Kirchheim

Ab und zu meldet sich die Zukunft per „Flaschenpost“

Austausch Unter dem Motto „Ich mach mit“ haben sich engagierte Kirchheimer beim Zukunftsdialog gegenseitig ihre vielfältigen Projekte vorgestellt. Von Andreas Volz

Podiumsgespräch beim Zukunftsdialog - mit Moderatorin und sieben ehrenamtlich engagierten Kirchheimern. Foto: Carsten Riedl
Podiumsgespräch beim Zukunftsdialog - mit Moderatorin und sieben ehrenamtlich engagierten Kirchheimern. Foto: Carsten Riedl

Für einen „Zukunftsdialog“ war in der Kirchheimer Stadthalle überraschend oft von der Vergangenheit die Rede: Moderatorin Reingard Gschaider ging ins Jahr 1492 zurück und erinnerte an die Ausfahrt des Kolumbus. Über Monate hinweg habe man nichts mehr von seiner kleinen Flotte gehört und sie vielleicht schon fast vergessen. So ähnlich sei das beim Zukunftsdialog: Immer wieder gerate er für längere Zeit aus dem Blick der Öffentlichkeit. Deswegen brauche es jedes Jahr diese Abende im November - als eine Art „Flaschenpost“ von der Santa Maria.

Nicht ganz so weit zurück ging Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker: Sie erinnerte daran, dass 2013 der Kirchheimer Zukunftsdialog geschaffen wurde, in Zusammenarbeit mit City Ring, „frauen unternehmen“ und BDS. Damals wurde vorausgesagt, dass es zehn Jahre später Roboter geben werde, die im Haushalt helfen, dass es Computer geben werde, die E-Mails automatisch beantworten, oder dass Elektrofahrzeuge zum Straßenbild gehören.

Jetzt, nach sechs Jahren, konstatierte Angelika Matt-Heidecker: „Vieles ist bereits Realität oder wird in Bälde umgesetzt.“ Neben allgemeinen Entwicklungen erwähnte sie aber auch Kirchheimer Zukunftsthemen, allen voran das Hallenbad: „Der Vertrag mit Dettingen läuft 2030 aus. Bis zu diesem Zeitpunkt wollen wir in unserer Stadt ein eigenes Hallenbad haben - auch wenn klar ist, dass ein solches Bad immer ein Zuschussgeschäft bleiben wird.“

Was der Zukunftsdialog seit 2013 sonst so alles bewirkt hat, zeigten die vielfältigen Projekte, die auf dem Podium oder beim Markt der Möglichkeiten vorgestellt wurden. Sie belegen, wie breit das bürgerschaftliche Engagement - um das es bei diesem Forum letztlich geht - aufgestellt ist.

Bettina Schmauder berichtete von der Job-Börse für Migranten, die großen Anklang gefunden habe. Allerdings würden sich die Organisatoren der Job-Börse noch über mehr potenzielle Arbeitgeber freuen. Von der Arbeit der Nachbarschaftsnetzwerke erzählte Günther Gölz, speziell aus Nabern: „Wir bieten Hilfe für ältere Menschen an. Wir organisieren Fahrdienste oder übernehmen kleinere Reparaturen. Unsere Handykurse sind immer ausgebucht.“

Fabian Bischoff, Selin Furat und Timon Öhrlich berichteten von ihrem Engagement als Jugendguides beim „Pfad der Demokratie“. Sie sprachen also von der Vergangenheit - von Kirchheim in den Jahren 1918 und 1919: „Wir konnten da in eine ganz andere Welt eintauchen.“ Fasziniert waren die Jugendlichen, wie Politik und Meinungsaustausch in einer Welt ohne elektronische Medien funk­tionierten. Geschichte sei wichtig, betonten die jungen Leute: „Nur so können wir mehr über die Standpunkte von damals erfahren - und damit auch über die von heute.“

Die Upcycling-Nähwerkstatt in der Jesinger Schule stellte Michaela Zeaiter vor - einschließlich dem Problem, dass sie bis Ende 2020 neue Räumlichkeiten braucht. Tilmann Walther sprach über die Veranstaltungsreihe „Was Männer bewegt“. Die gute Resonanz sei wohl auch auf deren Ansatz zurückzuführen, unter anderem mit dem Zukunftsversprechen „Das Beste kommt noch“.

In der Schlussrunde zeigte sich eine Neu-Kirchheimerin mit US-amerikanischem Pass begeistert vom Zukunftsdialog: „Ich darf zwar nicht wählen. Aber hier kann ich mich trotzdem einbringen.“

Auch Oberbürgermeister-Kandidat Dr. Pascal Bader kam zu Wort. Er war ebenfalls beeindruckt vom Zukunftsdialog: „Das sind lauter tolle Projekte. Gut gefällt mir auch, dass dargestellt wird, wie die Ergebnisse aus dem Dialog schon umgesetzt werden in der Verwaltung.“

Was in Kirchheim rund läuft

Nadine Blüse vom Mehrgenerationenhaus Linde stellte abschließend ein besonderes Jugendprojekt vor - den Bikepark, den die Stadt Kirchheim gemeinsam mit der Linde und mit den jugendlichen Nutzern erneuert hat. Der Erfolg spricht für sich: „In den ersten drei Wochen sind schon fast 100 000 Runden gefahren worden.“

Die Veranstalter des Zukunftsdialogs sind zuversichtlich, dass auch weiterhin alles möglichst rund läuft. Nicht zuletzt bezeugte die Moderatorin am Ende begeistert: „Sie erschaffen hier Schritt für Schritt die Zukunft, die Sie sich für Kirchheim wünschen.“

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