Kirchheim

Abschied vom Lindorfer Rathaus

Kommunalpolitik Nach zehn Jahren als Ortsvorsteher hat sich Stefan Würtele nicht mehr zur Wahl gestellt. Alexander Forkl ist sein Nachfolger. Von Andreas Volz

Stefan Würtele sitzt künftig mehr auf dem Fahrrad - und weniger im Lindorfer Rathaus.Foto: Markus Brändli
Stefan Würtele sitzt künftig mehr auf dem Fahrrad - und weniger im Lindorfer Rathaus. Foto: Markus Brändli

Er war kein „Lautsprecher“, aber was er sagte, hatte trotzdem stets Gewicht - in Lindorf wie auch im Kirchheimer Gemeinderat. Dort wurde Stefan Würtele nun nach zehn Jahren als Ortsvorsteher des kleinsten Kirchheimer Teilorts verabschiedet. Zur Kommunalwahl Ende Mai war er nicht mehr angetreten.

15 Jahre lang saß Stefan Würtele im Lindorfer Ortschaftsrat, von 2004 bis 2019. Zu Beginn seiner zweiten Wahlperiode, 2009, wählte ihn das Gremium zum ehrenamtlichen Ortsvorsteher - als Nachfolger von Manfred Haack. Nach zehn Jahren, in denen er sich als Bindeglied zwischen Gesamtstadt und Teilort eingebracht hat, ist mit dieser zeitraubenden Tätigkeit Schluss. Stefan Würtele tritt kommunalpolitisch kürzer.

Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker würdigte den scheidenden Ortsvorsteher bei der Verabschiedung im Gemeinderat: „Es war immer spürbar, wie ihm die dörfliche Gemeinschaft wichtig war und ist.“ So habe er das Lindorfer Dorffest ins Leben gerufen, das 2013 seine erste Auflage erlebte und das seither alle zwei Jahre zum festen Bestandteil des Lindorfer Festkalenders gehört: „Am 22. September geht es in die vierte Runde.“ Das Fest, das Stefan Würtele initiiert hat, sei „eine identitätsstiftende Veranstaltung“.

Auch schwierige Zeiten wollte die Oberbürgermeisterin nicht verschweigen: „Als wir die Pläne zur Anschluss- und Obdachlosenunterbringung in Lindorf vorstellten, waren wir beide froh, dass wir uns gegenseitig hatten.“ Es habe starke Widerstände gegeben - nicht nur gegen das Projekt, sondern auch gegen die Person des Ortsvorstehers. Angelika Matt-Heidecker fand hier klare Worte: „So darf Politik nicht sein, dass jemand persönlich angefeindet wird. Das ist keine Form der politischen Auseinandersetzung.“

Grundsätzlich habe sich Stefan Würtele in seiner Zeit als Mitglied des Ortschaftsrats und als Ortsvorsteher mit Leib und Seele für Lindorf eingesetzt - nicht nur für die Belange von Umwelt- und Naturschutz oder der Landwirtschaft. Wichtige Themen waren auch die neue Lindorfer Ortsmitte, die zur Steigerung der Einwohnerzahlen beigetragen habe. Zudem habe er die Zahl der Steinkäuze in Lindorf erhöht - von vier auf zehn - und Schwalbennester am Rathaus angebracht. Finanziert habe er das aus dem Gestaltungsbudget des Ortsvorstehers.

Abschließend zitierte die Oberbürgermeisterin den Lindorfer Liederkranz, der den Ortsvorsteher mit einem Lied verabschiedet hatte, das eigens für ihn verfasst worden war. Dass das „Würtele-Jahrzehnt“ zu Ende ist, wird in dem Lied zutiefst bedauert, denn der entsprechenden Aussage geht ein mehrfacher Klageruf voraus: „Ach Stefan!“ Der ganze Ort habe sich doch so an ihn gewöhnt.

Stefan Würtele selbst blieb sich auch beim Abschied treu: So wie er in zehn Haushaltsdebatten stets kurze und prägnante Reden mit bescheidenen und maßvollen Forderungen gehalten hatte, gab es nun - letztmals im Gemeinderat - auch nur eine kurze Dankesrede: Er würdigte Stadtverwaltung und Gemeinderat vor allem dafür, dass er „die beste Unterstützung“ erhalten hat, „die man sich als ehrenamtlicher Ortsvorsteher wünschen kann“. Dem Gremium dankte er dafür, dass es noch kurz vor seinem Abschied die Geldmittel für den Kindergartenausbau zur Verfügung gestellt hat. Sein abschließender Dank galt dem Ortschaftsrat und der Familie.

Künftig wird eine andere Familie öfters auf eines ihrer Mitglieder verzichten müssen: die Familie von Dr. Alexander Forkl. Als Nachfolger von Stefan Würtele ist er der dritte ehrenamtliche Ortsvorsteher in der Geschichte Lindorfs.

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