Kirchheim

Bellende Hunde jagen gut

Vierbeiner Heute haben Hundeliebhaber einen Tag zum Feiern, denn heute ist Welthundetag. Es ist ein Ehrentag für den „besten Freund des Menschen“. Von Katharina Daiss

Ein Jagdterrier in vollem Ornat: Für die pfiffigen und furchtlosen Stöberhunde kann es bei der Arbeit durchaus auch mal gefährlich werden, denn aufgescheuchte Wildschweine sind ziemlich wehrhaft und
angriffslustig. Deshalb tragen sie Schutzwesten (Bild oben). Zu Hause im Kreis der Familie zeigen Jagdhunde ihre „weiche“ Seite. Wenn Alfred Stark und seine Tochter Elena mit den Wachtelhündinnen Zuri und Hima das Familienleben genießen, dann werden die beiden Vierbeiner zu wahren „Schmusebären“ (Bild unten). Fotos: Katharina Daiss

Tag des Hundes hin oder her - ein Arbeitstier wie der Jagdhund will selbst an diesem besonderen Tag nicht frei haben. Eifrig unterstützt er den Jäger bei seinen Aufgaben in Wald und Feld. „Wofür die Hunde eingesetzt werden, entscheidet sich nach der Beschaffenheit des Reviers, in dem der Hund arbeitet“, erklärt Alfred Stark.

Der Weilheimer ist der Hundeobmann der Jägervereinigung Kirchheim und leitet seit 20 Jahren den Hundekurs für die Jäger der Region. Durch seine Leidenschaft kam Alfred Stark, der seit 1995 jagt, auf den Hund und ist seitdem der Rasse „Deutscher Wachtel“ treu geblieben. Diese Stöberhunde sind perfekt für den Einsatz in den regionalen Revieren geeignet: „Hierzulande sind vor ellem Hunde als Stöberer auf Drückjagden gefragt. Das erfüllen in erster Linie der Deutsche Wachtel oder der Kleine Münsterländer. Aber auch kleine Hunde wie Terrier oder der Dackel eignen sich hervorragend“, erklärt der erfahrene Jäger.

Bei der Drückjagd durchstreifen Treiber das Revier so, dass das Wild ohne Hast und Panik seinen Einstand verlässt. Die Vierbeiner unterstützen die Treiber und suchen selbstständig in unübersichtlichem Gelände nach Wild. Sie stöbern es auf und bringen es in Bewegung. Die wichtigste Eigenschaft ist dabei der Spurlaut: Die Hunde verfolgen die Fährte eines Wildes laut bellend. „Reh und Schwein bekommen den Lärm mit und können so den Hund auf Abstand halten. Unsere Hunde sollen das Wild ja finden und nicht fangen“, klärt der Hundeobmann auf. Diese Eigenschaft ist den Stöberhunden angeboren. Die tierischen Jagdbegleiter arbeiten dabei selbstständig und nicht immer im Sichtfeld der Jäger, mitunter sind sie mehrere Kilometer von ihrem Führer entfernt. Solche „Fernaufklärer“ finden nach der Jagd oft auf ihrer eigenen Fährte den Weg zurück zu ihren Menschen. Dabei laufen die kleinen Vierbeiner spielend leicht durch dichte Büsche und riechen schon aus weiter Entfernung, wo sich das Wild versteckt.

Durch die wachsende Zahl an Wildschweinen und der Angst vor der Afrikanischen Schweinepest nimmt auch die Anzahl der Drückjagden zu. Gute Stöberhunde erfreuen sich bei den Jägern darum großer Beliebtheit. Alfred Stark führt derzeit zwei Hunde: die zehnjährige Hima begleitet ihn schon seit vielen Jahren auf die Jagd. Zuri, gerade mal ein halbes Jahr alt, befindet sich noch in der Ausbildung. Wenn sie zwei Jahre alt ist, darf sie endlich mit zur Jagd. Davor muss die junge Hündin aber ihre Brauchbarkeitsprüfung bestehen: Sie wird beweisen, dass sie schussfest ist, künstlich gezogenen Wildspuren folgen und zeigen, dass sie im Feld und im Wasser Wild aufstöbern kann. Die jagdlichen Prüfungen sind eine künstliche Nachahmung der tatsächlichen Aufgaben der leistungsstarken Vierbeiner.

Nach bestandener Prüfung können die Hunde dann ihrer Leidenschaft nachgehen. Doch ihre Führer begleitet im Einsatz die ständige Sorge um die geliebten Begleiter. „Die Angst ist immer da, sobald der Hund von der Leine ist“, erzählt Alfred Stark ernst. Dann kreisen seine Gedanken um die nächste Straße und die wehrhaften Wildschweine. Vor vier Jahren wurde seine Hima schwer verwundet: Ein Keiler schlitzte ihren Bauch auf. Selbst die Schutzweste aus Kevlar hielt den Hauern des Keilers nicht stand. Alfred Stark konnte noch rechtzeitig dazwischen gehen und das 100 Kilo schwere Wildschwein erlegen. Die tapfere Hündin wurde genäht und war nach wenigen Monaten wieder die Alte.

Zu Hause ist ihr die wilde Leidenschaft kaum anzumerken. In der Wohnung ist sie genauso lieb wie andere Haushunde. „Sie ist auch sehr kinderlieb, gerade zu meinem zweijährigen Enkelsohn. Die beiden spielen sehr gern zusammen“, berichtet Alfred Stark. Abseits der Jagd genießen die Hunde das ruhige Familienleben. Doch kaum schlüpft der Jäger in die grünen Klamotten, gibt es kein Halten mehr. „Besonders meine Hima dreht dann total durch vor Freude“, lacht der Jäger.

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