Kirchheim

Betörend schöne Klanggewebe

Konzert Die vier Ausnahmemusiker der Gruppe Nautilus begeistern im Club Bastion

Die Gruppe Nautilus mit Jürgen Friedrich am Piano, Robert Lucaciu am Kontrabass, Hayden Chisholm am Altsaxofon und Philipp Schol
Die Gruppe Nautilus mit Jürgen Friedrich am Piano, Robert Lucaciu am Kontrabass, Hayden Chisholm am Altsaxofon und Philipp Scholz am Schlagzeug.Foto: Bernhard Fischer

Kirchheim. Es sind alte Bekannte, die die Bastion am Freitagabend in ein luftiges Geflecht von Stimmungen, Klängen, Rhythmen getaucht haben. Sie sind welterfahren und trotzdem beinahe heimisch auf der Bühne des intimen Kirchheimer Kellers. Jürgen Friedrich am Piano, Hayden Chisholm am Altsaxofon, Robert Lucaciu am Kontrabass und Philipp Scholz am Schlagzeug demonstrieren, was in der Musik wie im Leben bestenfalls möglich ist: Vier eigenständige Persönlichkeiten, jeder entwickelt seine musikalischen Gedanken, trotzdem verbinden sich die zu einem abgestimmten harmonischen, schillernden Ganzen.

Sie sind auch angetreten, um eine neue CD vorzustellen, doch sie sei, so Hayden Chisholm, nach einer Tournee durch Schottland schon ausverkauft. So vieldeutig und vielschichtig wie der Titel der CD und der Name der Gruppe, klingt auch die Musik. Alle Musiker haben Kompositionen für den Abend beigesteuert, viele davon stammen von Jürgen Friedrich. „Infrablue“, ein Begriff, der sich in keinem Lexikon findet, ist Titelstück der CD und am Abend die Zugabe, „eine Art Blues“, wie Hayden Chisholm in einer seiner launig entspannten Ansagen erläutert. Jenseits herkömmlicher Formen und Akkordfolgen entwickelte die Gruppe ein balladesk schönes Musikstück mit Anklängen an ein bekanntes Stück des Bassisten und Komponisten Charles Mingus von 1959.

Im Gewölbekeller des Club Bastion kam die Musik weitgehend ohne elektronische Verstärkung aus, nur Piano und Kontrabass wurden auf eine Lautstärke gebracht, die einen homogenen Klang ermöglichte. Jürgen Friedrich ist ein Pianist, der mit klaren, perlenden Linien Stimmungen schafft und seinen Mitmusikern weite Räume öffnet. Hayden Chisholm nutzt die Räume für beinahe gehauchte, andächtig gestaltete Saxofonlinien, die immer wieder auch Elemente orientalischer und indischer Folklore einbeziehen. Robert Lucaciu und Philipp Scholz bilden ein seit langem eingespieltes kraftvolles Duo an Bass und Schlagzeug. Im Rahmen dieses Quartetts fügen sie sich aber kongenial in die zarte Spielweise der Partner ein. Robert Lucaciu mit seinem sonoren Kontrabass bildet das Rückgrat der Musik, Philipp Scholz setzt auch in den meist ruhigen Passagen vielfältige Texturen und Glanzlichter in klanglicher und rhythmischer Hinsicht.

Der Weltenbummler und Soundforscher Hayden Chisholm brachte die Zuhörer vollends zum Staunen, als er beim Stück „to be or not to bop“, in Einleitung und Schlussphase gleich drei Rollen glänzend ausfüllte: als Saxofonist, als Spieler auf dem „hölzernen notebook“ alias indischer Handharmonika sowie als Obertonsänger.

Die Gruppe demonstrierte zur Begeisterung der Gäste eindrucksvoll, dass jenseits aller Klischees viele Möglichkeiten bestehen, wunderbare Musik zu spielen.Bernhard Fischer

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