Kirchheim

Aus dem Rohr statt aus der Flasche

Verkostung Hahn auf, und schon fließt das Wasser. Trotzdem schleppen viele Menschen schwere Wasserkisten vom Supermarkt nach Hause. Am Samstag können die Kirchheimer unterschiedliche Wasser vor dem Kornhaus testen. Von Melissa Seitz

Foto: Carsten Riedl

Im Supermarkt reihen sich verschiedene Wasserflaschen aneinander. Still, medium oder classic: Die Auswahl ist groß. Mit mehreren Kisten Wasser geht es an die Kasse. An heißen Sommertagen muss schließlich genügend Wasser im Haus sein. Dabei geht das doch viel einfacher - ganz ohne Schleppen. Einfach den Wasserhahn aufdrehen, Glas da­runter halten, und schon hat man eine kühle Erfrischung. „Manche glauben, dass Flaschenwasser besser ist als Leitungswasser, weil es etwas kostet“, sagt Bernhard Röhrle, Pressesprecher des Zweckverbandes Landeswasserversorgung.

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Doch Vorsicht bei der Auswahl - Flasche ist nicht gleich Flasche. Wenn in eine neue Plastikflasche Wasser abgefüllt wird, sie dann Tausende von Kilometern zum Beispiel von Frankreich nach Deutschland in einem Lkw transportiert wird, und dann noch heiße Temperaturen herrschen - dann gibt die Plastikflasche einen eigenen Geschmack an das Wasser ab. Der Rat des Experten: „Trinken Sie Ihr Wasser aus der Glasflasche oder aus dem Hahn.“

Vom Donauried nach Kirchheim

Aber woher kommt das Kirchheimer Leitungswasser eigentlich? „Das Hahnenwasser ist ein Mischwasser“, weiß Bernhard Röhrle. Es kommt zur einen Hälfte aus den Grundwasservorkommen im Donauried zwischen Langenau und Sontheim und aus den Grundwasservorkommen bei Giengen an der Brenz sowie zur anderen Hälfte aus der Donau bei Leipheim.

Leitungswasser kann da auch schon mal vier Tage unterwegs sein, sagt Bernhard Röhrle: vom Landeswasserwerk zum städtischen Wasserwerk und dann in das Ortsnetz. An der Qualität des kühlen Nass ändert das aber nichts: „Durch das Desinfizieren mit Chlordioxid können sich keine Keime vermehren. Bis das Wasser beim Kunden ist, ist der Stoff aber bis zu 100 Prozent wieder abgebaut“, erklärt der Pressesprecher vom Zweckverband Landeswasserversorgung.

In Italien zum Beispiel sieht die Lage ein wenig anders aus. Wer nach einem Tag am Strand eine kühle Dusche nehmen will, kennt wahrscheinlich den beißenden Chlor-Geruch nur zu gut. „Dort gibt es keine sechs Reinigungsstufen wie bei uns in Deutschland. Deswegen muss man in Italien mehr Chlor ins Wasser geben“, weiß Bernhard Röhrle.

Toilette spülen für frisches Wasser

120 Liter Leitungswasser verbraucht ein Mensch am Tag. „Natürlich ist da zum Beispiel das Waschen, die Toilette, aber auch das Trinkwasser dabei“, erklärt der Experte. Bei einem Toilettengang fließen zehn Liter Wasser durch die Leitung. Klingt nach einer Menge, kann manchmal aber auch ziemlich nützlich sein: „Wenn Sie nach drei Wochen Urlaub wieder nach Hause kommen und Angst haben, Ihr Leitungswasser könnte abgestanden schmecken, dann gibt es einen einfachen Trick“, sagt Bernhard Röhrle. Einfach einmal kräftig die Toilettenspülung drücken, und schon fließt wieder frisches Wasser aus dem Hahn.

Apropos Wasserhahn: Von Karaffen mit Wasserfilter oder Wasserhähnen mit Filter hält Bernhard Röhrle nicht viel. „So einen Filter müsste man eigentlich jeden Tag einmal spülen, sonst sammeln sich dort Keime an“, erklärt er, „und eigentlich braucht man sie auch nicht.“ Selbst wenn ein paar wenige Keime im Wasser sind, macht das laut dem Experten nichts. „Auch ein Apfel ist nicht keimfrei“, erzählt er.

Und wer denkt, Wasser sei doch so teuer und man müsse damit sparsam umgehen, den muss Bernhard Röhrle enttäuschen. „Ein Liter Wasser kostet 0,2 Cent“, erzählt er. Ungefähr 20 Cent zahlt man aber für eine Flasche Wasser aus dem Supermarkt. „Der Tagesbedarf eines Menschen, also 120 Liter, entspricht dem Preis von einem Brötchen, also 25 Cent“, stellt Bernhard Röhrle fest. „Nimmt man das Abwasser dazu, kostet der Tagesbedarf nicht mehr als eine Brezel, circa 60 Cent.“ Also doch lieber ein paar Mal mehr den Wasserhahn aufdrehen, anstatt im Supermarkt viel Geld liegen lassen.

Info Am Samstag, 19. August, findet von 10 bis 13 Uhr ein Wassertest der Landeswasserversorgung vor dem Kirchheimer Kornhaus statt. Hier können Passanten verschiedene Wasser verkosten und bewerten. Außerdem stehen einige Mitarbeiter für Fragen bereit.

Vom Grundwasser zum Trinkwasser

1 Manchmal ist das Grundwasser durch Algen leicht verschmutzt und grünlich. Damit es wieder klar wird, werden in der ersten Reinigungsstufe diese sogenannten Trübstoffe herausgefiltert.

2 Danach wird das Grundwasser desinfiziert. Dabei sterben Bakterien und Keime ab, und das Wasser ist geruchs- und geschmacksneutral.

3 Mit einem Sandfilter werden gröbere Partikel aus dem Wasser gefiltert.

4 Durch einen Mikrofilter, einen Filter mit feinkörniger Kohle, werden noch die letzten kleinen Partikel aus dem Wasser gesiebt. Auch Rückstände von Chemikalien, Arzneimitteln oder Haushaltsmitteln sind nach der dritten Reinigungsstufe nicht mehr im Wasser zu finden.

5 Das gereinigte Wasser wird mit UV-Strahlen desinfiziert, sodass die Anzahl der Keime im Wasser sinkt.

6 Im letzten Schritt der Trinkwasseraufbereitung kommt Chlordioxid zum Einsatz. Es sorgt dafür, dass auf dem Weg vom Wasserwerk in die nächste Stadt das Wasser nicht verkeimt. sei