Infoartikel

„Bauhaus“ wurde zu abgehoben

Nachgefragt:

Kunsthistorikerin Barbara Honecker findet, dass die Ideen der „Bauhaus“-Bewegung in zeitgemäßer Weiterentwicklung überall sind.

Gibt es in Kirchheim mehr „Bauhaus“ als der Bürger denkt?

Im Prinzip finden Sie das in jeder Stadt, mit mehr oder weniger Zeitverzögerung. Die Architekten orientieren sich daran, das wird überall hinkommen. Es „sucht“ halt niemand, aber ich sage klipp und klar: „Bauhaus“ gibt es überall.

War die Zeit für „Bauhaus“ vor hundert Jahren einfach noch nicht reif?

Bestimmt. Versuchen Sie, das in unsere Zeit zu übertragen. Wie regen sich heute manche Leute über moderne Architektur auf? Man stieß sich damals an der ungewohnten Funktionalität. Heute regt man sich über zu viel Dekoration auf. Solche Streitpunkte gibt es immer.

Wie ist dieser für damals futuristische Stil überhaupt entstanden?

Das war absolute Technik- und Industrialisierungseuphorie. Es gab in den 20er-Jahren schon Konzeptionen für reine Autostädte, Menschen unter der Erde oder hoch oben. Radikale Ansichten, auch von Mies van der Rohe. Gläserne Hochhäuser, die wären heute hochaktuell. Die hat er später in den USA gebaut. Wunderschön!

Hat nur der Nationalsozialismus die „Bauhaus“-Bewegung gestoppt?

Ich glaube, das „Bauhaus“ hätte sich sowieso überlebt. Mies van der Rohe wurde zu elitär und abgehoben. Außer zu zeichnen hat er praktisch nichts mehr gemacht, nur noch Planungen, nichts mehr ist nach außen gedrungen. Vielleicht war es ganz gut, dass 1933 Schluss war.      aba

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