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Bereits im 15. Jahrhundert ging‘s los

Schon Höhlenmenschen haben wichtige Ereignisse an die Wand gemalt. Die Sumerer und Ägypter kratzten mühselig Tontafeln, meißelten Hyroglyphen in Stein oder beschrifteten Papyrusrollen. Schon im 15. Jahrhundert gab es tagebuchähnliche Aufzeichnungen auf Pergament oder Papier.

Im 17. Jahrhundert dann ging es so richtig los mit der regelmäßigen Selbstreflexion: Berühmtestes Beispiel ist vermutlich der englische Politiker Samuel Pepys, dessen Tagebücher eine wahre Fundgrube für Historiker darstellen. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde allseits munter drauflos geschrieben - da ging‘s um Politik, ums Militär, um Erotik oder persönliche Empfindungen. Man bedenke allerdings: In jenen Zeiten konnte die breite Masse der Menschen nicht lesen oder schreiben und hatte kaum die Möglichkeit, Bücher oder Papier zu kaufen. Insofern kommen die meisten Tagebücher von Adeligen oder weltlichen beziehungsweise kirchlichen Intellektuellen. Sie dienen daher als wertvolle Grundlage für Dokumentationen aller Art.

Im 20. Jahrhundert wurde das Tagebuch-Schreiben immer populärer. In den Schützengräben des 1. und 2. Weltkriegs führten Wehrmachtsangehörige genauso fleißig Tagebuch wie ihre Frauen zu Hause am Küchentisch. Berühmtestes Werk ist das „Tagebuch der Anne Frank“. In den 70er-Jahren boomte das Tagebuch noch einmal, das zeigen diverse Sammlungen und Auswertungen des „Deutschen Tagebucharchivs“ in Emmendingen.

Heutzutage ist das Tagebuch nicht mehr so „in“ und teilweise auch abgelöst worden von „Blogs“ im Internet. Da die Beiträge im World Wide Web aber meist für jedermann sichtbar sind, hat sich die Charakteristik der Einträge massiv gewandelt und ist nicht mehr so persönlich wie in den meist „geheimen“ Tagebüchern. ab

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