Kirchheim

Auf dem Campus läuft alles nach Plan

Schulbau Im September 2020 kann die Kirchheimer Teck-Realschule ihr erstes Schuljahr am neuen Standort im Rauner beginnen. Von Andreas Volz

Baustellenbedingt entsteht auf diesem Bild der Eindruck, das Treppenhaus der Raunerschule sei mit einem Kirchenfenster ausgestat
Baustellenbedingt entsteht auf diesem Bild der Eindruck, das Treppenhaus der Raunerschule sei mit einem Kirchenfenster ausgestattet.

Von einem „Umbruch“ zu sprechen, wäre stark untertrieben: Die Kirchheimer Teck-Realschule steht eher vor einem kompletten Neuanfang - und das betrifft sowohl die „Hardware“ als auch die „Software“. Ersteres zeigt sich beim Pressetermin ganz augenscheinlich: Das zweite „Lernhaus“ auf dem Rauner-Campus, in das die Teck-Realschule nächstes Jahr umziehen soll, hat schon seine volle Höhe erreicht. Demnächst geht es an den Innenausbau.

„Wir sind im Plan, auch finanziell“, sagt Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker. Lässt sich der Plan auch weiterhin wie vorgesehen einhalten, dann bleibt der Schule noch ein gutes Jahr am alten Standort. Zwischen Pfingst- und Sommerferien 2020 soll der Umzug starten. Das Schuljahr 2020/21 würde also bereits im neuen Schulgebäude beginnen.

Und was ist mit der „Software“? Schulleiter Dr. Ralf Streicher berichtet, dass rund ein Drittel des Kollegiums zum aktuellen Schuljahr neu an die Schule gekommen ist: „Es gab sehr viele Pensionierungen. Aus der Zeit vor drei Jahren sind vielleicht noch fünf bis sechs Personen übrig.“

Hinzu kommen Veränderungen in der pädagogischen Arbeit, wie Konrektor Marlon Lamour ergänzt: „Wir unterrichten jetzt schon differenziert - so wie es die Räumlichkeiten am bisherigen Standort eben hergeben. Hier auf dem Rauner-Campus wird das natürlich alles ganz anders.“

Nächstes Jahr gibt es erstmals die Möglichkeit, einen Hauptschulabschluss an der Realschule zu machen: „Ideal wäre es, wenn wir für die jetzigen Achter gleich eine eigene G-Klasse einrichten könnten.“ Das „G“ steht in diesem Fall für das „Grundlegende Niveau“. Nach dem Hauptschulabschluss geht es für die G-Schüler entweder an der Realschule weiter oder an der Berufsschule.

Trotz der Möglichkeiten, die sich an den Realschulen jetzt auch für schwächere Schüler ergeben, warnt Marlon Lamour davor, die Grundschulempfehlung zu ignorieren: „In den Klassen 5 und 6 werden alle auf demselben Niveau unterrichtet. Da kann es dann schnell zu Frustrationen kommen. Wer sein Kind also auf der Realschule anmeldet, um zu schauen, ob es dort nicht doch irgendwie klappen könnte, tut dem Kind nichts Gutes.“

Bildung ist demnach nicht als individuelles Experimentierfeld geeignet. Politisch scheint die Schullandschaft dagegen ein Spielplatz zu bleiben, auf dem man einfach mal ausprobiert. Angelika Matt-Heidecker erinnert sich an 2013, als der Gemeinderat den Grundsatzbeschluss für den Rauner-Campus gefasst hat: „Da war im Land nur noch von zwei Säulen die Rede, vom Gymnasium und von der Gemeinschaftsschule.“ Die Gemeinschaftsschule sei im Rauner gut gestartet, und zwar mit vier Zügen. „Inzwischen haben wir eine stabile Dreizügigkeit erreicht und weichen auch damit vom landesweiten Trend ab.“

Die Gemeinschaftsschule ist in Baden-Württemberg also längst nicht mehr die allein seligmachende Schulart nach dem Gymnasium. Die Realschule, die schon kurz vor dem Aus stand, wurde wiederbelebt und mit deutlich mehr Lehrerstunden für den differenzierten Unterricht ausgestattet.

Zwei Schulen unter einem Dach

Die Idee, dass Raunerschule und Teck-Realschule mittel- bis langfristig zu einer einzigen Gemeinschaftsschule verschmelzen, ist deswegen vorerst wieder weiter unten in den Schubladen gelandet. Selbst ein gemeinsames Lehrerzimmer und gemeinsame Rektoratsräume darf es jetzt nicht wie geplant geben - aus Gründen des Datenschutzes. Der Campus im Rauner ist aber trotzdem flexibel genug, um dem unterschiedlichen Raumbedarf der beiden Schularten gerecht zu werden.

Die Teck-Realschule wird also im September 2020 am neuen Standort beginnen. Die Oberbürgermeisterin will mit dieser Feststellung auch einem falschen Eindruck entgegenwirken, der möglicherweise bereits entstanden ist: „Viele Eltern scheinen zu glauben, dass es die Teck-Realschule in Zukunft nicht mehr gibt. Das stimmt aber nicht. Das Gegenteil ist der Fall.“ Wer sich vom Leben an der Teck-Realschule ein Bild machen will, kann am Mittwoch, 27. Februar, zwischen 16 und 18 Uhr zum Tag der offenen Tür kommen: Am alten Standort präsentiert sich die Schule bereits in ihrem neuen Zuschnitt - als eine Ganztagsschule mit Zukunft.

Schulleiter Ralf Streicher und Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker schauen sich die Baustelle im Rauner von oben an.Fotos: Markus
Schulleiter Ralf Streicher und Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker schauen sich die Baustelle im Rauner von oben an. Fotos: Markus Brändli
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