Nürtingen, bei denen Großinvestoren städtische Pläne durchkreuzten. „Es darf nicht passieren, dass uns jemand das Steingau-Areal wegschnappt“, pocht Pohl auf das stimmige Konzept, für das innenstadtnahe Filetstück. Natürlich hat die Stadt Planungshoheit über das Gelände. Das Vorkaufsrecht soll ihr nun aber noch eine bessere Position sichern. „Damit erzwingen wir keinesfalls, dass wir selbst Eigentümer werden“, stellt Pohl klar. Die Stadt könne auch zurücktreten.
Architekt Karl-Albrecht Einselen, dessen Büro vor drei Jahren den Siegerentwurf für das Areal geliefert hatte, hofft auf jeden Fall auf eine schnelle Realisierung des Bauvorhabens: „Das Konzept ist ausgesprochen gut und würde ein weiteres Highlight für Kirchheim bedeuten.“ Deswegen sei eine Verwässerung der Grundidee nicht sinnvoll, er kann sich lediglich hier und da Korrekturen vorstellen, denn: „Veränderungen wird es immer geben, das gehört zum Leben.“ Die Zahl der Interessenten, die bei ihm nachhaken, sei groß, Einselen spricht gar von „Aufbruchstimmung“. Da es sich nicht um ein typisches Investorenmodell handle, sei auch eine Umsetzung im Rahmen einer Gemeinschaft möglich. Wichtig ist nun aber zunächst der erste Schritt, der Verkauf. Denn im Siegerbüro weiß man, dass auch schon so manch großer Wurf in der Schublade in Vergessenheit geriet.
„Wir haben das Modell stets offen kommuniziert und geben unsere Verpflichtungen eins zu eins weiter“, kommentierte Andreas Kalkbrenner von der Paul Nanz GmbH gestern am Telefon die Aktivitäten seines Unternehmens. Der Antrag auf Abbruch der alten Bauwerke sei bereits eingereicht, mit einem bevorzugten Bieter würden nähere Gespräche geführt. Natürlich sei nichts in Stein gemeißelt, der Entwurf könne weiterentwickelt werden.
Mit großer Mehrheit befürwortete das Ratsgremium bei fünf Gegenstimmen und zwei Enthaltungen diskussionslos die Ausübung des Vorkaufsrechts.