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Alternative oder grüne Lüge?

Es klingt nach Rundum-sorglos-Paket: Tüten für Biomüll, der Becher für den Kaffee für unterwegs, das Einweg-Besteck oder die Verpackung fürs Gemüse - alles aus Plastik und alles kompostierbar. Hinter dem „Verbund kompostierbare Produkte“, der sich der Forschung in diesem Bereich verschrieben hat, stecken Chemie-Unternehmen wie BASF. Sogenannte Bio-Polymere dürfen zu hundert Prozent aus Erdöl bestehen.

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Wissenschaftler bezweifeln, dass hinter der wachsenden Branche mehr steckt als eine umsatzträchtige Geschäftsidee. Professor Hans Demanowski von der Hochschule für Technik in Berlin hält das Versprechen für unsinnig und fragt sich: „Woher soll ein Joghurtbecher wissen, ob er im Supermarkt im Regal steht oder auf dem Kompost liegt.“

Sein Stuttgarter Kollege Michael Herrenbauer, Professor für Verpackungstechnik an der Hochschule für Medien, fordert vom Gesetzgeber eine klarere Definition, was als biologisch abbaubar gelten darf und was nicht. „Bio-Polymere haben dort ihre Berechtigung, wo es um stoffliches Recycling geht“, sagt er. „In der Kompostierung sind sie reiner Blödsinn.“

Die DIN EN 13432 schreibt lediglich vor, dass solche Kunststoffe nach einer festgeschriebenen Zeit und in genau definierter Umgebung zu 90 Prozent abbaubar sein müssen. „Wenn sie das Zeug daheim im Garten auf den Kompost werfen“, sagt Professor Michael Herrenbauer, „dann werden auch ihre Enkel noch etwas finden.“bk