Kirchheim

Abgezockt, aber nichts dafür geliefert

Prozess Ein Vermieter von Luxus-Schlitten kassierte kräftig Anzahlungen seiner Kunden, ohne jemals ein Auto auszuhändigen.

Symbolbild

Kirchheim. Im Betrugsprozess vor dem Stuttgarter Landgericht gegen den 46-jährigen Inhaber eines ehemaligen Autovermietungs-Unternehmens mit Sitz in Kirchheim und Esslingen sind am gestrigen Verhandlungstag vor der Wirtschaftsstrafkammer erste Details der angeblich angerichteten Betrugsschäden bekannt geworden. Dabei geht es um Fahrzeugkunden, die Neufahrzeuge mit hohen Summen angezahlt, aber die Fahrzeuge nie bekommen haben.

Betrug und Bankrott lautet die Anklage der Großen Strafkammer. Den Betrugsschaden beziffert der Staatsanwalt auf 1,1 Millionen Euro, hauptsächlich aus der Sparte Fahrzeug-Leasing. Hier soll der Angeklagte jahrelang Luxusfahrzeuge mit einem ganz besonders lukrativen Miet-Angebot angeboten, sie aber nach Einnahme der Gelder nicht geliefert haben. Zusammen mit anderen Firmen wie „Autogünstig24“ und „ag24rentacar“, die ihren Sitz in Frankfurt am Main und in Esslingen hatten, seien die Leasing-Nehmer betrogen worden.

Kein Vertrag wurde erfüllt

Die gestern veröffentliche Schadensliste beinhaltet vorläufig sechs Opfer im Zeitraum vom 30. Juni bis zum 4. August des Jahres 2017. Ein Geschädigter zahlte 50 000 Euro, eine Geschädigte 28 000 Euro an den Angeklagten, aber: Das versprochene Fahrzeug wurde nicht geliefert, heißt es lapidar in der Liste. Vier weitere Vertragspartner warten ebenfalls bis heute auf ihre georderten Fahrzeuge, beziehungsweise auf die Rückerstattung ihrer einbezahlten insgesamt 215 000 Euro. Nach ersten Strafanzeigen von den Geschädigten, die sich Mitte März dieses Jahres gemeldet hatten, wurde der Angeklagte im April in seinem Esslinger Büro festgenommen. Viele der Betrogenen hätten allerdings den entstandenen Schaden als Verlust abgeschrieben, sagte gestern ein Polizei-Ermittler aus.

Aufgetaucht ist unterdessen jedoch ein Sammelbrief des Angeklagten an seine Kundschaft. In diesem setzte er sie in Kenntnis, dass er sie auf gar keinen Fall ihrem Schicksal überlassen werde und die Rückforderungen gedeckt seien - in vier Wochen würden sie ihre Fahrzeuge bekommen. Aber auch das ist offensichtlich nicht geschehen. Ein Ermittler sagte im Zeugenstand aus: „Ich weiß von keinem seiner Verträge, der erfüllt worden ist“.

Bei dem Angeklagten konnte die Polizei hingegen einen Porsche Cayenne im Wert von 132 000 Euro sicherstellen. Einige der über 100 Fälle, die dem Angeklagten zur Last gelegt werden, wollen die Stuttgarter Richter jedoch einstellen, da die Schadenssumme nicht besonders hoch sei. Der Prozess wird am 3. Dezember fortgesetzt. Bernd Winckler

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