Coronavirus

Ansturm überflutet Corona-Drive-in

Testzentrum Obwohl nur nach Nennung eines Codes in den neuen Abstrichzentren in Nürtingen und bei der Stuttgarter Messe auf das Virus getestet wird, ist der massive Andrang kaum zu bewältigen. Von Katharina Daiss

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Nichts geht mehr: Erst ges­tern Morgen wurden die Corona-Abstrichzentren auf dem Nürtinger Festplatz und an der Messe in Leinfelden-Echterdingen eröffnet. Doch bereits am frühen Vormittag hatten die Stationen die 100 Abstriche genommen, die sie eigentlich als Tageskontingent angestrebt hatten. Der Ansturm war so enorm, dass die Fahrer teilweise sogar mehrere Stunden in ihren Fahrzeugen warten mussten, bis sie an der Reihe waren. Die Kreisverwaltung bat Patienten, die die Testzentren noch nicht erreicht hatten, den Test erst in den folgenden Tagen durchführen zu lassen und von einem Besuch am Eröffnungstag abzusehen.

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Marc Lippe erklärt den Journalisten der ARD den Ablauf an der Station. Die Medienprofis schützen sich mit Overall, Maske und Brille vor den ansteckenden Viren.

Eigentlich ist das Corona-Abstrichzenrum gut durchdacht, doch schon vor der Eröffnung ließ sich erahnen, dass das große Aufkommen, mit dem der Malteser Hilfsdienst bereits gerechnet hatte, nochmals deutlich übertroffen wird: Schon eine halbe Stunde vor Öffnung der „Drive-in-Station“ standen die Autos bis zur B 313 und stürzten das neue Zentrum schon vor der ersten Untersuchung fast ins Chaos. Dabei sollte ein Code diese Situation eigentlich verhindern. Die geheime Kombination erhält jedoch nur, wer sich innerhalb der vergangenen 14 Tage in einem Risikogebiet aufgehalten hat und Krankheitszeichen der Atemwege aufweist. „Die Codes werden auch durchgewechselt, damit sie nicht weitergegeben werden können“, erklärt Marc Lippe, Geschäftsführer der Malteser Nürtingen.

Die Patienten stehen Schlange, um sich eine Probe entnehmen zu lassen. Nur wer sich vor Kurzem im Riskogebiet aufgehalten hat un
Die Patienten stehen Schlange, um sich eine Probe entnehmen zu lassen. Nur wer sich vor Kurzem im Riskogebiet aufgehalten hat und Symptome aufweist, wird untersucht. Fotos: Markus Brändli

Seine Kollegen reagieren sofort auf den Ansturm: Die wachsende Kolonne aus SUVs und Kleinwagen wird umgeleitet, die Polizei verhindert ein Verkehrschaos.

Mit einer Viertelstunde Verspätung fährt das erste Auto um 10.15 Uhr zum Drive-in. Medizinische Angestellte in voller Schutzmontur empfangen den Patienten. Sie dokumentieren seine Daten und entnehmen eine Schleimhautprobe aus Nase und Mund. Innerhalb weniger Minuten kann das Auto das Gelände wieder verlassen. Der Vorteil: Der Fahrer muss währenddessen nicht aussteigen und hat keinen Kontakt zu Gegenständen oder Personen außerhalb seines Fahrzeugs. Die Probe kommt anschließend zur Auswertung in ein Labor nach Karlsruhe. Innerhalb 48 Stunden erfährt der Getestete per Telefon, ob er das Coronavirus hat.

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Für Erkrankte ohne Auto haben die Verantwortlichen jedoch keine Lösung parat: „Wer kein Fahrzeug hat, muss die Untersuchung mit seinem Hausarzt abklären. Ohne Auto ist das Verfahren nicht gedacht“, erklärt Marc Lippe. Die Idee, einen Drive-in zum Testen von möglichen Infizierten zu schaffen, stammt vom Malteser Hilfsdienst, das Projekt hingegen entstand durch Teamarbeit: Der Landkreis Esslingen schloss sich dafür mit den Kreiskliniken, Hausärzten, Rettungsdiensten und dem Gesundheitsamt zusammen. Sie stehen in engem Austausch mit der Stadt Nürtingen. „Der Standort bot sich wegen dem großzügigen Platzbereich an“, erklärt Nürtingens Bürgermeisterin Anette Bürgner.

Marc Lippe erklärt den Journalisten der ARD den Ablauf an der Station. Die Medienprofis schützen sich mit Overall, Maske und Bri
Vor Ort können sich Patienten Proben aus Mund und Nase entnehmen lassen, ohne das Fahrzeug verlassen zu müssen. Weniger als fünf Minuten dauert die Prozedur im Drive-in.

Innerhalb weniger Tage wurden die Drive-in-Station für den Landkreis Esslingen aus dem Boden gestampft. „Das war auch dringend notwendig“, sagt Chris-tian Baron. Der Leiter des Dezernats „Gesundheit, Recht, Ordnung, Straßenverkehr, Veterinärwesen, Lebensmittelüberwachung“ im Landratsamt Esslingen erklärt, dass die Lage seit vergangener Woche verschärft sei: „Esslingen ist ein stark betroffener Landkreis.“

Corona-Tests in Nürtingen. Foto: Markus Brändli
Corona-Tests in Nürtingen. Foto: Markus Brändli

Beitrag im Kampf gegen das Virus

Die Zentren sollen vier Probleme lösen: Erstens können je Zentrum ungefähr 100 Abstriche am Tag genommen werden. Zwei Abstrichzentren erhöhen also die Kapazität um 200 Abstriche pro Tag und tragen zu einer schnellen Diagnostik bei. Außerdem werden die Kliniken und Hausärzte, die schon die normale Influenza-Welle in Atem hält, entlastet, und Patienten müssen andere Patienten nicht mehr dem Risiko aussetzen, sich im Wartezimmer anzustecken. Nicht zuletzt wird so an der zurzeit so begehrten Schutzkleidung gespart. Denn wo Hausärzte und Kliniken nach jedem Patienten die Schutzkleidung komplett austauschen müssen, kommen sie im Abstrichzentrum mit wenigen Overalls und Masken pro Tag aus. „Das Corona-Abstrichzenrum ist ein wesentlicher Beitrag im Kampf gegen den Virus“, sagt Marc Lippe. Er hofft, dass die gerade erst gebaute Station in ein paar Wochen schon wieder abgerüstet werden kann.

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