Lokale Kultur

Auf der Suche nach Licht

Lesung mit Renate und Bertram Schattel und der Sopranistin Anna Maria Wilke

Kirchheim. Noch bis einschließlich Sonntag, 12. Februar, ist die Thomaskirche in der Aichelbergstraße wieder ein beliebter Treffpunkt interessanter zwischenmenschlicher Begegnungen. Die Vesperkirche bietet

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dort bekanntlich Menschen unabhängig von ihrer Herkunft, Religion und ihrem Einkommen Gelegenheit, sich zu einem gemeinsamen Mittagstisch zu treffen und – zumindest für eine kurze Zeit – die Sorgen des Alltags zu vergessen.

Dass dabei nicht ausschließlich an das leibliche Wohl gedacht wird, versteht sich von selbst. Das Ziel, das die Evangelische Gesamtkirchengemeinde gemeinsam mit dem Kreisdiakonieverband Esslingen mit der Unterstützung zahlreicher ehrenamtlicher Helfer anvisiert, ist schließlich, ihren Gästen nicht nur gutes Essen zu servieren, sondern vor allem auch ein gutes Stück Gemeinschaft anzubieten. Neben den Gesprächen der Gäste untereinander und mit den vielen um ihr Wohl an den festlich gedeckten Tischen bemühten Gastgebern soll auch ein kulturelles Begleitprogramm mit dazu beitragen, das Gemeinschaftsgefühl weiter zu festigen und Besuchern und auftretenden Künstlern gleichermaßen Freude zu bereiten und einen interessanten Abend sicherzustellen.

Den Auftakt bildeten am Montagabend die „Holzmadian Harmonists“. Unter dem Motto „Leckerbissen aus dem Volksmund“ präsentierte der Männerchor in der Auferstehungskirche „Europäische Liebeslieder“.

Am Dinstagabend stand in der Thomaskirche eine Lesung mit musikalischer Begleitung und ungemein viel Lokalkolorit auf dem Programm. Die Diplom-Bibliothekarin Renate Schattel, die seit 1996 im Stadtarchiv tätig ist und zuvor beim Süddeutschen Rundfunk, an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart und im Buchhandel tätig war, präsentierte ihren erfolgreich auf den Markt gebrachten Debütroman „Auf der Suche nach Licht“.

Die Autorin zahlreicher Fachartikel zur Kirchheimer Stadtgeschichte las aus ihrem im Stieglitz Verlag erschienenen ersten fiktiven Roman. Auf intensivem Quellenstudium basierend, liefert er ein interessantes und mit viel Lokalkolorit ausgeschmücktes Porträt der Anna Maria Benz, Kirchheimer Kunstmalerin und faszinierende Vertreterin des Württembergischen Barock zu Beginn des 18. Jahrhunderts.

Tatkräftig unterstützt wurde die Autorin bei ihrem Auftritt in der Thomaskirche von ihrem Mann Bertram Schattel, der sich nicht nur bei der Lesung ausgewählter Passagen mit ihr abwechselte. Mit ihrer ausdrucksvollen Stimme trug die von ihm begleitete Sopranistin Anna Maria Wilke mit dazu bei, ausgewählte Musik dieser Zeit zu präsentieren und für den passenden musikalischen Hintergrund zu sorgen.

Wie der im Jahr 2008 erschienene Roman begann auch die Lesung mit der Entdeckung, die eine fiktive Kunsthistorikerin namens Angelika im Kirchheimer Stadtarchiv macht: Sie kann nachweisen, dass die drei barocken Porträts in der Kirchheimer Martinskirche nicht – wie bislang angenommen – Arbeiten des Kunstmalers Sebastian König sind, sondern von Anna Maria Benz gemalt wurden, deren interessante Lebensgeschichte Renate Schattel in ihrem Roman konturenscharf nachzeichnet.

Auch wenn die als Tochter eines einfachen Hofschreiners aufgewachsene Künstlerin von zahlreichen Neidern diffamiert wurde, konnte das nicht verhindern, dass sie in künstlerischen Kreisen schon bald hoch geachtet war und schon früh zu einer gefeierten Kunstmalerin aufstieg. Neben den drei für die Martinskirche gemalten Porträts stellte sie auch zahlreiche Bilder für Honoratioren und Adlige aus ganz Baden-Württemberg her. Auch Herzog Eberhard Ludwig und seine Gemahlin zählen zu dem Kreis derer, die sich der Künstlerin Anna Maria Benz und ihrem Talent anvertrauten. Im Auftrag des Kaisers sorgte die mit dem Kartografen Cyriak Blödner verheiratete Anna Maria Benz im Jahr 1717 auch für die künstlerische Ausgestaltung dessen entworfener Landkarte des „Theat­rum Belli Rhenani“.

Mit ihrer kurzweiligen Geschichte vom Aufstieg einer jungen Frau in einer von Männern dominierten Welt der Kunst konnte Renate Schattel sofort größtes Interesse wecken. Der von ihr nach der Fertigstellung ihres Manuskripts im Jahr 2008 angeschriebene Stieglitz Verlag in Mühlacker reagierte prompt. Nur drei Tage nach ihrer Anfrage gab Geschäftsführerin Brigitte Wetzel-Händle der ambitionierten Autorin grünes Licht.

Wer nach der Lesung vieler einzelner ausgewählter Passagen Interesse hat, sich etwas intensiver mit der im Buch in gut nachvollziehbarer Chronologie entwickelten ungewöhnlichen Lebensgeschichte der Kunstmalerin Anna Maria Benz zu beschäftigen, kann sich an den örtlichen Buchhandel wenden.

Das Kultur-Begleitprogramm der Vesperkirche wird fortgesetzt am Donnerstag, 9. Februar, um 19.30 Uhr. Der Weilheimer Pfarrer Peter Brändle präsentiert gemeinsam mit Heinz Lendl im Steingau-Zentrum in der Steingaustraße 28 den Kabarettabend „Komische Heilige.“

Am Freitag, 10. Februar, steht um 19.30 Uhr ein „Kaffeehausabend“ mit dem Studentischen Salonorchester Tübingen mit Tanz und Unterhaltungsmusik der 20er-Jahre auf dem Programm. Veranstaltungsort ist das Alte Gemeindehaus in der Alleestraße  116 in Kirchheim.