Kirchheim

Alle müssten mehr Klopapier als genug haben

Abwasser Das Gruppenklärwerk Wendlingen hat derzeit nicht unter Auswirkungen der Coronakrise zu leiden, denn Klos verstopfen schneller als der Kanal. Von Andreas Volz

Wer den Abfluss statt mit herkömmlichem Klopapier mit Küchentüchern, Papiertaschentüchern oder feuchten Reinigungstüchern belast
Wer den Abfluss statt mit herkömmlichem Klopapier mit Küchentüchern, Papiertaschentüchern oder feuchten Reinigungstüchern belastet, bekommt selbst das größte Problem. Foto: Markus Brändli

Wenn sich das Leben überwiegend zuhause abspielt, dürfte vor allem das Bad einen größeren Stellenwert einnehmen als bisher: Zumindest müssten die Appelle zum regelmäßigen und besonders gründlichen Händewaschen inzwischen so ziemlich bei jedem angekommen sein.

Mögliche Befürchtungen, dass deswegen das Abwasser mit Resten von Desinfektionsmitteln durchsetzt sein könnte, zerstreut Rainer Hauff, der Geschäftsführer des Gruppenklärwerks Wendlingen, allerdings umgehend: „In der Menge, in der es die Leute kriegen und in der sie es verwenden können, sehe ich das nicht als Problem.“ Schwierig wäre es erst dann, wenn ein industrieller Großbetrieb regelmäßig Desinfektionsmittel in rauen Mengen ins Abwasser kippen würde.

Trotzdem will Rainer Hauff nicht zum übertriebenen Griff nach dem Desinfektionsfläschchen raten: „Das Mittel soll die Bio­logie auf der Haut zerstören. Das macht es dann aber auch im Kanal.“ Der Unterschied: Die Bio­logie auf der Haut soll als schädlich bekämpft werden. Die Biologie im Kanal dagegen ist nützlich und erwünscht, weil sie Zersetzungsprozesse beschleunigt.

Zersetzung ist das Stichwort für ein Thema, das wie kaum ein anderes die Coronakrise beherrscht: Klopapier. Auch in diesem Fall gibt Rainer Hauff Entwarnung, was das Gruppenklärwerk betrifft: „Dadurch, dass die Leute Klopapier horten, haben eigentlich alle mehr als genug davon zuhause.“ Deswegen lande auch in der Kanalisation überwiegend das ganz normale Klopapier - wie eh und je.

Küchenrollen oder Papiertaschentücher als Ersatz? „Wer das verwendet, hat vor allem selbst ein Problem“, sagt Rainer Hauff und erklärt: „Zuhause hat die Leitung den kleinsten Durchmesser. Wenn es also zu Verstopfungen kommt, dann beginnt das im eigenen Rohr.“ Andere Papiertücher sind reißfester als Klopapier und sorgen deswegen auch schneller für einen verstopften Abfluss.

Kartoffelsalat ist nichts fürs Klo

Noch schlimmer seien feuchte Toilettentücher, meint Rainer Hauff. Diese würden nur noch von Feuchtpflegetüchern für Babys übertroffen. Da besteht sogar die Gefahr, dass außer den Rohren auch die Kanäle verstopfen. Das alles gehört also nicht über die Toi­lette, sondern über den Hausmüll entsorgt - auch im eigenen Interesse. Unabhängig von der aktuellen Pandemie sei auch in normalen Zeiten nichts in eine Toilette zu werfen, was da nicht reingehört: „Im Klo hat auch kein verdorbener Kartoffelsalat etwas zu suchen. Der gehört in Zeitungspapier und in die Biotonne.“

Für die Mitarbeiter des Gruppenklärwerks ändere sich durch Corona zunächst einmal nichts an den Hygienevorschriften: „Die gelten bei uns schon seit 50 Jahren.“ Dazu zähle das Duschen im Betrieb. Auch die Arbeitskleidung wird am Arbeitsplatz gewaschen. Dennoch gibt es die gleichen Änderungen wie in vielen anderen Unternehmen: Homeoffice, wo es möglich ist, keine großen Versammlungen im Aufenthaltsraum sowie Arbeiten in A- und B-Teams.

Die Stadtwerke Kirchheim in Zeiten des Shutdowns

Die Wasserversorgung muss in Coronazeiten auf jeden Fall gewährleistet sein. Martin Zimmert, der Geschäftsführer der Kirchheimer Stadtwerke, hat sein Team bereits unterteilt, sodass die Arbeit weitergehen kann, selbst wenn es krankheitsbedingt irgendwann zu einem größeren Ausfall von Arbeitskräften kommen sollte.

Großbaustellen fangen die Stadtwerke jetzt keine an, selbst wenn sie geplant waren. Das Team „vor Ort“ kümmert sich vorrangig um Rohrbrüche und sonstige „betriebliche Notwendigkeiten“.

Nahwärmeversorgung der Stadtwerke im Steingau-Quartier: Bis jetzt läuft die Baustelle nach Plan weiter.

Parkhäuser: Der Betrieb ist bereits auf die Zeit von 6.30 bis 19 Uhr eingeschränkt. Nach Auswertung aktueller Zahlen könnten weitere Reduzierungen folgen.

Freibad: Die Saisoner­öffnung ist auf 1. Juni verschoben - ohne Garantie, dass man im Kirchheimer Freibad dann auch tatsächlich baden kann. vol

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