Lokale Kultur

„Allerlei Getier und Menschliches“Info

Ausstellungseröffnung des Kunstvereins Kirchheim in der Städtischen Galerie im Kornhaus

Kirchheim. Die Ausstellung des Kirchheimer Kunstvereins, die nicht wie sonst üblich im Herbst, sondern schon im Februar gezeigt wird, steht

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unter dem Motto „Allerlei Getier und Menschliches“. Acht Künstler präsentieren ihre Werke – das bedeutet mindestens acht unterschiedliche Perspektiven und zahlreiche kreative Ideen zu dieser Thematik. Musikalisch umrahmt wurde die Ausstellungseröffnung durch Bernhard Moosbauer (Barockvioline). Er musizierte thematisch passend von Jacob van Eyck und Ignaz Biber humorvolle Vertonungen zum Thema „Getier“.

Barbara Honecker führte die Besucher in die Schaffenswelt der einzelnen Künstler ein. Von der Verwendung konkreten „Getiers“ bei der Materialcollage „Motten“ von Jürgen Roesner bis hin zu den titellosen Werken Rosemarie Fanos, die es dem Betrachter selbst überlässt, Tierisches mit dem Bild zu assoziieren, zeigt die Ausstellung breit gefächerte Varianten. Leonie Fieberling, Schülerin von Sabine Fleischmann, ist mit 18 Jahren die jüngste im Kreis der acht Ausstellenden. Ihr Bild „Harpyie“ zieht die Aufmerksamkeit auf sich, da der abgebildete Raubvogel den Betrachter zu fixieren scheint. Sabine Fleischmann beschäftigt sich in ihren ausgestellten Werken mit dem Eingreifen des Menschen in den Lebensraum des Tieres: ein Pferd, vom Menschen durch einen Halfter gezähmt; Muschelsucher, die unbewusst den Lebensraum der Tiere zerstören; eine Dame, die einen Mantel aus Kaninchenfell trägt.

Für Gabi Finkenbeiner dagegen steht mit ihrer Serie „Körperlich“ allein der Mensch im Fokus. Körperausschnitte, ursprünglich fotogra­fisch in schwarz-weiß festgehalten, werden von ihr farblich gestaltet und in ihrer Dreidimensionalität in Szene gesetzt.

Die Werke Armin Kretschmars sind in der Ausstellung bisher nur als Entwürfe zu sehen. Diese Entwürfe zeigen entsprechend der Schöpfungsgeschichte die Schaffung der Tiere in Wasser und Luft. Beeindruckend tiefblau die Entstehung der Wassertiere, leicht und mit warmem Gelb die der Landtiere. In einer Fantasiewelt entstanden sind dagegen Wilhelm Magvas Werke „Federtier“ und „Fabeltier“. Es sind Bilder von großer farblicher Intensität und Strahlkraft, die keine Konkurrenz neben sich dulden. Dezent und klein erscheinen an der gegenüberliegenden Wand die Werke von Rosemarie Fano. Sie geht bei ihren Werken von einer reduzierten Grundform aus, die sich im kreativen Prozess auf dem Papier weiterentwickeln darf. Mit Absicht gibt sie ihren Bildern keine Titel, denn Titel würden die Fantasie des Betrachters einschränken.

Weniger abstrakt treten Tiere und Tierspuren in Jürgen Roesners Werken auf. Seine Fotos „Brezelexuvien“ zeigen das zerstörerische Werk von Brotkäfern, die sich durch Brezelreste gefressen haben. Und die Arbeit „Motten“ lässt den Betrachter seine Wahrnehmung überprüfen: Motten, Inbegriff des Grauens und Glanzlosen, erscheinen nach einer Bearbeitung mit Metallpigmenten als ästhetisch ansprechendes Kunstwerk. Ebenso wie Jürgen Roesner beschäftigt sich Anne Schäfer konkret mit Tieren. Auf einer Speisekarte mit drei Gängen zeigt sie mit Lack fixierte Fliegen, Schnecken und Schalentiere. Das fotografierte Arrangement besticht durch seine Klarheit und Transparenz.

Die Ausstellung ist noch bis Sonntag, 9. März, in der Städtischen Galerie im Kornhaus zu sehen. Am Mittwoch 26.  Februar, laden Bernhard Moosbauer und Jens Wollenschläger im Rahmen der Ausstellung um 19.30 Uhr zu einer literarisch-musikalischen Soirée ein.