Kirchheim

Abwechslungsreicher Tanztee in der Bastion

Konzert Günther Sigl spielte ohne seine „Spider Murphy Gang“ im Kirchheimer Club einen abenteuerlichen Musik-Mix.

Gute Laune: Günther Sigl mit Band. Foto: Günter Kahlert
Gute Laune: Günther Sigl mit Band. Foto: Günter Kahlert

Kirchheim. Was ist das denn? In der Bastion springen die Besucher von den Stühlen und tanzen. Twist - so richtig altmodisch. Das gab es in den 50 Jahren des Clubs wohl noch nie. Geschafft hat das Günther Sigl mit seiner Band, der sein Solo-Programm ganz ohne die gewohnte „Spider Murphy Gang“ spielt. Letztlich ist die Tanzaktion aber nur ein kleines Indiz für einen vergnüglichen Abend, bei dem der Entertainer die Besucher von Anfang an mitnimmt.

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Natürlich ist die „Spider Murphy Gang“, für die er als Frontmann seit 40 Jahren steht, nicht außen vor. Logisch, schließlich hat er sämtliche Titel der Band selbst geschrieben. „Da warten die Leute drauf“, meint Günther Sigl, „also haben wir den einen oder anderen Hit schon dabei.“ Natürlich gibt es „Zwoa Zigaretten“ oder die „Schickeria“, bei der sich die Besucher als textsicher erweisen und mitsingen. Günther Sigl beherrscht das „Call-Response“-Spiel - den Dialog mit dem Publikum - nahezu perfekt. Bei „Skandal im Sperrbezirk“ ist das Mitsingen sowieso obligatorisch. Damit war die „Spider Murphy“-Abteilung aber im Wesentlichen auch durch. Der größte Teil bietet Stücke, die Sigl unabhängig von der Erfolgsband geschrieben hat. Das sind viele von der bislang einzigen CD „Habe die Ehre“ aus dem Jahr 2010. Und da geht es querbeet durch die musikalischen Stile: Rock‘n‘Roll, Country, Blues, Schlager und Rock. Er besingt in „Bella Italia“ seinen Münchner Lieblingsitaliener im Swing-Stil, während es bei „Tiramisu“ süßlich in die Country-Ecke geht. Als er noch einen seiner Lieblingsplätze, den „Flauchersteg“ an der Isar, im Rumba-Rhythmus erwähnt, ist die Assoziation mit den Tanztees der 50er- und 60er-Jahre perfekt. „Wir machen halt, was uns Spaß macht“, erklärt Sigl die ungewöhnliche Mischung, „und ein bisserl was anderes als die ,Spiders‘ soll es ja schon sein.“

Jedenfalls ist es eine abenteuerliche Gratwanderung zwischen musikalischen Stilen. Und es ist das, was er als Jugendlicher an Musik aufgesogen hat. Entsprechend erzählt er auch immer Geschichten zu den Liedern, Geschichten von sich selbst, von seinem Vater, von Tante Gisela und vielem mehr. Obwohl Günther Sigl auch schon vor über 20 000 Menschen aufgetreten ist, schätzt er Auftritte wie in der Bastion. „Das ist einfach schön“, kommt er ins Schwärmen, „es ist herrlich, wenn alles so eng ist, wenn die Leute direkt vor dir stehen.“ Da ist natürlich ein Stück Nostalgie dabei. „Ich habe ja in München in so kleinen Klubs angefangen“, erinnert sich der Musiker.

Seit Kurzem ist Günther Sigl sogar offiziell „bayerisches Kulturgut“. Am 9. November wurde ihm der „Bayerische Kulturpreis“ verliehen für „herausragendes künstlerisches Wirken“. Darauf ist der ansonsten so coole Günther richtig stolz. Was kommt als Nächstes? Ein Denkmal? Er lacht, „ja vielleicht bin ich irgendwann mal auf dem Viktualienmarkt als Brunnenfigur zu sehen“. Günter Kahlert