Kirchheim

„Bäder-Ehe“ geht in die Verlängerung

Kooperation Die Stadt Kirchheim baut in absehbarer Zeit kein eigenes Hallenbad und möchte stattdessen die Zusammenarbeit mit der Gemeinde Dettingen bis 2030 fortführen. Von Andreas Volz

Die Uhr ist im Kirchheimer Hallenbad endgültig abgelaufen. Bis 2030 kooperiert die Stadt mit der Gemeinde Dettingen.Foto: Carste
Die Uhr ist im Kirchheimer Hallenbad endgültig abgelaufen. Bis 2030 kooperiert die Stadt mit der Gemeinde Dettingen.Foto: Carsten Riedl

Bis 2030 wollen die Stadt Kirchheim und die Gemeinde Dettingen ihre Zusammenarbeit beim Hallenbad fortsetzen. Der Kirchheimer Gemeinderat hat diesem Ansinnen mit großer Mehrheit zugestimmt – bei nur drei Enthaltungen. Was als Übergangslösung gedacht war, entwickelt sich nun also zum längerfristigen Provisorium.

Die lange Laufzeit der geplanten Vertragsverlängerung begründete Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker in der Gemeinderatssitzung folgendermaßen: „Da stehen Investitionen an, die man nicht nur für ein paar wenige Jahre tätigt.“ Außerdem hätten auch die wassersporttreibenden Vereine Kirchheims mittlerweile erkannt, dass sie eine Sicherheit brauchen, die ihnen in Dettingen geboten wird und die über viele Jahre anhält.

Frank Wolff, der Kaufmännische Leiter der Kirchheimer Stadtwerke, nannte Details zu den fälligen Investitionen: „Unser Anteil daran liegt bei 2,1 Millionen Euro.“ Insgesamt sei die Technik im Dettinger Hallenbad für drei Millionen Euro auf den neuesten Stand zu bringen. Hinzu kommt noch ein Anbau, der dazu dient, dass die Kirchheimer Vereine ihre Gerätschaften und Materialien in Dettingen unterstellen können. Dieser Anbau soll rund 90 000 Euro kosten und dafür sorgen, dass Leinen oder Wasserballtore ordentlich untergebracht sind.

Weitere Bestandteile einer interkommunalen Vereinbarung zwischen Kirchheim und Dettingen betreffen städtische Hilfestellungen beim Personal. Frank Wolff: „Wir werden mit unserer Technik- und Beckenaufsichtskompetenz aushelfen und die Gemeinde Dettingen entsprechend mit Personal unterstützen.“

Kirchheims Gemeinderatsmitglieder zeigten, dass sie die Fortführung der Kooperation bis 2030 als dringend notwendig ansehen, auch wenn sie nicht hellauf begeistert sind. Dr. Thilo Rose, der CDU-Fraktionsvorsitzende, sagte: „Wenn das Dettinger Bad über 2019 hinaus genutzt werden soll, müssen wir die Dettinger finanziell unterstützen. Wir sitzen da mit im Boot.“

Ulrich Kübler (Freie Wähler) dachte in olympischen Kategorien: „Das ist keine schlechte Lösung. Es ist zwar nicht Gold, aber immerhin Silber.“ Eva Frohn­meyer-Carey (Frauenliste) sprach von einem „zähneknirschenden Zugeständnis, dass es derzeit eben nicht anders geht“, und Dr. Jürgen Berghold (Grüne) meinte kurz und schlicht: „Wir tragen das ohne allzu großen Enthusiasmus mit.“

Den SPD-Fraktionsvorsitzende Walter Aeugle dagegen treibt die Sorge um, dass bis 2030 weitere Kosten für das Dettinger Hallenbad anstehen, von denen heute noch keiner etwas ahnt. Außerdem erinnerte er daran, dass die Diskussion ums Hallenbad gerade jetzt anstand, da das alte Kirchheimer Hallenbad abgerissen wird.

Die Oberbürgermeisterin nahm die sportlichen Metaphern auf und sagte: „Wir sind hier am Ende eines Marathonlaufs – und da ist es schon was, überhaupt ins Ziel zu kommen.“ Verhandlungen darüber, wie es nach 2030 weitergehen könnte, sollen 2027 aufgenommen werden. So könnte es also ab 2030 erstmals seit 2011 wieder ein eigenes Kirchheimer Hallenbad geben. Beim Weg dahin dürfte es sich aber um mehr als einen Marathon handeln: Es wird wohl eher ein Triathlon mit Ironmandistanz. Der Marathon ist da nur einer von drei Bestandteilen.

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