Lokale Wirtschaft

Ägyptische Lehrer lernen Lehre kennen

Vier Wochen sind sie Gäste in drei Unternehmen und einer Berufsschule – Projekt der IG Metall in Luxor

Drei Berufsschullehrer aus Ägypten sind vier Wochen lang im Kreis Esslingen, um zu lernen. Sie erhalten bei den Firmen Metabo in Nürtingen, Index in Esslingen und Belden in Neckartenzlingen sowie in einer Berufsschule in Kirchheim Einblicke in die praktische Seite der dualen Berufsausbildung. Ab September sollen sie dann in einem Kooperationsprojekt der IG Metall Esslingen in Toth bei Luxor Jugendliche zu guten Handwerkern ausbilden.

Stefan Wisniewski erläutert Ahmed Abouelhamd Hassan, Taie Mohamed Maghraby und Eltairy Abdelaziz Abdelrehim (von links) die prak
Stefan Wisniewski erläutert Ahmed Abouelhamd Hassan, Taie Mohamed Maghraby und Eltairy Abdelaziz Abdelrehim (von links) die praktische Seite der Berufsausbildung.Foto: Gesa von Leesen

Kreis Esslingen. Das Projekt hat der frühere Erste Bevollmächtigte der IG Metall Esslingen, Sieghard Bender, der kürzlich verstorben ist, initiiert und aufgebaut. Auf seinen Ägyptenreisen hatte er die mangelhaften Installationen im Elektro- und Sanitärbereich gesehen. Wegen herabhängender oder mangelhaft verlegter Stromleitungen sterben immer wieder Menschen, vor allem Kinder. Deshalb wollte Bender in einem Kooperationsprojekt eine duale Berufsausbildung nach deutschem Vorbild aufbauen. Er schloss Kooperationsverträge mit dem ägyptischen Bildungsministerium und dem Gouverneur von Luxor, und er gewann die Unterstützung mehrerer Unternehmen im Kreis Esslingen.

Anzeige

Speziell für das Projekt wurde vor einigen Tagen der Verein Luxor Ausbildung gegründet, berichtete Ulrich Büttner, Betriebsratsvorsitzender bei Metabo. Taie Mohamed Maghraby, Eltairy Abdelaziz Abdelrehim und Ahmed Abouelhamd Hassan bekamen zu Beginn des Jahres an der deutschen Schule in Luxor zwar „eine Schnellbleiche in Deutsch“, wie es Büttner formulierte. Aber ihre Sprachkenntnisse reichen noch nicht für ihre Bildungsreise.

Ihr Dolmetscher Mamdouh Said aus Plochingen sagte, den drei Lehrern sei es sehr wichtig, dass das Projekt zustande komme. Deshalb wollten sie in den vier Wochen so viel wie möglich lernen. Über ein gutes theoretisches Wissen verfügen sie, sagte Büttner. „Die Grundlagen der Elektrotechnik im Praktischen“ sollen sie in dieser Woche nun in der Ausbildungswerkstatt von Metabo vermittelt bekommen.

Metabo-Geschäftsführer Horst Garbrecht verwies darauf, dass sein Unternehmen eine Exportquote von 80 Prozent habe. Daher sei es ein Anliegen, in anderen Ländern gute Fachkräfte zu haben, die mit Werkzeug umgehen können und die zudem gute von weniger guten Maschinen unterscheiden können. Metabo beteilige sich gerne an der „Ausbildung von Ausbildern“. Durch das Engagement von Sieghard Bender habe er die Chance gesehen, Akzente zu setzen, „die auch wirksam bleiben“. Er kann sich vorstellen, dass Ausbilder von Metabo auch in Ägypten Kurse geben. Die Ausbildungswerkstatt in Toth muss noch weiter mit Maschinen und Geräten aus Deutschland ausgestattet werden, sagte Max Czipf, Sekretär für Jugend und Ausbildung, der bei der IG Metall die Kooperation betreut. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) fördert das Projekt bisher nicht. Aber der CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Hennrich und Geschäftsführer Garbrecht wollen sich für eine Förderung einsetzen. Ein wichtiges Ziel sei es, in Ägypten eine Wertschöpfungskette zum Nutzen der lokalen Bevölkerung aufzubauen, erklärte Czipf.