Kirchheim

Berg-Ost dreht noch eine „Ehrenrunde“

Wohngebiet Die Zustimmung über den städtebaulichen Vorentwurf ist auf Anfang Februar vertagt. Der Ötlinger Ortschaftsrat soll noch gehört werden. Von Andreas Volz

Die Ackerfläche rechts der Lindorfer Straße soll sich ins neue Ötlinger Wohngebiet Berg-Ost verwandeln. Nach unten, in Richtung
Die Ackerfläche rechts der Lindorfer Straße soll sich ins neue Ötlinger Wohngebiet Berg-Ost verwandeln. Nach unten, in Richtung Autobahn, sind zwölf Meter hohe Gebäude vorgesehen. Foto: Carsten Riedl

Kirchheim. Dass Kirchheim mehr Wohnraum braucht, ist derzeit allgemein anerkannt. Wie dieser Wohnraum allerdings neu zu schaffen ist, darüber gehen die Meinungen auseinander. Das zeigt sich am geplanten neuen Wohngebiet Berg-Ost in Ötlingen, für das ganz im Süden - zur Autobahn hin - Geschosswohnungsbau vorgesehen ist. Ansonsten aber soll das Gebiet Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser erhalten.

Die zwölf Meter hohen Gebäude im Süden dienen nicht nur dem Wohnen: Eine ebenso wichtige Funktion haben sie für den Lärmschutz. Das mittlere der drei großen Gebäude, die im Vorentwurf enthalten sind, hat noch einmal eine andere Aufgabe: Es wird zur „Quartiersgarage“. Statt Tiefgaragen soll es in dem rund neun Hektar großen Neubaugebiet also ein Parkhaus geben.

Letzteres hat mehrere Vorteile, die zum Lärmschutz noch hinzukommen: Zum einen sind die einzelnen Stellplätze deutlich günstiger als bei einer Tiefgarage, in der pro Stellplatz rund 40 000 Euro fällig werden würden. Zum anderen ist der Hochbau bei der Entwässerung viel unkomplizierter als eine Tiefgarage. Grundsätzlich soll die Entwässerung für das gesamte Gebiet zu einem Drittel über den Dupig-Graben erfolgen und zu zwei Dritteln über einen Mischwasserkanal und die Lauter.

Der Dupig-Graben wiederum ist in Ötlingen ein heikles Thema: Der Ortschaftsrat sieht es sehr kritisch, wenn auch hier das Oberflächenwasser teilweise auf diesem Weg abfließen soll, wie der CDU-Fraktionsvorsitzende Dr. Thilo Rose im Gemeinderat anmerkte.

Die Grünen sehen dagegen das gesamte Projekt kritisch: Stadtrat Max Blon sprach nicht nur vom „falschen Ort fürs Bauen“, der dem Flächenfraß Vorschub leiste, sondern auch von einem zu großen Anteil an Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäusern: „Diese Bebauungsweise gefällt uns nicht.“ In die gleiche Kerbe hieb Heinrich Brinker (Linke): „Wenn schon Fläche versiegelt wird, muss man sie sinnvoll nutzen und darf sie nicht für Einzelhäuser verschwenden.“

Die Freien Wähler sind ganz anderer Meinung, wie Ulrich Kübler betonte: „Wir wollen nicht allen genau vorschreiben, wie sie wohnen sollen. Einigen können wir doch auch zugestehen, in Einfamilien- oder Doppelhäusern zu wohnen.“ Von der Nähe des Gebiets Berg-Ost sowohl zur S-Bahn als auch zur Autobahn versprach er sich außerdem CO2-Einsparungen. Vor allem aber hoffte er, dass es nicht noch weitere Verzögerungen bei diesem Wohngebiet gibt.

Was den Vorwurf des Flächenfraßes und die Frage nach dem Wohnungsmix betrifft, bezog Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker eindeutig Stellung: „Im Flächennutzungsplan war dieses Gebiet immer schon vorgesehen. Und bei den Wohnformen brauchen wir einfach viele unterschiedliche Angebote.“

Eine weitere Verzögerung ließ sich aber trotzdem nicht verhindern: Mit einer Stimme Mehrheit hat der Gemeinderat den Antrag von Thilo Rose angenommen, die Zustimmung zum städtebaulichen Vorentwurf im Gebiet Berg-Ost bis Anfang Februar zu vertagen und zuvor noch einmal den Ötlinger Ortschaftsrat anzuhören. Dabei geht es unter anderem um Themen wie den Umbau der Lindorfer Straße, der zwar zugesagt ist, aber nicht zum künftigen Bebauungsplan gehört, oder um die Frage nach einem Nahversorger. Die Stadtverwaltung schlägt auf Empfehlung eines Marktforschungsunternehmens vor, keinen Laden im Berg-Ost anzusiedeln, weil sonst Kaufkraft aus der Ortsmitte abgezogen werden würde.

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