Kirchheim

An der Kasse heißt es: Lehrgeld zahlen

Einzelhandel Kommende Woche wird Marktkauf in Kirchheim offiziell zum E Center. Mit dem Umbau haben auch SB-Kassen Einzug gehalten. Ein Selbstversuch. Von Bianca Lütz-Holoch

Eigenhändig Strichcodes einscannen macht Spaß. Für einen reibungslosen Ablauf gilt es aber, einige Regeln zu beachten.Foto: Cars
Eigenhändig Strichcodes einscannen macht Spaß. Für einen reibungslosen Ablauf gilt es aber, einige Regeln zu beachten.Foto: Carsten Riedl

Selbst ist der Kunde - und zwar nicht mehr nur beim schwedischen Möbelriesen oder dem französischen Sportartikelhersteller, sondern neuerdings auch bei Marktkauf in Kirchheim. Oder besser gesagt im E-Center, wie der Name des Supermarkts ab dem 27. November offiziell lautet. Denn mit dem Umbau hat auch die Zukunft Einzug gehalten - in Form von Selbstbedienungskassen. Ganz klar: Das muss getestet werden. Rein aus Interesse an den Abläufen natürlich. Oder vielleicht auch ein bisschen, weil es schon seit Kindertagen so verlockend ist, Strichcodes selbst einzuscannen.

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Ein Hochgefühl stellt sich ein, als ich auf die Nische mit den SB-Kassen zusteuere. Während sich an den regulären Kassen schon kleine Schlangen bilden, habe ich freie Bahn: Drei der vier Terminals sind leer. An einem geht eine Mitarbeiterin einem älteren Ehepaar zur Hand. Klar. Wenn man sich mit der Technik nicht so gut auskennt, braucht man Unterstützung.

Als sie mich erblickt, ist die Mitarbeiterin zur Stelle. Sie stutzt, als ihr Blick auf meinen voll gepackten Wagen fällt, strahlt aber gleich wieder: „Versuchen Sie‘s nur“, ermutigt sie mich und erklärt mir, wie es geht: Artikel einscannen, in die Schale nebenan legen, kurz warten, dann das nächste Teil einscannen und so weiter. Rausholen darf ich die Sachen erst, wenn wirklich alles eingescannt ist. Ein Mann und eine Frau, die sich nebenan in die Kassenschlange eingereiht haben, schauen neugierig zu mir hinüber.

Na, das dürfte ja kein Hexenwerk sein. Ich starte mit der Milch, den Nudeln und den Kartoffeln. Piep, piep, piep, macht es. Flutscht doch. Toastbrot, Tee, Sellerie. Piep, piep, piep. Bei den Keksen passiert es. Nichts geht mehr. Ich soll mich ans Personal wenden, fordert mich der Bildschirm auf. Ich drücke die Hilfe-Taste auf dem Bildschirm. Eine Angestellte kommt geeilt. „Wahrscheinlich haben Sie zwei Artikel zu schnell nacheinander eingescannt“, sagt sie, hält ihre Chip-Karte vor und tippt auf den Bildschirm. Drei Artikel später ist wieder Schluss. „Sie dürfen nicht gegen die Schale stoßen“, erklärt mir die Mitarbeiterin geduldig. Die Schale ist nämlich eine Waage, die anhand des Gewichts kontrolliert, ob auch wirklich das eingescannte Produkt abgelegt wird. Jeder Stoß irritiert sie.

Langsam wird mir warm. Ich ziehe meine Jacke aus. Der Mann und die Frau von der Schlange nebenan sind schon fast zur Kasse vorgedrungen. Sie lächeln mir zu und nicken aufmunternd. Ich scanne weiter - bis wieder Schluss ist. Das Spielchen kenne ich jetzt schon. Ich drücke das Zeichen auf dem Bildschirm und im Handumdrehen naht Hilfe. Die Service-Kraft beäugt die Sektflasche in meiner Hand. „Ich muss nur überprüfen, ob Sie schon 16 sind“, sagt sie augenzwinkernd.

Mir wird immer heißer. Als ich meinen Pullover ausziehe, passiert es: Ich stoße an die Waagschale. „Ja, da muss man sich erst dran gewöhnen“, tröstet mich die Angestellte, während sie meinen Fehler ausmerzt. Die Frau und der Mann von der Kasse nebenan räumen gerade in aller Ruhe ihren Einkauf aufs Band. Bei mir beginnen sich die Sachen unterdessen in der Ablageschale zu türmen. Ein rutschendes Paket Taschentücher rette ich mit der Fingerspitze.

Mindestens zehn Produkte schaffe ich ohne Zwischenfälle. Dann erscheint die nächste Nachricht auf dem Bildschirm: „Das Maximalgewicht ist erreicht.“ Ein Wunder ist das nicht. Die Schale quillt fast über. „Für Großeinkäufe ist das hier nicht ausgelegt“, entschuldigt sich die Mitarbeiterin und beginnt, den Rest selbst einzutippen. Der Mann und die Frau nebenan schieben gerade ihren Wagen Richtung Rolltreppe.

Endlich ist auch meine letzte Gurke erfasst. „Jetzt können Sie bezahlen“, sagt die Mitarbeiterin - allerdings nur mit Karte. Ich lade den Berg aus der Waagschale zurück in meinen Einkaufswagen. „Achtung, nicht den Bon vergraben. Den brauchen Sie noch, um rauszukommen“, ruft mir die Mitarbeiterin zu und deutet auf einen Scanner neben der Klapptür am Ausgang. Immerhin finde ich den Zettel schnell wieder.

Fazit: Selbst Scannen macht Spaß. Und auch wenn meine Premiere schweißtreibend war, freue ich mich schon aufs nächste Mal, bei dem ich drei goldene Regeln beachten werde: nicht stoßen, kein Alkohol - und nicht zu viel in die Waagschale werfen. Dann klappt‘s auch ohne Zwischenfälle.

Marktkauf wird E-Center

Marktkauf im Kirchheimer Nanz-Center ist umgebaut worden und eröffnet am 27. November neu. Der Supermarkt wird in dem Zuge in E Center Kirchheim umbenannt.

E Center: Unter dem Namen führt der Edeka-Konzern seine großen Erlebnismärkte, die über eine große Artikelvielfalt und Sortimentstiefe verfügen.

In Kirchheim hat das neue E Center eine Fläche von 4 600 Quadratmetern. Dort werden über 55 000 Artikel angeboten. Die Kunden sollen im neu eröffneten Markt eine größere Auswahl an regionalen sowie Frische-Produkten erhalten. Zum Beispiel wird die Obst- und Gemüseabteilung vergrößert und bietet dann zahlreiche Produkte von Landwirten aus der Region, aber auch Exoten aus Übersee. Die Bedientheken für Fleisch, Wurst, Käse und Fisch werden ebenfalls erweitert. Neu in der Bedienungsabteilung ist der eigene Räucherofen.

EDEKA Südwest hat einen Umsatz von 8,4 Milliarden Euro. 44 000 Mitarbeiter sind bei dem Konzern - inklusive des selbstständigen Einzelhandels - beschäftigt.