Kirchheim

Babys statt Hanteln stemmen

Familienbildung Ab heute ist das neue Programm der Familien-Bildungsstätte (FBS) online. Der Bereich „Eltern-Kind-Angebote“ wird weiter ausgebaut, Engpässe gibt es bei der Geburtsvorbereitung. Von Günter Kahlert

Kein Problem mit der Kinderbetreuung: die Familien-Bildungsstätte setzt verstärkt auf gemeinsame Kurse für Mama und Baby.Foto: G
Kein Problem mit der Kinderbetreuung: die Familien-Bildungsstätte setzt verstärkt auf gemeinsame Kurse für Mama und Baby.Foto: Günter Kahlert

Eigentlich kann sich Team der Kirchheimer Familien-Bildungsstätte (FBS) erst einmal zufrieden zurücklehnen. Mehr als 500 Kurse, rund 200 Dozenten und Kursleiter an zehn verschiedenen Orten in und um Kirchheim: Das neue Halbjahres-Programm 2018/2019 steht, das Puzzle ist mal wieder zusammengesetzt. Schwerpunkt sind nach wie vor die klassischen Familienthemen. „Gut die Hälfte unseres Programms richtet sich direkt an junge Familien, das ist die Familienbildung im engeren Sinne“, sagt Andrea Bürker. Die pädagogische Leiterin der Kirchheimer FBS hat mit ihrer Kollegin Tina Allin diesen Bereich nochmals ausgebaut. Im Fokus sind dabei Schwangere und Mütter mit kleinen Kindern. Einige Schlagworte dazu: Schwangeren-Fitness, Yoga für Schwangere, Fitness mit dem Kind und - ganz neu - der Outdoor-Kurs „Fit mit dem Kinderwagen“. Joggen mit dem Kinderwagen? „Das war früher undenkbar“, meint FBS-Leiter Christoph Tangl zu dem neuen Angebot, „aber mittlerweile ist da ein Trend entstanden, auf den wir reagieren müssen.“

Besonders in den Mutter-Kind-Angeboten sieht Tina Allin eine echte Entlastung für die jungen Mamas: „Diese gemeinsamen Angebote sind sehr hilfreich für die Frauen, dann gibt es keinen Stress mit der Kinderbetreuung und es geht beiden gut.“ Und wo bleiben die Väter? „Da hat sich im Lauf der Zeit einiges verändert“, schildert Christoph Tangl seine Erfahrungen. „Es gibt eine wachsende Zahl von Männern, die sich wirklich engagieren.“ Zu einem speziellen „Männerabend“ in der Geburtsvorbereitung kommen fast alle zukünftigen Väter, und in den Kursen für Säuglingspflege gibt es laut Andrea Bürker „kaum Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Teilnehmenden“. Hört sich gut an.

„Wellcome“ entlastet Mütter

Bei der Vielfalt der Mutter-Kind-Angebote gibt es natürlich immer wieder Themen, die den FBS-Machern ganz besonders am Herzen liegen. Bei Tina Allin ist es das Projekt „Wellcome“. Damit soll jungen Müttern während des ersten Lebensjahres ihres Kindes Hilfe angeboten werden, damit sie mit der Situation nicht überfordert sind. Ehrenamtliche kümmern sich stundenweise um die Kleinsten, um der Mutter etwas Luft zu verschaffen. Ein bisschen stolz verweist Tina Allin auf das fünfjährige Jubiläum von „Wellcome“ und auf das bisherige Rekordjahr 2017: Insgesamt 365 Stunden Hilfe wurden geleistet. Das soll aber in Zukunft noch forciert werden. Deshalb ist „Wellcome“ auch einer der Schwerpunkte am Infostand, mit dem sich die FBS am morgigen Samstag zwischen 10 Uhr und 12.30 Uhr am Rathaus präsentiert.

Alles im grünen Bereich also, was das „Kümmern“ um junge Mütter angeht? Fast. Eines gefällt Andrea Bürker gar nicht. Angesichts steigender Geburtenraten steht sie vor einem wachsenden Bedarf an Kursen zur Geburtsvorbereitung und der anschließenden Rückbildung. Dem würde sie auch gerne nachkommen, kann es aber nicht. Der Grund: Es gibt immer weniger freiberufliche Hebammen. Das hat vor allem wirtschaftliche Ursachen- Hebammen verdienen einfach zu wenig. „Bei uns waren einmal vier Hebammen tätig, drei von ihnen sind in die Kinderbetreuung gewechselt, um ihre Existenz zu sichern“, skizziert Andrea Bürker die Mangelsituation.

Da ist aber auch noch die andere Hälfte des neuen FBS-Programms, die sich nicht speziell an junge Familien richtet. „Highlights“ rauszupicken ist allerdings müßig, das hängt auch viel zu sehr von den persönlichen Interessen ab. Kreatives Gestalten, Gesundheit, Kinderferienprogramm, Tanz, Frauencafé, Kochen, Studium Generale, Yoga-Walking, Yoga für Diabetiker - man könnte die Liste fast beliebig erweitern. Da hilft nur ein Studium des neuen Programms weiter, egal ob im Internet oder in der gedruckten Ausgabe.

Eines zeigt das neue Programm auch: Vom „Familien“-Klischee Vater-Mutter-Kind hat sich die FBS längst entfernt. „Wir wollen den Menschen stärken“, meint Christoph Tangl zum Ansatz der FBS, „das umfasst alle Lebensmodelle, Altersgruppen und familiären Situationen.“

Neues FBS-Programm

Am schnellsten geht die Anmeldung zu Kursen und Veranstaltungen der Familien-Bildungsstätte online. Das Programm ist ab heute auf der Internet-Seite der FBS verfügbar: www.fbs-kirchheim.de

Telefonisch oder persönlich ist eine Anmeldung ab Mittwoch, 11. Juli, im Vogthaus, Widerholtstraße 4, möglich. Montag und Dienstag, 9. und 10. Juli, bleibt das Anmeldebüro im Vogthaus geschlossen.

Insgesamt bekommt die FBS pro Jahr etwa 11 000 Anmeldungen mit steigender Tendenz der online-Buchung.gk

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