Kirchheim

60 Hände und ein Spielplatz

Rund 30 Jugendliche renovieren die Spielgeräte des Übergangswohnheims in der Charlottenstraße

Schon mehrmals gab es bei der katholischen Jugend eine bundesweite 72-Stunden-Aktion. Nun hat das Kommunikationszentrum für interkulturelle ­Zusammenarbeit (KiZ) erstmals einen lokalen Ableger organisiert, eine „24-Stunden-Aktion“ auf dem Spielplatz des Übergangswohnheims in der ­Kirchheimer Charlottenstraße.

24-Stunden-Aktion des KiZ (Kommunikationszentrum für interkulturelle Zusammenarbeit) auf dem Spielplatz des Übergangswohnheims i
24-Stunden-Aktion des KiZ (Kommunikationszentrum für interkulturelle Zusammenarbeit) auf dem Spielplatz des Übergangswohnheims in der Charlottenstraße in Kirchheim/Teck - Probe mit dem Bandschleifer

Kirchheim. Kümmert sich denn keiner darum? Der trostlose Anblick der großen Spielfläche im Übergangswohnheim machte wirklich keine Freude, Spielgeräte waren verwittert und aus dem Boden wuchs das Unkraut. Das wollte Wolfgang Schinko, Leiter des KiZ im Bohnauhaus, nicht so lassen. In Absprache mit dem Landratsamt, das für die Unterkunft zuständig ist, organisierte er eine 24-Stunden-Aktion, deren Name eher etwas zu bescheiden war: Am Samstagmorgen um 9 Uhr legten die Jugendlichen los, Feierabend war erst kurz vor 21 Uhr, drei Stunden später als geplant. Am Sonntagmorgen ab 9 Uhr ging die Arbeit weiter, gefolgt von einem gemeinsamen Grillen. Rechtlich ganz wichtig war, dass es dennoch „nur“ um eine Renovierung ging, denn ein komplett neues Spielgerät hätte vom TÜV abgenommen werden müssen.

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Rund 30 Jugendliche machten sich am Samstag an die Arbeit, und zwar von der Pike auf. Auch das Planen, Ausmessen und Einkaufen war ihre Sache, natürlich mit Unterstützung der KiZ-Mitarbeiter. Zuerst sollte das Spielhaus neben der Schaukel nur ein neues Flachdach bekommen, doch bei 60 fleißigen Händen war Schinko zuversichtlich: Sie müssten auch ein neues Spitzdach hinbekommen. Der Abriss des alten, maroden Daches ging schnell, auch der Neubau klappte gut, am Schluss wurde das neue Dach mit Dachpappe bedeckt und bekam sogar eine Tropfkante aus Metall. Der große Unterstand bekam neue Seitenwände. Geduldig schliffen die Jugendlichen das Klettergerüst, dann wurde es bunt angestrichen. Die Jugendlichen reinigten den Sand im Sandkasten und entfernten das Unkraut.

Nach der morgendlichen Einweisung waren die ersten Versuche mit dem Bandschleifer noch etwas zaghaft und überhaupt, wo ist die Schutzausrüstung? Da kam sie schon, mit allem was dazugehört: Handschuhe, Brille, Gehör- und Atemschutz. „Ich kann mit der Kettensäge umgehen“, bot ein Jugendlicher an, der zu Hause in der Landwirtschaft hilft. Doch ganz so grob wurden die Arbeiten auf dem Spielplatz dann doch nicht.

Neben Jugendlichen aus dem KiZ waren Achtklässler der Raunerschule aktiv, dazu Jugendliche aus der katholischen und evangelischen Jugendarbeit und aus der Sultan Ahmet Moschee. Dort hatten bei einer vergangenen 72-Stunden-Aktion rund 60 Jugendliche den Garten neu gestaltet. Diesmal sahen Flüchtlinge aus den Wohnheimfenstern die Arbeiten und halfen dann spontan mit. Schüler der Freihof-Realschule wollen nachträglich in der Kirchheimer Fußgängerzone eine Spendensammelaktion durchführen, schließlich wurde für mehr als 800 Euro Baumaterial verbraucht. Die Jugendlichen haben sehr überlegt eingekauft. „Da bleibt kein Holz übrig“, stellte Schinko am Sonntagmorgen zufrieden fest. Das Logo für die Aktion hat übrigens der grafisch begabte Achtklässler Suli am PC entworfen.

Auch einige Erwachsene fanden die 24-Stunden-Aktion so richtig gut: Sanitär Zimmermann aus Wendlingen stellte deshalb einen Transporter zu Verfügung und bog Bleche, das Früchtehaus Reicherter stiftete die Zutaten für das Mittagessen, das die Jugendlichen selbst kochten, Holzbau Goll und der toom-Baumarkt gaben den Jugendlichen Rabatt.

Bei der Renovierung der Spielgeräte vor dem Übergangswohnheim, packen 30 Jugendliche tatkräftig mit an.Fotos: Peter Dietrich
Bei der Renovierung der Spielgeräte vor dem Übergangswohnheim, packen 30 Jugendliche tatkräftig mit an.Fotos: Peter Dietrich
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