Kirchheim

„Beim Kifepro ist der Bus im Dauerstress“

Weihnachtsaktion Der Teckbote unterstützt das Brückenhaus, das dringend ein neues Fahrzeug braucht. Seit 2003 ist der Bus ständig im Einsatz. Von Iris Häfner

Der alte Bus hat gerade noch den TÜV dank einiger Reparaturen geschafft.
Der alte Bus hat gerade noch den TÜV dank einiger Reparaturen geschafft. Auf einen neuen freuen sich Julia Meyer, Birgit Häbich-Kampourakis und Jessica Villamar Ruiz mit Katina. Foto: Markus Brändli

Volljährig ist er zwar noch nicht, aber beim Sicherheitstraining fällt er wegen seines Alters schon auf: der Brückenhaus-Bus, Baujahr 2003. „Buftine“, wie Julia Meyer liebevoll von ihren Kolleginnen genannt wird, nahm die Kommentare auf dem Verkehrs- übungsplatz gelassen hin, war sie doch von ihrer Vorgängerin vorgewarnt worden, dass alle anderen Einrichtungen weitaus neuere Modelle besitzen - mit sämtlichem fahrerunterstützendem Schnickschnack. „Ich war die Einzige, die richtig am Lenkrad arbeiten musste“, erzählt sie lachend. Das Lob von Chefin Birgit Häbich-Kampourakis, die sich gemeinsam mit Jessica Villamar Ruiz die Geschäftsführung teilt, kommt prompt: „Damit hast du echtes Fahrkönnen beweisen können.“

Die Episode macht deutlich: „Wir brauchen echt dringend einen neuen Bus“, bringt Birgit Häbich-Kampourakis klar zum Ausdruck. Das Busle konnte 2003 dank Unterstützung der damaligen Teckboten-Weihnachtsaktion und Stiftungsgeldern als erstes „echtes“ Fahrzeug angeschafft werden. Das Projekt „Abenteuer mobil“ konnte damit starten. Bis dahin gab es den Porsche Diesel, der tuckernd den Anhänger durch die Stadt zog, um Material zum Kinder-Ferienprogramm oder anderen Aktionen zu ziehen. Als ein richtiges Arbeitstier wie der Traktor erwies sich der Brückenhaus-Bus. „Für das, wieviel wir mit ihm rumgereist sind, hat er ziemlich lang gehalten“, freut sich Birgit Häbich-Kampourakis.

Das Busle ist ständig im Einsatz und vor allem jetzt unverzichtbar. Nach dem Abriss des namengebenden Brückenhauses an der Steingaubrücke ist die Einrichtung in alle Kirchheimer Winde zerstreut. Im Pavillon am Rambouillet-Platz ist das „Brückenhaus Dettinger Weg“ untergebracht, im Stadtteil-Zentrum „TriB“ das „Brückenhaus Ötlingen“. In diesem Stadtteil ist auch das Lager zu finden, in der Grundschule in Jesingen sitzt die Geschäftsstelle. An allen Stellen wird der Platz genutzt, um Material unterzubringen. Die Popcorn-Maschine ist in Jesingen, die Hüpfburg in Ötlingen, Bastelmaterial im Dettinger Weg. Da muss nicht nur der Überblick bewahrt bleiben, sondern vieles hin und her transportiert werden - was der Bus mit der „Buftine“ erledigt.

Stelzen und Slackline

Zwei Tage in der Woche ist das Ziel immer dasselbe: mittwochs ist das Spielmobil im Dettinger Weg auf dem großen Spielplatz anzutreffen, donnerstags auf unterschiedlichen Spielplätzen in Ötlingen. „Dazu brauchen wir den Bus. Da sind Biertische drin und ganz viel Spielsachen“, erklärt Jessica Villamar Ruiz. Stelzen, Wurfspiele, Grasskier, Slackline, Snakeboard und ganz viel Bastelmaterial finden sich im Bus. Nicht nur Kinder kommen zu den Treffs, auch Eltern. Für die sind die Biergarnituren, Kaffee und Kuchen. Von Ostern bis etwa zu den Herbstferien findet alles draußen statt, in der dunklen Jahreszeit dann in den Räumen. „Beim Kifepro ist der Bus im Dauerstress. Wir reagieren spontan auf die Wünsche der Kinder - und dann brauchen wir halt mehr Kartons, weil die Kids Häuser bauen wollen“, erzählt Jessica Villamar Ruiz.

Der Bus geht aber auch mit den Kids auf Tour. Das ist dann für die Kinder etwas Besonderes. Etwa wenn es nach Nürtingen zu einem 3-D-Film geht, zum Bowlen nach Plochingen, damit es nicht immer die Kegelbahn im Bohnauhaus ist - oder zum Fasching nach Wiesensteig. „Rauskommen aus dem Stadtteil mit den Freunden unter der Woche ist für die Kinder ein Event an sich“, sagt Birgit Häbich-Kampourakis. In der Regel wird der Weg jedoch entweder zu Fuß oder mit den „Öffis“ zurückgelegt. Mit den Älteren geht es zu mehrtägigen Freizeiten. Gern angesteuertes Ziel ist das Otto-Mörike-Haus des Kreisjugendrings in Bissingen. „Die Jugendlichen müssen hinwandern. Mit dem Bus fahren wir Essen und Getränke und das Gepäck hoch“, sagt Jessica Villamar Ruiz. Auf der Hütte wird dann zusammen gekocht, am Lagerfeuer gesessen und gefeiert. „Da oben stört es niemand, wenn es mal länger laut ist“, verrät die Pädagogin.

Zur Berufserkundung ist der Bus ebenfalls unerlässlich. Ingrid Reick war im Oktober beispielsweise mit Schülern der Raunerschule ins Ausbildungszentrum nach Geislingen gefahren. Dort konnten sich die Jugendlichen über Bauberufe informieren. Im Februar geht‘s nach Nürtingen ins Klinikum und in ein Hotel. „Und bei der Berufsinfomesse in der Kirchheimer Stadthalle laden wir den Bus bis zum Hals voll“, sagt Birgit Häbich-Kampourakis.

Info Zentrales Ziel des Brückenhauses ist es, Kinder, Jugendliche und Erwachsene unter Berücksichtigung ihrer jeweiligen Lebenszusammenhänge in ihrer Persönlichkeit zu stärken. Dadurch soll ihnen ermöglicht werden, sich aktiv in der Gesellschaft zu beteiligen und am sozialen Miteinander mitzuwirken. Die Einrichtung bietet Hilfen bei der Bewältigung des Lebensalltags an, um einer sozialen Gefährdung und einer Ausgrenzung entgegenzuwirken. Mitarbeiter des Brückenhauses finden sich an vielen Standorten. So auch an verschiedenen Schulen als Schulsozialarbeiter. Aber auch als Berater beim Übergang von Schule und Beruf. Außerdem organisiert die Einrichtung Events für Jugendliche wie den Mädchentag.

Beim Kinder-Ferien-Programm (Kifepro) benötigt das Brückenhaus viel Material. Zum Transport dafür ist der Bus unerlässlich. Arch
Beim Kinder-Ferien-Programm (Kifepro) benötigt das Brückenhaus viel Material. Zum Transport dafür ist der Bus unerlässlich. Archiv-Foto: Jörg Weigele
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