Lokale Kultur

Aufrüttelndes Stück zum Klimawandel

Berliner Compagnie präsentierte „So heiß gegessen wie gekocht“ in der Stadthalle

Kirchheim. Ein Stück, das aufrüttelt, bekamen die rund 200 Besucher der Kirchheimer Stadthalle von der Berliner Compagnie mit dem Stück „So

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heiß gegessen wie gekocht“ präsentiert. Veranstalter in Zusammenarbeit mit dem Club Bastion war die Genossenschaft Teckwerke Bürgerenergie, die sich für die Übernahme der öffentlich ausgeschriebenen Strom-Netze Kirchheims angemeldet hat. Die Produktion war mit finanzieller Unterstützung der Europäischen Union entstanden. Die EU, als zweitgrößter Verursacher des Klimawandels, habe eine besondere Verantwortung, die Emissionen an Dreck und Schadstoffen zu reduzieren. Afrika werde einer der Leidtragenden sein, so die Berliner Compagnie. Das scheine beschlossene Sache bei den Kapitalisten und Deutschlands Regierungsparteien zu sein.

Der Schauplatz des Theaterstücks ist die Küche eines Gasthofes, in dessen unmittelbarer Nähe ein Kohlekraftwerk entstehen soll. Die Honoratioren der Stadt sind sich einig darin, gesetzliche Vorschriften zu umgehen, um den Bau des Kraftwerks in ihrem Interesse voranzu- treiben. Der illegale Immigrant Ibrahim, der als Schwarzarbeiter in der Küche des Gasthofes als Tellerspüler beschäftigt ist, sagt:. „Glaubt ihr, ein Afrikaner würde sein Land verlassen, wenn er nicht müsste?“

Der afrikanische Ingenieur Ibrahim, seines Zeichens „Tellerwäscher in Deutschland“, der für 2,50 Euro die Stunde in der Küche jobbt und nach einer Zukunftsperspektive für seine afrikanische Familie sucht, die in der Heimat weder Arbeit noch eine Perspektive findet, weist neue Gedanken und Wege. Er verdeutlicht, dass die deutsche Regierung, die dem starken Industrie-Lobbyismus und ihren eigenen Interessen verpflichtet ist, nur halbherzig den Gegebenheiten Schranken setzt.

Ibrahim versetzt die Zuschauer in betroffene Stille. In einer Schweigeminute sind die Besucher aufgefordert, der Fukushima-Opfer in Japan zu gedenken, die aufgrund verfehlter japanischer Interessenpolitik ihr Leben lassen mussten. In der Stadthalle ist es so still, dass man eine Stecknadel hätte zu Boden fallen hören können.

Die Wirtin, ganz Kapitalistin, versucht, ihren finanziellen Nutzen aus den wechselnden Gegebenheiten zu ziehen. Ihre Angestellten befürchten ihren persönlichen Schaden und gehen auf die Barrikaden. Der Afrikaner Ibrahim, dem die Abschiebung droht, weist neue Wege und Alternativen. Der kleine Gasthof der Stadt wird zum Zentrum einer Bürgerbewegung und zum Nest des Widerstands gegen den Kapitalismus, zum Widerstand gegen die einseitigen Interessen der Industrie und der Macht der Banken. Letztlich gewinnt die Bürgerinitiative und bekommt von übergeordneter staatlicher Seite Recht zugesprochen. Die Macht der politischen Verflechtungen ist gebrochen. Ein Happy End? – Nein.

Die Zuschauer bleiben nachdenklich zurück und gehen mit einer Replik der staatlichen politischen Entscheidungen der vergangenen Jahre nach Hause, die da heißt: Ja zum Klimawandel, aber bitte erst später und nicht sofort. Noch muss die Industrie verdienen und wir Parteien wieder gewählt werden. Was geht uns das Schicksal der Dritten-Welt-Länder an? Der Bürger bekommt seine Ohnmacht zu spüren und fragt sich: Wer ist in Deutschland eigentlich wem verpflichtet? „Wir sind das Volk“, sagt ein Besucher, und somit ist die Politik uns verpflichtet, und nicht den „Groß-Kopfeten“ aus Politik und Wirtschaft .“