Kirchheim

„Beim Handy sind die Eltern gefragt“

Medienkonsum Von totalem Verbot auf dem Schulgelände bis zur flexiblen Handhabung im Unterricht: So regeln Schulen in Kirchheim die Smartphone-Nutzung ihrer Schüler. Von Thomas Zapp

In manchen Schulen Kirchheims erlaubt, in anderen nicht: Die Handynutzung auf dem Schulhof. Foto: Carsten Riedl
In manchen Schulen Kirchheims erlaubt, in anderen nicht: Die Handynutzung auf dem Schulhof. Foto: Carsten Riedl

Am Thema „Smartphones an der Schule“ scheiden sich die Geister. Die einen sehen sie als Aufmerksamkeitskiller und Mobbing-Instrumente, die anderen würden sie lieber mehr in den Unterricht integrieren. In Frankreich wurde zum Schuljahresbeginn ein generelles Handy-Verbot für Vor- und Grundschulen sowie auf weiterführenden Schulen in der Sekundarstufe I eingeführt. Kann das ein Vorbild für Deutschland sein?

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Im Schulbezirk Kirchheim sehen die Verantwortlichen das Thema unterschiedlich. Schulleiter Georg Braun vom Ludwig-Uhland-Gymnasium (LUG) etwa glaubt, dass es durchaus sinnvoll sein kann, Mobiltelefone im Unterricht in bestimmten Situationen zu nutzen, etwa für Messungen im Geografie-Unterricht. „Dafür gibt es spezielle Apps, die viele Möglichkeiten bieten“, weiß Braun. Ansonsten gilt an seiner Schule aber die Devise: Handy dabeihaben ja, aber es bleibt ausgeschaltet und in der Schultasche. Und dabei ist es egal, ob sich die Schüler im Klassenzimmer oder auf dem Schulhof aufhalten. „Wir legen Wert darauf, dass unsere Schüler direkt miteinander kommunizieren, ‚face to face‘ statt über Netzwerke“, sagt er. Und für Spielkonsolen gelte das Gleiche. „Schüler sind nicht in der Lage, sich danach noch zu konzentrieren“, sagt Braun.

In dringenden Fällen können aber alle Schüler in bestimmten Zonen des Schulgeländes ihr Smartphone nutzen, um etwa die Eltern anzurufen. Umgekehrt sei ja die Schule telefonisch immer zu erreichen - ganz klassisch auf dem Festnetz. Diese Möglichkeit für alle Schüler und Eltern betont auch Clemens Großmann, Rektor der Freihof Realschule und geschäftsführender Schulleiter der Kirchheimer Schulen. Generell gilt an der Freihof-Realschule die Regel, dass Mobiltelefone mit Betreten des Schulgeländes ausgeschaltet werden. „Es gibt Ausnahmen, etwas dass im Technikunterricht Schüler ein Modell mit ihrem Handy fotografieren dürfen, sagt Großmann. Ansonsten werde die Regel strikt eingehalten und bei Missachtung auch streng sanktioniert. „Sie erleben sonst die dollsten Sachen mit Handys, etwa dass unter Toilettentüren gefilmt wird oder Ähnliches.“ Zudem gibt es Informationsveranstaltungen für Eltern und Schulanfänger zur Handy- und Computernutzung. „Die sind immer sehr gut besucht“, sagt Großmann.

Lucia Heffner, Rektorin des Schlossgymnasiums, geht es vor allem um den „verantwortlichen Umgang“ ihrer Schülerinnen und Schüler mit Smartphones. Ein absolutes Handyverbot helfe vielleicht, Themen wie Cybermobbing in den Griff zu kriegen, die Umsetzung sei jedoch schwierig, sagt sie. Ein striktes Verbot hat mal an der Schule existiert. Die Eltern hätten aber darauf bestanden, ihre Kinder anrufen zu können. „Da geht es am Ende des Tages auch um Persönlichkeitsrechte“, sagt Lucia Heffner. Seitdem darf das Mobiltelefon in den Pausen benutzt werden, mit der Konsequenz, dass die Kinder weniger miteinander reden. Auf Klassenfahrten gibt es aber deutlich strengere Regeln. „Dort dürfen die Jugendlichen nur zu bestimmten Zeiten ihr Handy nutzen, um ihre Eltern anzurufen. Und das Interessante ist: Viele Schüler vergessen das, weil sie so beschäftigt sind“, sagt die Rektorin.

An der Freien Waldorfschule Kirchheim bleiben hingegen alle Handys durchgehend aus, im Klassenraum, der Mensa und dem Schulhof. Lediglich auf dem Parkplatz sei es in besonderen Fällen erlaubt, ein Gespräch zu führen, so der Geschäftsführer Werner Ehringfeld. Die Entwicklung der Medienkompetenz seiner Schüler komme dennoch nicht zu kurz, betont Ehringfeld, dafür gebe es Workshops in der 5. und 6. Klasse. Ansonsten sieht er Schule als einen Schutzraum, in dem sich Schüler ohne Computerspiele, soziale Netzwerke, Handy und Co. entfalten sollen. Dass Kinder ab dem zwölften Lebensjahr sich in zunehmendem Maße für Mobiltelefone interessieren und man sie von deren Nutzung nicht viel länger abhalten kann, weiß auch Ehringfeld. Als Ergänzung im Unterricht lehnt er sie jedoch ab.

In einem Punkt sind sich aber alle befragten Lehrer einig: Die Verantwortung für den richtigen Handykonsum der Kinder und Jugendlichen kann die Schule nicht alleine tragen, da sind auch und vor allem die Eltern gefragt.